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„Bei uns herrscht Untergangsstimmung“

„Bei uns herrscht Untergangsstimmung“

Spätestens seit dem Struktur-Papier des Uni-Präsidenten ist die Lage auf dem Saarbrücker Campus ernst – auch für die Studentenvertreter. Sie lehnen die Einsparungen und Streichungen an ihrer Universität ab.

"Mehr geht nicht " könnte dieser Tage der Leitspruch der Saar-Universität lauten. Ein Struktur-Konzept des Präsidiums spricht von Einsparungen von rund 120 Millionen Euro. Um dieses Volumen zu erreichen, sieht das Papier eine Zusammenlegung ganzer Fakultäten sowie Fächerschließungen auf dem Saarbrücker Campus vor. Besonders die geisteswissenschaftlichen Fakultäten fühlen sich durch die Vorschläge in ihrer Existenz bedroht. Das sorgte unter den Dekanen der Saar-Universität für heftige Reaktionen (wir haben berichtet).

Überall an der Uni gebe es Signale, dass das Konzept so nicht funktionieren kann, sagt die Vorsitzende des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) der Saar-Uni, Charlotte Dahlem. Laut Dahlem zeige das Sparkonzept von Uni-Präsident Volker Linneweber vor allem, welche gravierenden Einschnitte die Vorgaben der Landesregierung auf dem Saarbrücker Campus zur Folge haben würden. Gegen die laufen die Studenten nun Sturm. "Wir haben sehr viele Anfragen nach Demos", sagt Charlotte Dahlem.

Zahlreiche Petitionen zur Erhaltung von Fakultäten und Studiengängen wurden bereits im Internet gestartet. Vergangenen Freitag bombardierten die Studenten im sozialen Netzwerk Facebook die Seite von Ministerpräsidenten Annegret Kramp-Karrenbauer mit hunderten Bildern einer kranken Uni-Eule. Tags darauf demonstrierten rund 50 Studenten der Philosophischen Fakultäten vor der Saarbrücker Congresshalle.

"Bei uns herrscht momentan Untergangsstimmung. Wir haben Angst, dass wir einfach wegrationalisiert werden", erklärt Jacqueline Denkinger, Fachschaftsvertreterin der Philosophischen Fakultät I. Nach den Plänen des Präsidiums sollen die Philosophischen Fakultäten zusammen mit den Rechtswissenschaften zu einer "Europafakultät" zusammengelegt werden. "Wir müssen befürchten, dass wir da untergehen bei einer so großen Fakultät wie Jura", so Denkinger. Auch Dennis Diercks, Mitglied der Fachschaft Jura, ist gegen dieses Konzept. Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät funktioniere so, wie sie jetzt aufgestellt sei, optimal, sagt Diercks. "Wir haben mit den Wirtschaftlern gemeinsame Studiengänge und gemeinsame Prüfungsämter . Beide Fächer sind so miteinander verzahnt, dass man sie nicht trennen kann", erklärt der Fachschaftsvertreter. "Wir als Fachschaft wollen mit den Wirtschaftswissenschaftlern zusammen bleiben", sagt Diercks.

"Wir wollen einfach nur überleben", fügt die Fachschaftsvertreterin der Philosophischen Fakultät I hinzu. Denn besonders der Einschreibstopp ab diesem Wintersemester für den Studiengang Latein sorge dafür, dass die Existenz des Fachs auf dem Spiel stehe. Der Stopp stamme aber nicht von der Uni, sagt Jacqueline Denkinger, sondern von der Staatskanzlei. Die kann laut Pressestelle der Universität die Zulassungszahlen per Rechtsverordnung für alle Studiengänge mit einer lokalen Zulassungsbeschränkung festlegen.

Auf vollkommenes Unverständnis seitens des Astas stößt die Entscheidung der Landesregierung, die freiwerdenden Bafög-Mittel nicht den Hochschulen zu überlassen. Ministerpräsident Kramp-Karrenbauer hatte vergangene Woche im Landtag angekündigt, dass die fünf Millionen Euro, die aus den Mitteln für die Hochschulen bereitgestellt werden, von der Landesregierung gezielt in ausgesuchte Projekte gesteckt werden sollen. "Das Geld könnte gerade die kleinen Fächer retten", erklärt Charlotte Dahlem. Es sei auch nicht, wie die Regierungschefin im Landtag erklärte, die Aufgabe der Landespolitik zu sagen, wie die Hochschullandschaft aussehe, so Dahlem. Das Land biete ihrer Ansicht nach lediglich den Rahmen, den dann die Uni selbst fülle: "Die Uni-Gremien haben hier den besseren Durchblick."