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Hier gibt's das Zünglein an der Waage

Hier gibt's das Zünglein an der Waage

Im Quierschieder Heimatmuseum werden zurzeit verschiedenartige Waagen gezeigt. Die meisten Exemplare stammen aus dem Privatbesitz von Wolfgang Fecht. Er ist ein leidenschaftlicher Sammler.

Wer kennt sie nicht, Sprüche wie "Das Zünglein an der Waage", "Das Wort auf die Goldwaage legen", "Eine gewichtige Rolle spielen" oder "Ich bin dir gewogen". Sie bezeugen die lange Geschichte zwischen Mensch und Gewicht. Untrennbar mit dem Gewicht ist die Waage verbunden.

Schon vor 10 000 Jahren wurde mit den ersten Waagen der Warenhandel begonnen. Genau 18 verschiedene Arten von Waagen, dazu verschiedene Gewichtssätze in Porzellan oder Messing, sind jetzt im kleinen Quierschieder Heimatmuseum am Käsborn im Rahmen einer Sonderausstellung zu sehen. "Die Masse aller Dinge", so lautet das Motto. Bei der Eröffnung warf Museumsleiterin Annette Bost einen kurzen Blick in die lange Geschichte von Waage und Gewicht. So erzählte sie, dass die ersten Gewichtseinheiten mithilfe von Getreidekörnern festgelegt wurden, und dass das Kilogramm erst im 18. Jahrhundert über die Masse eines Kubikdezimeters Wasser definiert wurde.

Der größte Teil der Waagen, die im Heimatmuseum gezeigt werden, stammen aus dem Privatbesitz von Wolfgang Fecht. Der 74-jährige Quierschieder ist ein leidenschaftlicher Sammler. Sein Haus ist eine wahre Fundgrube für Liebhaber alter Sachen. Im Keller hat er selbst ein kleines Museum eingerichtet. Seit über 35 Jahren sammelt Fecht Antiquitäten, "quer durch den Garten", wie er selbst sagt. "Ich habe Dinge aus dem 16. Jahrhundert bis zu den 1950er Jahren", erklärte er. Seit Jahren stellt er dem Museum auch immer das "Exponat des Monats" aus seiner Sammlung zur Verfügung.

Prunkstück der Sonderausstellung ist die große Dezimalwaage. Sie ist so konstruiert, dass der Massensatz nur den zehnten Teil des Gewichts der zu wiegenden Sache haben muss. Gleich daneben steht eine Personenwaage mit einer ausziehbaren Messlatte und einem Laufgewicht. Und es gibt unterschiedliche Küchenwaagen, so genannte Tafelwaagen mit Schütten oder Tellern, Briefwaagen und verschiedene Modelle von Neigungs- oder so genannten Knickhebelwaagen zu bewundern. Auch zwei Apothekerwaagen sind zu sehen. Eine hat der Apotheker Frank Würtz dem Museum zur Verfügung gestellt. "Sie ist etwa 100 Jahre alt", schätzte Würtz und erzählte, dass damit früher in der Apotheke vor allem Salben und Tee gewogen wurden. Das Lieblingsstück von Wolfgang Fecht ist eine Federwaage. "Sie benutzt die Dehnung einer Schraubenfeder zur Messung. Die Skala erscheint durch den Zug des Gewichtes" erklärte Fecht. Diese Waage, so der 74-Jährige, könne man in die Tasche stechen und so bequem überall hin mitnehmen.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Sonderausstellung "Die Masse aller Dinge" ist bis September im Heimatmuseum zu sehen. Das kleine Museum am Käsborn 8 ist an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Das gilt allerdings nicht im Mai. Das Museum ist in diesem Monat nur noch am Sonntag, 25. Mai, offen. Allerdings können jederzeit mit Museumsleiterin Annette Bost Führungen vereinbart werden, Telefon (0 68 97) 961-195. ll