1. Saarland

Hobby: dreidimensionale Videos

Hobby: dreidimensionale Videos

Viele Völklinger kennen Gerold Fischer als ehemaligen Leiter des Marie-Luise-Kaschnitz-Gymansiums und als Grünen-Stadtratsmitglied. Die wenigsten wissen, dass er ein außergewöhnliches Hobby hat: die Stereoskopie. Der pensionierte Oberstudiendirektor (Mathe, Physik) erstellt dreidimensionale Videos.

Im eigenen Heimkino kann er sich die Ergebnisse anschauen. Nach seiner Pensionierung hat Fischer den Filmsaal eingerichtet. Laut Vorbesitzer stammen die Sessel aus einem Wiener Lichtspielhaus. Und was passiert, wenn der Beamer startet? "Die Bilder fangen an zu leben", schwärmt der 3-D-Fan. Die Handlung spielt nicht auf der flachen Leinwand, sondern in der Tiefe des Raums. Und schon sitzt der Zuschauer mittendrin statt nur davor.

"Für Stereoskopiker ist das nur ein halber Fotoapparat", sagt Fischer schmunzelnd, als die SZ-Fotografin zu ihrer Kamera greift. Seine Aufnahmegeräte verfügen über zwei Objektive, nur so kann ein dreidimensionaler Eindruck entstehen. Zunächst experimentierte Fischer mit der Fotografie. Er fügte zwei Kleinbildkameras mit Teppichklebeband zusammen und löste sie gleichzeitig von Hand aus. Das erste 3D-Video wurde dann 2008 mit zwei synchronisierten Kameras gedreht. Von einer Sizilienreise brachte der promovierte Mathematiker eine halbe Stunde Videomaterial mit.

Die anschließende Bearbeitung dauerte sechs Monate. Mit dem Ergebnis wäre Fischer neun Jahre später nicht mehr zufrieden. "Nach meinen heutigen Maßstäben unbrauchbar", lautet sein Urteil. Mit der Zeit hat er viel dazugelernt, auch durch den Austausch mit Kollegen.

Da es im Saarland nur wenige Gleichgesinnte gibt, fährt das Mitglied der "Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie" (DGS) alle zwei Monate zum Hunsrücker Stereo-Stammtisch.

Mit den Jahren hat sich auch die Technik weiterentwickelt. Der Stereoskopiker zeigt uns ein professionelles Aufnahmegerät. Als es 2011 auf den Markt kam, kostete es 25 000 Euro. Fischer hat die Kamera gebraucht gekauft. Wenn er mit dem großen Apparat draußen filmte, zog er viele Blicke auf sich. "Von welchem Sender kommen Sie?", fragten die Leute.

Aktuell hat der Völklinger einen anderen Favoriten: Die handliche 3D-Kamera mit zwei Objektiven gleicht einem Fernglas. Der räumliche Eindruck wird direkt im Display kontrolliert. "So wie man's sieht, wird's aufgenommen", erklärt der Experte. Man kann man die dreidimensionalen Videos auch am Computer anschauen - bei so genannten Freiblickverfahren sogar ohne Spezialbrille.

Die Pioniere der Technik kamen noch ganz ohne digitale Unterstützung aus. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Stereoskopie erfunden. Zu Fischers Sammlung gehört ein Wiedergabegerät aus den 1930er Jahren. Die Stereokarten stecken auf einer Halterung vor dem Stereoskop, einer Art Brille mit Vergrößerungslinsen.

Das linke Auge betrachtet eine Aufnahme. Der zweite Schnappschuss, leicht versetzt aufgenommen, geht ans rechte Auge. Im Gehirn entsteht dann der räumliche Eindruck. Das ausgewählte Motiv ist übrigens bekannt: Die Aufnahmen vom Alten Rathauses Völklingen sind rund 80 Jahre alt.

Fischers neueste Filme zeigen Theateraufführungen des Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium. Einen Ausschnitt aus dem letzten Bühnen-Projekt der Gymnasiasten wird er auf dem DGS-Kongress zeigen, der im Mai in Völklingen stattfindet. "Ich muss noch letzte Hand anlegen", sagt Fischer mit Blick auf seine Präsentation.

Zum Thema:

Die Stereoskopie beruht darauf, dass Menschen die Umgebung durch ihre beiden Augen gleichzeitig aus zwei Blickwinkeln betrachten. Dadurch kann ihr Gehirn allen betrachteten Objekten eine Entfernung zuordnen und ein räumliches Bild gewinnen. Die Stereoskopie befasst sich damit, in das linke und rechte Auge jeweils unterschiedliche zweidimensionale Bilder aus zwei leicht abweichenden Betrachtungswinkeln zu bringen.