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Asta hofft, dass ein Teil des Saar-Uni-Campus bald autofrei wird

Saar-Universität : Wunsch nach autofreiem Französischen Platz

Arbeiten auf dem Saarbrücker Campus könnten eine Verkehrswende an der Saar-Uni einleiten. Zumindest hofft das der Asta.

Wer sich den Wikipedia-Eintrag der Saar-Universität anschaut, liest dort, ihr Saarbrücker Campus liege mitten im Stadtwald. Da drängt sich das Bild von einer Campus-Idylle auf, mit vielen Studenten unter Bäumen im Grünen. Tatsächlich gleicht der Saarbrücker Campus im Semester aber mehr einem Parkplatz als einem Park. Der neugewählte Asta nimmt gerade wieder einmal Anlauf, dieses Gelände der Saar-Universität zu einer weitgehend autofreien Zone zu machen. Das sieht auch ein beinahe 20 Jahre alter Rahmenplan der Landesregierung vor. Weil sämtliche früheren Versuche der Studentenvertretung, aber auch der Unileitung gescheitert sind, peilen die Studenten diesmal keine umfassende Lösung an, sondern wollen sich in kleinen Schritten voranarbeiten.

Starten, so Asta-Vorsitzender Moritz Philipp, soll das Ganze am Französischen Platz vor dem Audimax. Der solle ohnehin demnächst im Zuge größerer Reparaturarbeiten aufgerissen und saniert werden. Der Asta wolle nun darauf hinwirken, dass der Platz danach für die Studenten hergerichtet und nicht mehr als Parkplatz zweckentfremdet wird. Die Arbeiten auf dem Französischen Platz werden notwendig, weil Fernwärmeleitungen erneuert werden müssen, erklärt Roland Rolles, Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung der Saar-Universität.

Grundsätzlich seien Landesregierung, Uni-Leitung und Studenten auch einer Meinung, was das Fernziel „autoarmer Campus“ betrifft. Doch müsse die Hochschulleitung auch berücksichtigen, dass für Parkplätze, die auf dem Campus entfallen, Flächen an anderer Stelle benötigt werden. In jedem Fall seien die jetzt anstehenden Arbeiten, die sich von einstigen Wohnheim D über den Französischen Platz bis zum Areal des Botanischen Gartens erstreckten, „eine mehrjährige Maßnahme“. Bis zur Neugestaltung des Französischen Platzes könnte es also einige Zeit ins Land gehen.

Soll die Saar-Universität Autos von ihrem Saarbrücker Campus verbannen? Was halten Studenten und Mitarbeiter von dieser Idee? „Gerade an den Stellen, wo sich Studenten regelmäßig aufhalten, sollten nicht so viele Autos parken“, sagt Patrick Chemnitz. „Der Französische Platz sollte künftig ein Aufenthaltsort für die Studenten werden“, erklärt der 23-Jährige. Der Jurastudent sieht aber kein Problem darin, dass an ausgewiesenen Plätzen, etwa am Uni-Markt, geparkt wird.

Allein schon, um die Gefahren für Fußgänger am Campus-Zentrum und an der Bushaltestelle zu verringern, finden die Rechtswissenschaftlerinnen Natascha Beiche (20) und Victoria Surrey (21) einen gänzlich autofreien Campus gut. Beiche sagt, sie fahre selbst mit dem Auto von Völklingen zur Universität, da die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut sei. „Ich parke aber immer im Parkhaus. Wenn allerdings alle Autos, die auf dem Campus stehen, dort untergebracht werden sollen, dann bräuchte man auf jeden Fall mehr Parkhäuser“, so die 20-Jährige.

„Ich fände es zwar gut, wenn die Autos vom Campus verschwinden, allerdings ist das wohl schwierig umzusetzen“, sagt Masterstudent Johannes Loyo. „Man bräuchte noch ein zusätzliches, ziemlich großes Parkhaus, da ja auch viele Mitarbeiter, die außer­halb von Saarbrücken wohnen, mit dem Auto kommen müssen. Die Uni ist nicht so stadtnah, dass man einfach darauf verzichten könnte“, erklärt der 26-Jährige. 

Ein Problem sei, dass viele der Studenten nur aus Bequemlichkeit auf dem Campus parkten, sagt der 22-jährige Jura-Student Alexander Hager. Doktorandin Florence Scherer stimmt zu: „Obwohl die Preise mit vier Euro Parkgebühren auf dem Campus pro Stunde recht hoch sind, scheint das viele nicht abzuschrecken.“

 Julius Laufenberg findet, es sei vor allem wichtig, die Leute dazu zu animieren, vermehrt auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. „Zumindest von der Innenstadt zur Uni ist die Busverbindung, mit Ausnahme der Wochenenden, doch recht gut.“ Der 26-jährige Rechtswissenschaftler ist der Meinung, dass der Bau eines zusätzlichen Parkhauses wegen des fehlenden Platzes und der vermutlich fehlenden finanziellen Mittel keine Option sei.

„Aufgrund des vielen Verkehrs zur Uni und zurück verspäten sich Busse oft“, erklärt der 26-jährige Frederik Lucas. Da der Verkehr durch einen autofreien Campus insgesamt abnehmen und somit auch der Busverkehr entlastet würde, befürwortet der Psychologiestudent diese Idee. „Wenn man darüber nachdenkt, dass oft 20 Leute desselben Studiengangs jeweils mit dem eigenen Auto zur Uni fahren, fände ich den Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel auch mit Blick auf die Umwelt sinnvoll.“

Hans Jürgen Profitlich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, fährt seit zwei Monaten mit dem Fahrrad zur Uni. „Ich habe mich von der Fridays-for-Future-Bewegung anstecken lassen.“ Er ist der Meinung, dass die Stadt Saarbrücken in puncto Mobilität umdenken müsse: „Es gibt zu wenige Park-and-Ride-Parkplätze. Zudem sind die Parkgebühren und Bustickets nicht gerade günstig“, sagt der Informatiker. Um das Konzept eines autofreien Campus umsetzen zu können, seien zudem strikte und konsequente Parkverbote nötig.

Janine Petri sieht das Thema autofreier Campus kritisch. Mitarbeiter, die Modelle, schwere Bücher und Gepäck tragen müssten, bräuchten einen Parkplatz. Problematisch findet sie aber, dass Einfahrberechtigungen für Mitarbeiter teilweise untereinander herumgereicht und auch von Studenten genutzt würden. „Ich denke, es sollte engmaschiger kontrolliert werden, ob die Autos, die auf dem Campus parken, auch wirklich dort parken dürfen“, sagt die studentische Hilfskraft am Europa-Institut. „Ein autofreier Campus ist meiner Meinung nach kein Ziel, das wir anstreben sollten. Man sollte autofreie Zonen einrichten, zum Beispiel auf dem Französischen Platz.“ Einschränken statt verbannen – das ist für die studentische Hilfskraft im Europa-Institut die Lösung.