1. Saarland

Hier gehen die Uhren anders

Hier gehen die Uhren anders

Neunkirchen/Baku. Weiter geht nicht mehr. Mit der Austragung des Eurovision Song Contest in Baku in Aserbaidschan ist der Wettbewerb so weit östlich wie nur irgend möglich. Drei Stunden Zeitunterschied zu Deutschland bedeutet das. Beim Telefonat um diedeutsche Mittagszeit hatte SZ-Mann Mirko Buljan bereits also fast Kaffeetrinkzeit

Neunkirchen/Baku. Weiter geht nicht mehr. Mit der Austragung des Eurovision Song Contest in Baku in Aserbaidschan ist der Wettbewerb so weit östlich wie nur irgend möglich. Drei Stunden Zeitunterschied zu Deutschland bedeutet das. Beim Telefonat um diedeutsche Mittagszeit hatte SZ-Mann Mirko Buljan bereits also fast Kaffeetrinkzeit. Das ist allerdings nur ein - kleines - Begleitumständchen, das den Austragungsort so besonders macht. Vorsichtig ist Buljan dieses Mal gefahren, war selbst der "alte Hase" im Song-Contest-Geschäft im Vorfeld wenig informiert über das, was ihn wohl an der Grenze zum Iran erwarten wird. "Ich bin sehr positiv überrascht", zeigt sich Buljan im Gespräch mit der SZ gestern noch sehr beeindruckt von dem, was das Land für den Contest auf die Beine gestellt hat. Fast futuristisch mute die Architektur an, biete rund um den Hauptaustragungsort durchaus Vergleiche mit Dubai oder gar New York.Total sauber sei es, alle Menschen total nett. "Man hat das Gefühl, das ist alles hier nur für den Contest gebaut und gemacht worden", beobachtet er während des Gesprächs Gärtner, die rund um die Halle noch jede Menge Blumen pflanzen. Zwar sei der Unterschied zwischen Zentrum und außerhalb - dort, wo auch Buljans Hotel liegt - relativ deutlich zu sehen, das Bemühen aber auch dort immens. Kuriosität am Rande: Anfangs wunderte sich der Schiffweiler, dass hier so viele Riesen-Transparente überall in der Stadt auf den Contest hinweisen - bis er merkte: Unschöne Häuserfronten von Abbruchhäusern wurden damit verdeckt. Andere wurden abgerissen. Allerdings, so Buljan, sei man etwas empört in Aserbaidschan, weil falsche Informationen kursierten. So sei die Crystal Hall keineswegs dort hingebaut, wo Häuser standen, sondern auf ehemaligem Militärgelände. Das sei auch nachprüfbar, so Buljan. Weltoffen, so wolle man sich während des Contests präsentieren. "Man entwickelt sich immens weiter. Die jungen Leute werden vielfach ins Ausland geschickt, lernen Englisch und sollen das Gelernte hier einbringen." Im Iran nebenan dagegen werde das sehr kritisch gesehen.

Ungewöhnlich für Buljan auch: Man fühle sich ständig beobachtet. Einerseits gebe das ein Gefühl von Sicherheit. Allerdings hätten deutsche Techniker - 300 Mitarbeiter einer Erfurter Firma bauen in der Halle auf - auch von anderen Tönen erzählt, die man höre, wenn "die Kameras aus sind". Genaueres erzählen wollten sie darüber aber lieber zu Hause.

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 Zu den Favoriten zählt die Schwedin Loreen.
Zu den Favoriten zählt die Schwedin Loreen.
 Mirko Buljan mit Roman Lob, den die Mädels mögen.
Mirko Buljan mit Roman Lob, den die Mädels mögen.

Politisches bleibt nicht aus. Beispielsweise der deutsche DJ, der Ärger bekam, als er am ersten Tag ein armenisches Lied auflegte, oder der norwegische Sänger mit iranischem Migrationshintergrund, der gerne mal provoziere. Buljan selbst hat bislang nichts Negatives zu berichten. (Außer vielleicht die Tatsache, dass die Internetseite ESCtoday, eine Fanseite des Contests, Opfer von Hackern wurde, die damit zwölf Jahre Arbeit zunichte machten.) Wachen Auges zwar, aber staunend erlebt er Baku bislang. Und nimmt mit, was immer sich am Rande des Contests anbietet. So beispielsweise die Feier von Ralph Siegel mit nur 120 geladenen Gästen, der sein 30. Jahr "Ein bisschen Frieden" und seine 20. echte Teilnahme (für San Marino) feierte. Bis ein Uhr wurde am Sonntagabend gefeiert, bei Fünf-Gänge-Menü, aserbaidschanischem Kinderchor und Folklore. Nicht so dolle fand Buljan die Welcome-Party am Tag zuvor, am Samstag. "Da war beispielsweise Istanbul doch was ganz anderes", erinnert er sich. Hier spiele sich alles im Euroclub ab, in der Stadtmitte halt, weil dort wohl die Sicherheit am besten gewährleistet sei. Einen roten Teppich gab es allerdings auch, ebenso wie sich alle in Schale geschmissen hatte. "Und als unser Roman kam, da haben die Mädchen geschrien. Der kommt gut an", schätzt Mirko Buljan selbst auch die ruhige Art des Vertreters für Deutschland. Am Sonntagabend gab Roman Lob ein Konzert. Buljan hatte volles Programm, denn der Halb-Kroate besuchte natürlich nicht nur die deutsche, sondern auch die kroatische Party. Für die Generalprobe zum ersten Halbfinale am Dienstag blieb da keine Zeit. Am Montag stand dann der Besuch in der deutschen Botschaft an mit großem Fest. "Und eine Stadttour will ich auf jeden Fall auch noch machen." Die dauere drei bis vier Stunden. Nach den Halbfinals ist er gespannt, glaubt, dass fast jeder eine Chance habe. "Es gibt nicht so viele Skandallieder oder ungewöhnliche Beiträge." Deutschland ist als großre Geldgeber des Eurovision Songcontests auf jeden Fall gesetzt. Roman Lob singt als 20. Interpret am Samstag.