Hippies und Little Woodstock

Hippies im Saarland : De Herry, de Himbi und die Saar-Hippies

Ja, bist du nun ein Hippie oder nicht? „So ein bisschen schon“, sagt Uwe Himbert alias „Himbi“. Hier in der Püttlinger Kneipe „Karlsbergfaß“ kennt man sich. Siezen ist nur was für Spießer. Die perfekte Hippie-Bar? Leider nein. Kneipen-Besitzer Herry Weiland, ein waschechter Püttlinger, kriegt Bauchschmerzen, wenn man ihn so nennt. Als Jimi Hendrix und Janis Joplin im Jahr 1969 beim Woodstock-Festival die zugedröhnten Besucher beschallen, ist Herry vier Jahre alt, Uwe acht. Sie sind damals zu jung, doch Woodstock färbt auf sie ab. Ein paar Jahre später geben auch sie sich dem Rausch von Musik, LSD und Haschisch hin. „Man konnte schön benebelt abreisen“, sagt Uwe. Mit 17 fängt für den treuen Jeans-Träger („bloß keine Anzüge“) die Festival-Zeit an. Uwe flippt aus, wenn er den Sound der Rockband „Grateful Dead“ auch nur wittert. 1981 gründet der Köllerbacher gemeinsam mit Freunden das Hinterwald-Festival im Püttlinger Jungenwald: „Dort sehen einige aus wie Hippies.“ Erneut beginnt die Diskussion darüber, was es eigentlich mit dem Hippie-Sein auf sich hat. Herry betont: „Es gibt nicht den einen Hippie. Man kann nichts in eine Schublade stecken.“

Das Lebenselixier der beiden ist die Musik. Mit seiner Formation „Los Himbis und Don Ortega“ tritt der pensionierte Finanzbeamte Uwe regelmäßig auf. Auch Herry singt und sieht sich selbst als „Exhibitionist, der gerne auf der Bühne steht“. Kein Wunder also, dass er 1991 die saarländische Version von Woodstock, „Little Woodstock“, aus der Taufe hebt. Festivalmotto: „Love, Peace unn keen kalt Fieß“. Der Name des Events ist einem Mitarbeiter der Saarbrücker Zeitung zu verdanken, der die erste Fete in seinem Bericht als „Klein-Woodstock“ bezeichnet.

Mittlerweile kämen jährlich „um die 1000 Leute“. Einen festen Standort hat „Little Woodstock“ bislang jedoch nicht. Was vielleicht auch gut zur Philosophie von Herry und Uwe passt: Nichts Fixes. Hauptsache Love, Peace unn keen kalt Fieß.

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