Hochkonzentriert mit Herrchen ans Ziel

Hochkonzentriert mit Herrchen ans Ziel

St. Ingbert. "Nicht streicheln, ich arbeite" steht auf dem Geschirr des zehnjährigen Rüden Amor und das nicht ohne Grund. Denn der weiße Schäferhund ist von Beruf Blindenführhund. Wenn er mit Herrchen Marcus Hoffmann unterwegs ist, muss der Rüde hochkonzentriert sein. Deshalb sollten Passanten auch nicht versuchen, einen Blindenhund zu streicheln oder ihn gar zu füttern

St. Ingbert. "Nicht streicheln, ich arbeite" steht auf dem Geschirr des zehnjährigen Rüden Amor und das nicht ohne Grund. Denn der weiße Schäferhund ist von Beruf Blindenführhund. Wenn er mit Herrchen Marcus Hoffmann unterwegs ist, muss der Rüde hochkonzentriert sein. Deshalb sollten Passanten auch nicht versuchen, einen Blindenhund zu streicheln oder ihn gar zu füttern. Das kann unter Umständen böse Folgen haben. "Amor hat mich in solch einer Situation einmal quer über die Straße in Richtung einer Bäckerei gezogen", erinnert sich Hoffmann. Amor sei ein zuverlässiger Führhund, deshalb konnte Hoffmann sein Verhalten erst nicht verstehen. Doch dann hat er herausgefunden, dass ihn jemand heimlich in der Bäckerei gefüttert hatte."Ich vertraue dem Hund mein Leben an", sagt der 37-jährige Hoffmann, der in Folge einer Diabetes-Erkrankung im Alter von 23 Jahren erblindet ist. 0,03 Prozent Sehkraft hätte er noch auf dem linken Auge. Damit könne er hell und dunkel unterscheiden. Im Dezember 2002 ist Amor zu Marcus Hoffmann gekommen. Zuvor wurde der Hund in Österreich ausgebildet.

Ein Blindenführhund muss zunächst einen Eignungstest bestehen. Im Anschluss daran kommt er in eine Patenfamilie, die ihn mit Alltagssituationen wie Busfahren, Trubel auf einen Fest oder Aufzugfahren vertraut macht. Ehe Hoffmann Amor bei sich Zuhause aufnehmen konnte, musste auch er einen vierwöchigen Kursus mitmachen. Zunächst drei Wochen bei dem Trainer in Österreich und schließlich eine Woche in St. Ingbert lernte der 37-Jährige, wie er mit Amor umgehen und welche Befehle er geben muss.

Inzwischen sind die beiden ein eingespieltes Team. "Amor ist treu, anhänglich und möglichst immer in meiner Nähe", so Hoffmann. Er brauche nur zu sagen "Wir gehen in die Stadt" und schon stelle sich der Rüde vor sein Geschirr. Sobald er dieses trägt, wird aus dem verschmusten Haushund ein verlässlicher Blindenführhund.

Unterwegs passt sich der Rüde seinem Herrchen an, nimmt Treppen sehr langsam, denn nach zwei Schlaganfällen hat Hoffmann manchmal Probleme beim Treppensteigen. Auf den Befehl "Zeig Treppe" führt Amor sein Herrchen direkt ans Treppengeländer. Auch kann der Rüde zwischen "auf" und "ab" unterscheiden. "Er würde mich nie über ein Hindernis fallen lassen", ist sich Hoffmann sicher.

Manchmal zeigt Amor aber auch kleine Schwächen, wenn er unterwegs stehen bleibt und schnuppert. Dann ermahnt Hoffmann ihn mit strenger Stimme und Amor führt ihn wieder sicher ans Ziel. Der zehnjährige Rüde ist putzmunter, allerdings hat er eine Getreideallergie und bekommt deshalb Spezialfutter. Außerdem hat der Weiße Schäferhund gute Manieren. Auf den Befehl "Sah mo gunn dach" hebt er das rechte Pfötchen zum Gruß. < wird fortgesetzt

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