Hilflos dem Schicksal überlassen

Hilflos dem Schicksal überlassen

Manche Menschen setzen ihre Tiere einfach aus, wenn sie ihnen lästig sind oder zu viel Arbeit machen.

Ein Hund sitzt, an einen Laternenmast gebunden, an einer Autobahnraststätte. Offenbar wurde das Tier von seinem Besitzer zurückgelassen. Die Gründe sind unbekannt. Im vergangenen Jahr hat das Bertha-Bruch-Tierheim in Saarbrücken 108 gefundene Hunde aufgenommen. Von denen etwa 75 wieder von ihren Besitzern abgeholt wurden, sagt Sabine Benni, Mitarbeiterin des Bertha-Bruch-Tierheims. Bei den Katzen sind es sogar noch mehr. 139 gefundene erwachsene Katzen und 53 Jungtiere wurden 2016 im Tierheim abgegeben. Kein Besitzer hat sein Katzenkind wieder abgeholt. Bei den älteren Katzen waren es insgesamt 32, die wieder nach Hause konnten, sagt Benni. 107 blieben im Tierheim zurück.

"Wenn Menschen ihre Haustiere loswerden möchten, können wir nichts dagegen tun", sagt Barbara Best, Vorstandvorsitzende der Tierstiftung Saar. Einige Tiere werden an Raststätten oder Supermarktparkplätzen ausgesetzt. Orte an denen Menschen die Tiere finden und sie ins Tierheim bringen können. Best erinnert sich jedoch an einen Fall, in dem ein Haustierhalter seine Katze in einer Transportbox mitten im Wald zurückgelassen hat. Als das Tier gefunden wurde, konnten Tierärzte die Katze nicht mehr retten. "Das ist reine Tierquälerei", sagt Best. Es sei besser, wenn Menschen ihre Tiere im Tierheim abgeben würden, anstatt sie irgendwo auszusetzen. "Wenn jemand sein Tier nicht mehr haben will, dann nehmen wir es natürlich auf. Aber so erhalten wir noch Informationen über den Hund oder die Katze, die bei einem Fundtier unbekannt sind", erklärt Best. Bei einer Tierabgabe interessieren die Tierheimmitarbeiter unter anderem das Alter, Impfungen, Erkrankungen und Verträglichkeit mit anderen Artgenossen. "Wenn wir diese Daten haben, können wir ein Tier besser unterbringen und weitervermitteln, als bei einem Tier, von dem wir nichts wissen", sagt sie. Einige angebliche Fundtiere werden oftmals von ihren eigenen Besitzern ins Tierheim gebracht, die sich dann eine Fundgeschichte ausdenken. Diese Darstellungen kann Barbara Best oft nicht glauben: "Viele behaupten auch nur die Katze gefunden zu haben, obwohl es ihre eigene ist". Eine Allergie, Familienzuwachs oder eine Trächtigkeit des Tieres seien Gründe, warum diese ins Tierheim kommen.

Aber es gebe auch schwere Momente des Abschieds im Tierheim "Ein Rentner musste seinen tierischen Gefährten abgeben, da er sich mit seiner kleinen Rente die Haltung des Hundes nicht mehr leisten konnte. Für viele ältere, alleinlebende Menschen ist ein Tier der Lebensmittelpunkt", sagt Best. Die Tierstiftung Saar und das Tierheim Saarbrücken könnten in solchen Fällen Tierhaltern mit finanziellen Problemen nicht helfen, da sie selbst auf Spenden angewiesen seien. Eine kleine Finanzspritze von 50 Euro sei mal möglich, aber "bei hohen Tierarztkosten können wir nichts mehr tun", sagt Best. Sie ist betrübt, dass Menschen deren einziger Lebensinhalt das Tier ist, dieses dann abgeben müssen. "Diese Menschen haben einfach keine andere Wahl, denn es gibt keine Anlaufstelle für ärmere Menschen, die Tiere zu versorgen haben. Niemand unterstützt sie", sagt Best. Bestimmte Monate, in denen die meisten Tiere ausgesetzt werden, gebe es nicht: "Die Zahlen sind rückläufig. Aber im Sommer hat das Tierheim immer noch mit mehr ausgesetzten Tieren zu tun, als in den anderen Monaten", sagt sie. Derzeit warten im Bertha-Bruch-Tierheim 72 Hunde, 86 Katzen und 79 Kleintiere auf ein neues Zuhause. Viele dieser Tiere sind bereits alt oder krank und in privaten Auffangstationen untergebracht. Dort verbringen sie ihre letzten Tage. "Diese Tiere werden nicht mehr weitervermittelt", sagt Benni.

Informationen zur Tierabgabe oder Adoption beim Bertha-Bruch-Tierheim unter Telefon (06 81) 5 35 30.