Saar-Uni braucht mehr Platz: Der Saar-Uni wird’s auf dem Campus zu eng

Saar-Uni braucht mehr Platz : Der Saar-Uni wird’s auf dem Campus zu eng

Ein neues Entwicklungskonzept der Landesregierung soll im kommenden Jahr den Flächenbedarf der Fächer unter die Lupe nehmen.

Wie sieht die Zukunft der Saar-Uni aus? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Der Wissenschaftsrat hat seine Empfehlungen dazu in zwei über 400 Seiten starken Expertisen zusammengefasst, 40 Seiten umfasst der Hochschulentwicklungsplan der Landesregierung und die Leitlinien des Uni-Präsidiums sind auch nicht dünner. Doch einen Punkt blendeten die Zukunftspläne bisher aus. Für exzellente Forschung und Lehre braucht die Uni Büros, Bibliotheken, Labore und Seminarräume. Und daran herrscht wegen der zerbröselnden Bausubstanz auf dem Saarbrücker Campus mittlerweile Mangel. Damit der wissenschaftliche Betrieb störungsfrei läuft, müssen nun sogar Teile der Uni-Verwaltung in die Stadt ausgelagert werden (wir haben berichtet).

Wie geht es weiter auf dem Saarbrücker Campus? Das soll ein neuer Plan zeigen: der „Hochschulstandortentwicklungsplan“. Weil schwierig auszusprechen, wird der Zungenbrecher kurz und bündig auch als „HSEP“ bezeichnet. Er hat zunächst die Saarbrücker Fachbereiche der Saar-Universität zum Thema, erklärt Daniel Kempf, zuständiger Abteilungsleiter im Ministerium für Inneres, Bauen und Sport. Ziel sei eine komplette Bestandsaufnahme der Saarbrücker Uni-Liegenschaften und darauf aufbauend ein Campus-Konzept für die Hochschule der Zukunft. Die Landesregierung wolle dafür ein externes Beratungsunternehmen engagieren und sei bereits mit mehreren Partnern im Gespräch. Er rechne mit einer Entscheidung bis Frühjahr des kommenden Jahres. Bis der Plan geschrieben sei, könnten allerdings zwei Jahre ins Land gehen.

Das neue Campus-Konzept wird einen arg angestaubten Rahmenplan des Landes aus dem Jahr 2011 ablösen. Der ist in wesentlichen Punkten von der Realität überholt, zeigte aber bereits, dass die Entwicklungsmöglichkeiten der Universität in Saarbrücken begrenzt sind. Nur an der sogenannten Banane, der Nordostkurve des Campus am Meerwiesertalweg, zeigte dieser Plan noch ein größeres, zusammenhängendes Erweiterungsareal. Uni-Präsident Manfred Schmitt verlangt deshalb: „Die Universität braucht Erweiterungsperspektiven.“ Wohlgemerkt: Hier geht es um die Saar-Universität. Der Präsident spricht nicht vom alles überlagernden Megathema dieses Jahres, der Ansiedlung des neuen Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit. Dieses Zentrum biete Land, Stadt und Uni „phantastische Chancen – darum beneiden uns viele andere Hochschulen“. Deshalb macht sich Schmitt zusammen mit dem Hochschulrat dafür stark, „das Forschungszentrum so nah wie möglich an die Informatikforschung anzubinden“. Dafür sollten Flächen in unmittelbarer Nachbarschaft des Saarbrückers Uni-Geländes erschlossen werden. Die Hochschule werde alles tun, um ihrem neuen Nachbarn in der Aufbauphase vorübergehend Unterkunft zu bieten.

Doch handele es sich beim Helmholtz-Zentrum um einen Komplex enormer Dimensionen – er wird mittelfristig die Zahl der Informatikforscher in Saarbrücken wenigstens verdoppeln. Die Hochschule, die gerade selbst einen neuen Forschungsbau-Antrag in Saarbrücken auf den Weg gebracht hat, könne für das neue Zentrum nicht sämtliche Reserveflächen hergeben. Sie benötige Platz für ihre eigene Entwicklung. Das sieht auch Daniel Kempf vom Innenministerium so: „Die Helmholtz-Erweiterung kann nicht zu Lasten der Universität gehen.“ Welche Fächer künftig welche Flächen benötigen, werde ein Thema des neuen Hochschulstandortentwicklungsplans sein. Eine Lösungsmöglichkeit könnte etwa so aussehen: Wenn der Wissenschaftsstandort für das Helmholtz-Zentrum im Nordosten erweitert werde, könnten neue Bauflächen für die Uni im Südwesten des Campus, zwischen Uni-Parkhaus und Landessportschule, gewonnen werden. Doch dafür, so Daniel Kempf, sei am Ende aus baurechtlichen Gründen zwingend die Beteiligung der Stadtverwaltung erforderlich.

Foto: Wieck/Thomas Wieck

Während das Saarbrücker Rathaus einer Südwest-Erweiterung der Universität offenbar aufgeschlossen gegenübersteht, sieht Oberbürgermeisterin Charlotte Britz auf dem Saarbrücker Campus der Saar-Uni noch beachtliche Reserven, die für den Aufbau des Helmholtz-Zentrums genutzt werden könnten. Das städtische Baudezernat habe bei einer genauer Inspektion des Campus „erhebliche Potentiale“ identifiziert. Auf dem Gelände gebe es Baulücken und Gebäude, die abgerissen oder aufgestockt werden könnten. Der Campus biete zudem den Vorteil, dass dort bereits Baurecht bestehe. Die Saarbrücker Stadtverwaltung unterstütze das auch für das Saarland wichtige Informatik-Projekt mit allen Kräften, die Flächen in der näheren Umgebung der Universität hätten „aber erhebliche Restriktionen in Bezug auf Landschaftsschutz, Wasserschutz und die topographische Lage.“ Die Oberbürgermeisterin fordert deshalb die Landesregierung auf, den Campus im Stadtwald als Alternative zu den Flächen im Umfeld der Universität genauer zu untersuchen.

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