Die Botschafter der Saar-Universität

Alumni-Akademie : Die Botschafter der Saar-Universität

Mit einem Netzwerk aus internationalen Absolventen will die Universität des Saarlandes Studenten aus dem Ausland anlocken und die Hochschule bekannter machen. Zu diesem Zweck hat sie nun eine Alumni-Akademie gegründet.

Der Wettbewerb um die besten Ideen ist ein Grundelement der Wissenschaft. Doch in Zeiten schrumpfender Geburtenjahrgänge müssen sich die Hochschulen einem weiteren Wettbewerb stellen: dem um neue Studenten. Eine Strategie, um darin zu bestehen, ist, junge Menschen aus dem Ausland anzulocken. Die Universität des Saarlandes setzt dafür auf die Hilfe ihrer internationalen Absolventen. Sie sollen in ihren Heimatländern für die Saar-Uni werben. Um zu eruieren, wie das praktisch aussehen könnte, hat die Hochschule vergangene Woche zum ersten Treffen ihrer internationalen Alumni-Akademie ins Saarland geladen.

Für insgesamt fünf Tage trafen sich Absolventen von fünf Kontinenten, aus Ländern von Senegal bis Kasachstan, den USA bis Vietnam, Chile bis Ägypten, um ihre Verbundenheit mit der Saar-Uni zu demonstrieren und sich über die Stärken, Schwächen und Potenziale des Hochschulstandortes auszutauschen. Praktisches Ziel sei es, ein Netzwerk von Botschaftern für die Saar-Uni aufzubauen, erklärt Claus Jacob, Professor für Bio-Chemie und Mitorganisator der Akademie: „Wir haben nicht den Luxus, in jedem dieser Länder ein Büro der Saar-Uni eröffnen zu können. Manche Hochschulen können das vielleicht, wir nicht.“ Deshalb sollen die freiwilligen Botschafter die Aufgabe übernehmen, die Saar-Uni weltweit zu repräsentieren.

Die Universität des Saarlandes hat eigenen Angaben zufolge unter ihren Studenten einen Ausländeranteil von 18 Prozent. Damit liege sie deutlich über dem Bundesschnitt von zwölf Prozent. Mit der Landespolitik wurde vereinbart, diesen Anteil in den nächsten Jahren zumindest zu halten, ihn möglicherweise noch zu erhöhen. Die Idee, dazu eine sogenannte Alumni-Akademie ins Leben zu rufen, stammt vom Internationalisierungsausschuss des Uni-Senats, zu dem Vertreter von Wissenschaftlern und Studenten gehören. Er verfügt über ein jährliches Budget von 90 000 Euro. 40 000 Euro standen in diesem Jahr für die Alumni-Akademie zur Verfügung.

Die Saar-Uni hofft, auf diesem Weg eine Stärke des Hochschulstandortes auszubauen. „Je internationaler eine Universität ist, desto attraktiver ist sie auch für deutsche Studenten“, so Claus Jacob. „Sprachenvielfalt, multikulturelle Kommilitonen und internationale Möglichkeiten sind ein großes Plus für eine Universität.“

So sieht das auch Ibrahima Diagne, dessen Werdegang als vorbildhaft für das Projekt stehen könnte. Der Germanist aus dem Senegal war während seiner Studienzeit Anfang der 1990er Jahre als DAAD-Stipendiat an der Universität des Saarlandes und kam in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder zu Forschungs- und Lehrzwecken an die Saar-Uni. Dabei entstanden enge Verbindungen besonders zum Romanistischen Institut, die sich in einem regen beidseitigen Austausch von Gaststudenten und in gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten spiegeln. Diagne sieht für die Saar-Uni ein großes Potenzial, gerade im frankophonen Afrika. Um es zu verwirklichen, müsse aber mehr in das Gemeinschaftsgefühl der Absolventen investiert werden: „Ich kenne viele Menschen, die an der Uni eine gute Ausbildung bekommen haben, jetzt aber keinen Kontakt mehr zur Hochschule haben.“

Damit sich das ändert, soll aus den Ideen der angereisten Absolventen nun ein strukturiertes Konzept entwickelt werden. In Zukunft sollen sich internationale Absolventen regelmäßig einmal im Jahr treffen und der Kreis der Eingeladenen – 19 Teilnehmer waren es heuer – deutlich erweitert werden. Geplant ist zudem, dass jeder, der an der Saar-Universität seinen Abschluss macht, künftig eine Alumni-Mail erhält, so Claus Jacob. Über eine Plattform im Internet könnte dann ein Informations- und Kontaktaustausch ermöglicht werden. Zusammen mit den deutschen Absolventen entstünde so idealerweise über die Jahre ein Netzwerk von bis zu 300 000 Personen.

Ein Netzwerk dieser Größenordnung hätte auch ein politisches Gewicht, glaubt Jacob. Alumni, die in einflussreichen Positionen in Politik und Wirtschaft sitzen und sich als Teil einer Gemeinschaft sehen, könnten bei problematischen Entscheidungen eine deutliche Stimme im politischen Prozess sein. Schließlich profitiere das ganze Land von der Uni – und nicht zuletzt von den internationalen Studenten und Forschern, die sie anziehe.