1. Saarland

Hexentanz mit dunklen Seiten

Hexentanz mit dunklen Seiten

Bosen. Samstagabend am Ufer des Bostalsees: Eine große Bühne überragt die Szenerie auf der Festwiese in der Nähe des Musikpavillons, wo seit Freitag das zweitägige Hexentanz-Festival gefeiert wird. Mehrere hundert Zuschauer bevölkern das Veranstaltungsgelände, das mittels Bauzäunen gegen das übrige Anwesen abgegrenzt ist

Bosen. Samstagabend am Ufer des Bostalsees: Eine große Bühne überragt die Szenerie auf der Festwiese in der Nähe des Musikpavillons, wo seit Freitag das zweitägige Hexentanz-Festival gefeiert wird. Mehrere hundert Zuschauer bevölkern das Veranstaltungsgelände, das mittels Bauzäunen gegen das übrige Anwesen abgegrenzt ist. Als Sichtschutz sind die Zäune mit schwarzer Folie verkleidet. Überhaupt ist Schwarz die dominierende Farbe beim Festival: Die Besucher tragen schwarze Schuhe zu schwarzer Kleidung, schwarz angemalt sind Fingernägel, Augenliderund Lippen. "Schwarz ist keine Farbe, sondern die Abwesenheit von Licht. Wir sind die dunkle Seite der Menschheit", erklärt Mario Rech aus Koblenz. Gemeinsam mit seiner Freundin Kira hat er ein Zelt ganz in der Nähe des Festival-Geländes aufgebaut. Rech sagt: "Wir sind die, die sonst niemand haben will." Wir, das ist die so genannte schwarze Szene, aus denen sich das Publikum zusammensetzt: New-Waver, Gothics, New-Romantic-Anhänger und dergleichen mehr. Wer nicht zur Szene dazu zählt, fühlt sich von diesen Menschen nicht wirklich angezogen. Und das soll auch so sein: "Wir wollen durch unser Outfit auch gegen eine Gesellschaft protestieren, für die der schöne Schein alles ist, die hinter ihrer Fassade aber marode und verfault ist." Dass bei diesem Anstinken gegen die Norm auch eine Portion Satanismus im Spiel ist, verharmlost der Koblenzer: "Bei den meisten ist das doch nur Show, das soll provozieren und schockieren." "Alles Quatsch", findet Dirk Heller, der nur der Musik wegen gekommen ist. Satanismus, Okkultismus, Gothic "und das ganze Zeugs" interessiert den gebürtigen Bautzener nicht: "Ich bin wegen Subway To Sally hier", sagt Heller, der rein optisch gar nicht in die Szenerie hineinpasst, denn er hat eine blaue Jeans an, trägt braune Schuhe und eine olivgrüne Jacke. "Die Musik, die Subway To Sally macht, ist anders als das, was alle anderen machen", räumt Heller der Folk-Metal-Band aus dem Osten der Republik ein Alleinstellungsmerkmal ein. Thomas Will aus Eiweiler, der mit Heller zum Hexentanz gekommen ist, hat die Gruppe um Sänger Eric Fish schon mehrmals gesehen. Will sagt: "Die sind einfach nur gut. Als ich gehört habe, dass die in diesem Jahr in Bosen dabei sind, war auch für mich klar, dass ich hierher komme." Für die beiden jungen Männer wird es noch ein langer Abend, denn der Top-Act auf der Bühne muss erst mehrere Zugaben geben, ehe die zahlreichen Fans zufrieden gestellt sind.