1. Saarland

Hier leben Tholeyer Brandopfer

Hier leben Tholeyer Brandopfer

Sotzweiler/Tholey. Kurz vor zwölf: Mittagessen-Duft erfüllt das Haus. Kinderlachen schallt wie in einem riesigen Wartesaal durch den hohen Flur. Überhaupt ist hier alles viel höher, größer, weitläufiger als in einer üblichen Wohnung. Denn dort, wo es sich die seit dem verheerenden Hausbrand vom 6

Sotzweiler/Tholey. Kurz vor zwölf: Mittagessen-Duft erfüllt das Haus. Kinderlachen schallt wie in einem riesigen Wartesaal durch den hohen Flur. Überhaupt ist hier alles viel höher, größer, weitläufiger als in einer üblichen Wohnung. Denn dort, wo es sich die seit dem verheerenden Hausbrand vom 6. Januar ausquartierte Familiengruppe aus Tholey so weit wie möglich wohnlich gemacht hat, war einst der Sotzweiler Kindergarten Zwergenburg. In den Sälen tollten auf 300 Quadratmetern einst Dutzende Kinder herum. Als der Kindergarten in ein neues Gebäude umzog, wurde der Altbau frei.Ein Glücksfall für Dorothee Schäfer-Schneider und ihre sechs Mädchen. Sie mieteten den Komplex von der Gemeinde, fanden hier eine Übergangsbleibe. Und das wird sie für die Frauenpower-Bande, wie die Sozialpädagogin sagt, auch noch eine ganze Weile bleiben.

Schäfer-Schneider, Mutter einer 17 Jahre alten Tochter und Leiterin der Wohngruppe mit fünf zu betreuenden Kindern (wenige Monate bis 15 Jahre), hatte nach der Katastrophe gehofft, dass sie schon im Sommer wieder in ihr eigenes Heim nach Tholey in die Metzer Straße 41 zurückkehren können. "Doch das dauert alles viel länger, als gedacht", schätzt die 48-Jährige mittlerweile ein. Sie habe Probleme mit ihrer Versicherung Debeka, die für den Schaden aufkommen soll. "Die hat bisher nur Gutachter geschickt, um die Schadenshöhe zu ermitteln." Seit dem Unglück sei weiter nichts geschehen, außer ihr Wohnhaus im Innern vom Schutt zu befreien. Dabei sei die erste Begehung bereits am Tag nach dem Brand gewesen. "Dann ist fast drei Monate nichts passiert."

Schäfer-Schneider: "Der Dachstuhl ist komplett ausgebrannt." Dort war das Feuer ausgebrochen. Löschwasser lief in die darunter liegende Etage. Das Erdgeschoss sei verschont geblieben. "48 000 Euro ist der Kostenvoranschlag fürs Dach", berichtet sie. Mit 200 000 Euro rechnet Schäfer-Schneider, um das Haus komplett zu sanieren.

Gerd Benner von der Debeka-Zentrale in Koblenz bestätigt auf Anfrage, dass Sachverständige noch immer dabei seien, die Lage vor Ort zu prüfen. Aber wann die Renovierung losgeht, ließ auch er offen.

Doch die Hoffnung lässt sich Dorothee Schäfer-Schneider nicht nehmen: "Ich gehe davon aus, dass wir zu Weihnachten zurück sind. Wir freuen uns riesig auf den Einzug." Bis dahin bleibt die Sotzweiler Notunterkunft ihr Zuhause. Mit vielen Spenden ausstaffiert, die Bürger bereitstellten. "Wir bekamen viel Hilfe von der Gemeinde, der Schule und dem benachbarten Kindergarten. So was haben wir nicht erwartet."

Jetzt zu Ostern gönnt sich die Truppe eine Auszeit: Es geht fünf Tage in die Jugendherberge nach Worms. "Zu Osterprogramm mit Eiersuche und Osterhasenhoppeln." Das Geld dafür kam bei Benefizkonzerten in der St. Wendeler Taparia zusammen. Bands hatten ohne Gage gespielt.

Damit es in der Behelfswohnung einigermaßen in gewohnten Bahnen abläuft, kümmern sich Hauswirtschaftskraft Marita Schwindling (51) aus Wadern sowie Heilerziehungspflegerin Alexandra Heinemann (43) aus Bosen um die Rasselbande.

Unter anderem sorgen sie fürs Mittagessen, dessen Duft in der Luft der großen Räume in Sotzweiler liegt.

Hintergrund

Ein Feuer war am 6. Januar im Dachstuhl des Hauses der Tholeyer Familiengruppe in der Metzer Straße 41 ausgebrochen. Alle sieben Bewohner - die Leiterin und Hausbesitzerin Dorothee Schäfer-Schneider (48) sowie sechs Mädchen zwischen 16 Monaten und 16 Jahren - retteten sich unverletzt. Ein Feuerwehrmann kam mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus.

Die Sozialpädagogin betreut Pflegekinder aus sozial benachteiligten Familien der Region. Die Jugendhilfe kümmert sich um das Projekt. hgn