1. Saarland

Hoch zu Ross ins Wendelstal

Hoch zu Ross ins Wendelstal

St. Wendel. 75 Jahre alt ist die Wallfahrt mit Pferden und Traktoren in das Wendelstal in diesem Jahr geworden. 1936 durch den damaligen Dechanten Matthias Heibges eingeführt, wurde sie nach dem Krieg vom Wendelstag am 20. Oktober auf den Pfingstmontag verlegt

St. Wendel. 75 Jahre alt ist die Wallfahrt mit Pferden und Traktoren in das Wendelstal in diesem Jahr geworden. 1936 durch den damaligen Dechanten Matthias Heibges eingeführt, wurde sie nach dem Krieg vom Wendelstag am 20. Oktober auf den Pfingstmontag verlegt. Diese alte Tradition drückt sich auch in der Treue der Besucher aus, die teilweise schon seit Jahrzehnten an diesem Tag an die Kapelle kommen, um die heilige Messe mitzufeiern.Zum Beispiel Angelika Neufang aus Ottweiler. Schon seit 30 Jahren macht sie an Pfingsten einen eineinhalbstündigen Ritt durch den Himmelwald und das Keimbachtal nach St. Wendel, diesmal zusammen mit ihrer Tochter Karoline. "Es ist mir jedes Jahr ein echtes Bedürfnis, hierher zu kommen", verriet die Reiterin. Paul Fehr aus St. Wendel geht es ähnlich. Er kann sich, wie er sagte, einen Pfingstmontag ohne Wendelstal nicht vorstellen. Diesmal war er wieder mit seinem Traktor da, auf dessen einachsigem Anhänger seine Familie saß. "Schon als Kind war ich immer mit meinem Vater hier", erzählte er. "Die Wallfahrt ist einfach ein Erlebnis." Ein älterer Besucher aus Winterbach hat ebenfalls viele Erinnerungen an diesen Tag: "Mein Vater war früher immer mit seinen Pferden hier, wir hatten ja Landwirtschaft. Ich pflege nun diese Tradition weiter, auch wenn ich keine Pferde mehr habe."

Als die Prozession um 10.15 Uhr an der Basilika begann, regnete es leicht. Trotzdem strömten etwa 1000 Besucher in das Wendelstal, wo sie unter dem Blätterdach der alten Bäume Schutz fanden. Pünktlich zum Beginn des Pilgeramtes hellte sich der Himmel auf. Pastor Anton Franziskus sprach in seiner Predigt von den Wundern in der Natur: "Es gibt unendlich viel zu sehen, zu staunen und sich zu freuen - wenn man Herzensaugen hat", sagte der Geistliche. "Überall in der Schöpfung sind die Spuren dieses Schöpfers zu finden." Viele Menschen würden heute Gott aus ihrem Denken verbannen. Sie bauten Türme des Hochmuts und der Überheblichkeit und verlören dabei ihre Würde, die Gott ihnen gegeben habe.

 Von der Basilika ins Wendelstal führt die Prozession.
Von der Basilika ins Wendelstal führt die Prozession.

Nach dem Gottesdienst, der von einer Bläsergruppe unter Leitung von Stefan Klemm musikalisch begleitet wurde, segnete Pastor Franziskus 80 Pferde, 20 Traktoren und einige Kutschen. Ein Teil der Gläubigen blieb über Mittag im Wendelstal und stärkte sich mit Erbseneintopf. Dabei taten sie gleichzeitig ein gutes Werk, denn der Erlös kommt der Partnergemeinde St. Josef in Tjumen in Sibirien zugute.