Der Studiengang Computerlinguistik bietet gute Berufsaussichten

Computerlinguisten an der Saar-Uni : Sie entwickeln das sprechende Kochbuch

Computerlinguistik ist ein wenig bekannter Studiengang der Saar-Universität, der gleichwohl sehr gute Berufsaussichten bietet.

Computerlinguistik? Von diesem Studiengang ist nur wenig bekannt. Das Fach wird bundesweit an weniger als zehn Hochschulen angeboten. Rund 100 Studierende sind derzeit an der Saar-Universität in diesem Fach eingeschrieben. „Computerlinguistik – was kann man damit überhaupt anfangen?“, haben sich auch Urs Alexander Peter und Theresa Schmidt gefragt, bevor sie sich an der Saar-Universität eingeschrieben haben.

„Coli“ wird ihr Studiengang in aller Kürze auf dem Campus genannt. Ihr Bruder habe sie damit aufgezogen, und gefragt, ob das Fach etwas mit den gleichnamigen Bakterien zu tun habe, erinnert sich Schmidt. Dabei erforscht die Computerlinguistik die Verarbeitung menschlicher Sprache mit Hilfe von Computern.

Wie viele ihrer Kommilitonen sind die beiden eher durch einen Zufall auf den Studiengang aufmerksam geworden. Eigentlich hätte Schmidt am liebsten ein „Studium generale“ angefangen. Schließlich hat sich die 22-Jährige entschieden, etwas zwischen Mathematik und Linguistik zu studieren. Sie wurde dann in diesem Fach fündig.

Für die Saar-Universität hat sich die junge Frau aus Franken ganz bewusst entschieden.  Denn hier seien die Top-Dozenten zu Hause und viel Forschung direkt auf dem Campus zu finden. Peter, der aus Schleswig-Holstein stammt, kam zum Tag der offenen Tür der Universität nach Saarbrücken und wollte sich eigentlich über den Studiengang Mechatronik informieren. Zufällig landete er in einem Computerlinguistik-Vortrag und war sofort begeistert.

Inzwischen ist er im achten und Schmidt im sechsten Semester. Ihre Studienwahl haben die beiden nie bereut – auch wenn sie Außenstehenden immer noch oft erklären müssen, was sie eigentlich tun. „Meine Tochter studiert Siri“, erklärt ihr Vater Fachfremden immer ihren Studiengang, sagt Theresa Schmidt lächelnd. Die Studenten entwickeln unter anderem Suchmaschinen, maschinelle Übersetzungs-Systeme, Programme zur automatischen Korrektur von Rechtschreib- und Grammatik-Fehlern sowie zum Herstellen von Text-Zusammenfassungen. Theresa Schmidt hat kürzlich ein „sprechendes Kochbuch“ entworfen, das den Nutzern Rezepte vorliest.

Solche und ähnliche Projekte sollen den Bachelor-Studierenden schon früh den Einstieg in die praktische Arbeit ermöglichen. Hinzu komme eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Und an den Lehrstühlen gebe es viele Hiwi-Jobs, ergänzt Peter. Er hat bereits ein Praktikum bei der Firma eines Dozenten absolviert, das für Automobilfirmen Software entwickelt. Überhaupt seien die Saarbrücker Lehrkräfte früh bei der Produktvermarktung dabei, haben zum Beispiel auch einen sprachgesteuerten Roboter und einen Flugsimulator entwickelt.

Die beruflichen Perspektiven nach dem Studium seien sehr gut, sagt Peter. Und Schmidt ergänzt: „Die Arbeitslosigkeit unter den Absolventen liegt quasi bei null Prozent. Studierende können entweder das Bachelorstudium als Sprungbrett in den Beruf benutzen oder an der Saar-Universität den Master-Studiengang „Language Science and Technology“ direkt anschließen. Auch für diejenigen, die nach ihrem Abschluss im Gegensatz zu Peter keine Karriere in der Wirtschaft, sondern in der Forschung einschlagen wollen, gebe es noch viel zu tun. Schmidt: „Die Computerlinguistik ist gerade aus den Kinderschuhen hinausgewachsen.“

Wer sich für das Fach interessiert, sollte neben Sprachverständnis und logischem Denkvermögen Spaß an Mathematik mitbringen. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, stellen die beiden klar. Auch Programmier-Kenntnisse seien nicht erforderlich. Im Bereich der Informatik werde den Anfängern der Einstieg leichtgemacht.

Abgesehen vom Fachlichen mögen die beiden, dass ihr Fachbereich überschaubar ist: „In der Coli-Familie kennt quasi jeder jeden. Wir sind fast immer im Rudel unterwegs.“ Ihre Kommilitonen kommen aus vielen unterschiedlichen Ländern.

Um sein Fach bekannter zu machen, engagiert sich Peter in der Fachschaft. Wer sich für ‚Coli‘ interessiere, könne es auch so wie sie machen, rät Schmidt: „Einfach mal zur Universität fahren und sich in eine Vorlesung setzen.“

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