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Das Stehaufmännchen der Saar-Uni

Das Stehaufmännchen der Saar-Uni

Über Jahre hinweg sah die Soziologie an der Saar-Uni wie ein sicherer Streichkandidat aus. Jetzt bleibt sie erhalten. Ermöglicht haben das unter anderem ihre Kooperationsprojekte und die Drittmitteleinnahmen.

Gemeinsam geht's besser - vor allem aber billiger. So lautet das Leitmotiv der Landesregierung in der Hochschulpolitik . Die beiden größten saarländischen Hochschulen sollen mehr Miteinander wagen. Mal mehr, mal weniger knirschend kommen diese Kooperation auch in Gang. Sogenannte Kooperationsplattformen und gemeinsame Projekte in der Weiterbildung sollen den Wissenschaftsbetrieb effizienter machen.

Der neue Trend der Hochschulpolitik beschert nun aber auch einem Lehrstuhl der Saar-Universität, an dessen Beinen schon seit Jahren die Säge saß, plötzlich wieder Standsicherheit. Die Soziologie , in diversen Entwicklungs- und Abwicklungsplänen seit der Jahrtausendwende ein quasi sicher gesetzter Streichkandidat, soll erhalten bleiben. So steht's im Hochschulentwicklungsplan der Landesregierung, und so ist es nun auch mit der Universität vereinbart.

Hinter der politischen Ansage, dass der Soziologie-Lehrstuhl wiederbesetzt werden solle, das erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete Magnus Jung , stehe die grundsätzliche Überzeugung, dass die Sozialwissenschaft einerseits für die Uni wichtig und andererseits bei den Studenten gefragt sei. Außerdem habe eine Rolle gespielt, dass die Soziologie eines der ältesten Kooperationsmodelle der saarländischen Hochschullandschaft unterhalte und der Uni-Lehrstuhl sich praktisch selbst finanziere.

Damit spielt Jung, der sich im Wissenschaftsausschuss des Landtags für die Soziologie stark gemacht hat, auf das Centrum für Evaluation (Ceval) der Saar-Universität an. Dieses neben dem Soziologie-Lehrstuhl angesiedelte wissenschaftliche Dienstleistungszentrum bietet gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) seit über zehn Jahren einen berufsbegleitenden Masterstudiengang Evaluation an, in dem Gutachter und Berater ausgebildet werden.

25 Studenten werden pro Semester aufgenommen, pro Studienjahr entrichten sie je 2400 Euro Gebühren. Er gilt als einzigartig in Deutschland. In Europa gebe es nur ein gutes Dutzend solcher Weiterbildungsangebote, erklärt sein Direktor, der Soziologie-Professor Reinhard Stockmann. Außer über den kostenpflichtigen Studiengang fährt das Ceval Drittmittel ein. Alle Aktivitäten zusammengenommen seien das ungefähr 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Im kommenden Jahr soll das Saarbrücker Studienangebot gemeinsam mit dem Weiterbildungszentrum Disc ("Distance and Independent Studies Center") der Uni Kaiserslautern erweitert werden. Es gehört mit über 4000 Studenten zu den bundesweit renommiertesten Anbietern auf diesem Sektor. Geplant ist ein internationaler, kostenpflichtiger Masterstudiengang ("Blended Learning Master of Evaluation").

In dieser englischsprachigen Ausbildung könnten 20 Studenten pro Semester aufgenommen werden. Obwohl das Projekt nur angekündigt sei, sei die Kapazität bereits praktisch ausgeschöpft. "Wir haben schon 20 Bewerber, obwohl wir noch nicht einmal gestartet sind", erklärt der Saarbrücker Soziologe.

Rechne man die Einnahmen aus Studiengebühren, die Drittmittel sowie die für beide Studiengänge erwarteten Hochschulpaktmittel zusammen, trügen sich der Uni-Lehrstuhl und das Centrum für Evaluation am Ende selbst. Ohne die Hochschulpaktmittel, so Roland Rolles, Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung der Saar-Universität, wäre diese Rechnung allerdings nicht aufgegangen. Die Landesregierung habe aus diesem Grund eine finanzielle Garantie für den Fall gegeben, dass der Bund diese Zusatzfinanzierung der Hochschulen im kommenden Jahrzehnt herunterfahren sollte.

Soziologie und Saar-Uni schienen lange Zeit zwei Partner, die so richtig nicht zusammenfinden wollten. So klebte am Lehrstuhl Reinhard Stockmanns, der 1998 von Mannheim nach Saarbrücken kam, fast zwei Jahrzehnte lang ein sogenannter k.w.-Vermerk ("künftig wegfallend"). Jetzt ist plötzlich der Vermerk und nicht der Lehrstuhl weggefallen. Daran habe er eigentlich selbst nicht mehr geglaubt. "Doch nun kann ich zuversichtlich in Rente gehen", freut sich der einzige Soziologie-Professor der Saar-Uni. Er scheidet im Frühjahr 2021 aus dem Amt.