Der Campus Göttelborn sorgt für ein gutes Ranking der Saar-Architekten.

Ausstattung schlägt Lage : Gute Noten für die Saar-Architekten

Der Architekturstudiengang der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken konnte im Hochschul-Ranking punkten.

„Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagt Professor Ulrich Pantle, Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Er meint damit das ausgezeichnete Ergebnis des Architekturstudiengangs beim Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Vor drei Jahren war der Studiengang schon einmal bewertet worden und konnte nur in drei Kriterien die Spitzengruppe erreichen. Beim diesjährigen Ranking gelang dies in vierzehn von zwanzig.

Das CHE-Ranking soll Studierenden einen Anhaltspunkt geben, ob eine bestimmte Hochschule für die eigenen Anforderungen die richtige Wahl ist. Auf Grundlage von Daten der Hochschulen selbst und einer Wertung durch die Studierenden, werden die Betreuung am Studienanfang, der Praxisbezug und die allgemeine Studienorganisation bewertet. Ein so gutes Abschneiden der HTW-Architekten hätte 2016, als der Studiengang auf den Campus nach Göttelborn ausgelagert wurde, wohl niemand erwartet.

„Der Umzug hatte zunächst für ziemlichen Unmut unter uns gesorgt“, sagt der 24- jährige Gabriel Motsch, der im Masterstudiengang Architektur eingeschrieben ist.
97 Prozent der Architekturstudenten hatten sich damals bei einer Umfrage der Fachschaft gegen einen Standortwechsel ausgesprochen. Grund zur Sorge war vor allem die lange Anreisezeit. Die ist auch heute noch ein Thema. Der gleich zu Beginn eingerichtete Shuttle-Service, sollte Abhilfe schaffen. Doch es gab Anlaufschwierigkeiten: Studierende beklagten Anfahrtszeiten über zwei Stunden, vor allem, wenn sie mehrfach umsteigen mussten (wir haben berichtet). Seit einiger Zeit fahren die zusätzlichen Busse nicht mehr ab dem Bahnhof Quierschied, sondern schon vom Saarbrücker Hauptbahnhof. „Das funktioniert besser und wird von Studenten, die kein Auto haben auch gebraucht“, erklärt der 22-jährige Niclas Hertel, Architekturstudent und Mitglied der Fachschaft. Bei gerade einmal 310 Studenten insgesamt, fährt der Bus allerdings oft genug nur spärlich befüllt hin und her. Auch Dekan Professor Ulrich Pantle sieht die Lage des Campus als bleibendes Manko. „Ansonsten ist die Situation vor Ort sehr gut. Die Räume sind wirklich großzügig und ziemlich unkonventionell.“

Die Werkstatt der Industriekultur auf dem ehemaligen Grubengelände in Göttelborn ist das Herzstück der Schule für Architektur Saar. Besucher gehen zunächst durch das Foyer der großen, lichtdurchfluteten Halle. Hier stehen Sitzbänke, die zur Mensa gehören. Der Begriff Mensa erscheint dabei nicht ganz treffend, denn von einer Großkantine, wie man sie an einer Hochschule erwartet, kann nicht die Rede sein. Klein und familiär, wie alles an diesem Standort, ist auch die Gastronomie. An die Sitzgruppen schließt sich nahtlos ein Ausstellungsraum an, in dem die Architekturstudenten einige ihrer Arbeitsmodelle präsentieren. „Hier können sich zum Beispiel die unteren Semester Anregungen von den höheren holen und sehen, was die Anderen so machen“, erklärt der 22-jährige Niclas Hertel.

Ein großes Plus des Standortes sei die verbesserte Kommunikation. „Am Campus Saarbrücken kannten wir uns untereinander gar nicht. Hier lernt man Studierende aus unterschiedlichen Semestern kennen und tauscht sich viel stärker aus“, so der Bachelor-Absolvent, der ab dem Wintersemester auch den Masterstudiengang hier absolvieren will. Wer die zentrale Halle erreicht, die sich ans Foyer anschließt, versteht, was den Austausch befördert: Ein offener Raum, der durch Vorhänge in kleine Arbeitsgruppen geteilt werden kann, mit einem kleinen, von den Studierenden selbst gebauten Holzhäuschen, in dem ein Sofa und Sitzsäcke zum Entspannen einladen. Eine kleine Treppe führt vorbei am Theater, einer großen Treppe mit Sitzkissen, an deren Ende eine Leinwand aufgebaut ist, und hinauf auf die Galerie. Dort stehen den Studierenden große Tische zur Verfügung, an denen sie an ihren Modellen arbeiten können. Die vielen Fenster lenken den Blick nach draußen ins Grüne. Hier arbeiten Architekturstudenten aller Semester nebeneinander. „Zu jedem Semesterbeginn werden die Arbeitsplätze neu vergeben, am Ende des Semesters müssen sie wieder geräumt werden“ erklärt Niclas Hertel.

 „Ich bin ganz froh, dass wir jetzt hier sind, hier kann man sich komplett entfalten“, sagt Motsch. Die Studierenden organisieren sich in Göttelborn selbst und können die Räume sieben Tage die Woche rund um die Uhr nutzen. „Ein Umzug zurück in die alten Räume, das würde nicht klappen“, so Hertel. Die Ausstattung, IT-Infrastruktur und der Arbeitsplatz am neuen Standort wolle man nicht mehr missen, pflichtet Motsch bei. Das hat sich auch beim CHE-Ranking niedergeschlagen. Räume, IT-Infrastruktur und Ausstattung der Arbeitsplätze wurden von den Studenten durchweg sehr gut beurteilt. Eine ähnlich gute Ausstattung am Standort Saarbrücken wäre natürlich Allen am liebsten. Allerdings ist von Seiten der HTW-Leitung zu hören, dass ein Rückumzug der Architekten so schnell nicht geplant ist, da immer noch Platz fehlte.

Unter anderem bei der internationalen Ausrichtung von Master- und Bachelorstudiengang sowie bei der Betreuung am Studienanfang erreichte der Studiengang nicht die Spitzengruppe. Pantle sieht hier aber nur bedingt Nachholbedarf. In der Studienanfangsphase gebe es gute Angebote, dazu gehörten neben dem Mentorenprogamm auch eine einwöchige Projektwoche, bei der die Erstsemester vor allem die Kommilitonen kennenlernen sollten. „Das trägt zur Teambildung bei und ist deshalb sehr wichtig“, so Pantle. Es gebe zudem Einzelgespräche und eine Zukunftskonferenz, bei der Studenten und Dozenten darüber diskutierten, wie die Studien- und Arbeitsbedingungen verbessert werden könnten. „Zu Studienbeginn ist vielmehr das grundsätzliche Problem, dass die Anfänger keine richtige Vorstellung von dem Studiengang haben. Das Bild von Architekten, das besonders in Filmen oft kolportiert wird, entspricht nicht der Realität. Das sieht meist so aus: Architekten fahren Porsche und sitzen den ganzen Tag kreativ im Café.“ Architekten seien Generalisten, der Studiengang fordere viel. Der Arbeitsaufwand werde häufig unterschätzt, so Pantle. Hier helfe nur, bereits frühzeitig, etwa in den Schulen, aufzuklären.

Kritikpunkt im Bereich der internationalen Ausrichtung, war unter anderem, das fehlende Angebot mehrsprachiger Lehrveranstaltungen. Pantle sagt dazu: „Uns fehlen die Kapazitäten, alle Lehrveranstaltungen auch noch in einer Fremdsprache anzubieten. Allerdings ist die Projektbetreuung immer eine Einzelbetreuung, die findet durchaus auch in Englisch oder Französisch statt.“ Niclas Hertel sagt, wer sich mehr Internationalität wünsche, könne ein Auslandssemester einlegen „Wir haben vier Partner-Unis, in Florenz, Sevilla, Brünn und Nancy. Wenn man dort sein Auslandssemester macht, lassen sich alle gesammelten Punkte in den Studiengang einbringen und der Aufenthalt lässt sich leicht in die Studienzeit integrieren, ohne großen Zeitverlust.“ Hertel ist aber einer der wenigen, die ein Auslandssemester gemacht haben. „Saarländische Studenten scheinen sich damit ein wenig schwer zu tun“, so Pantle.

Lange haderten die Architekten mit dem Umzug nach Göttelborn. Jetzt erhält der Standort gute Noten. Foto: Iris Maria Maurer

Dass nur selten Architekturstudenten aus dem Ausland zum Studieren an die HTW kommen, sieht Pantle darin begründet, dass noch zu wenig Werbung für den Studiengang gemacht werde. Motsch sieht das vielmehr als gesamt-saarländisches Problem: „Es scheint mir generell so zu sein, dass viele das Saarland nicht richtig auf dem Schirm haben und dadurch gar nicht sehen, was für eine gute Arbeit wir hier machen.“

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