1. Saarland

Hexenprozess auf dem Hubertusplatz

Hexenprozess auf dem Hubertusplatz

Rund 300 Jahre nach der Verurteilung eines Mannes wegen Zauberei findet sein Prozess nochmals statt: Auf dem Nalbacher Hubertusplatz muss sich am Dienstag Peter Eschen verantworten – am Originalschauplatz in Nalbach.

Einen historischen Hexenprozess stellt der Nalbacher Heimat- und Verkehrsverein Litermont (HVV) am Dienstag, 30. April, um 19.30 Uhr auf dem Hubertusplatz nach. Bei dem inszenierten Prozess und der anschließenden Verurteilung des Peter Eschen aus Diefflen orientieren sich die Akteure an den realen Ereignissen vor etwas mehr als 400 Jahren. Der verstorbene Körpricher Heimatforscher Georg Colesie hatte die Details dieses wohl sensationellsten Hexenprozesses im heutigen Saarland recherchiert.

Veranstalter verspricht Spektakel

"Wir bieten unseren Gästen in der traditionellen Nalbacher Hexennacht diesmal mit einem Schauprozess eine ganz besonders spektakuläre Show", erläuterte HVV-Vorsitzender Hubert Klein im Gespräch mit der SZ. Hexenprozesse waren im 16. und 17. Jahrhundert eine Geißel der Menschheit. Missgunst, Vergeltung oder Rache brachten damals viele unschuldige Menschen vor die gefürchteten Hexengerichte.

So auch den Dieffler Knecht Peter Eschen. Er wurde samt seines Pferdes der Zauberei und sonstiger Vergehen bezichtigt. Am Tag seiner Hinrichtung am 21. Januar 1609 auf dem Nalbacher Gälgesberg wurde er von Schützen samt Pferd bis zum Hubertusplatz geleitet. Dort wurde er an den Pranger gestellt, nachdem ihm zuvor das Halseisen angelegt worden war. Anschließend verlas ihm der Hobmeier Glas Etzelbach nochmals das Todesurteil und die Begründung hierfür

"Genau diese historischen Gegebenheiten wollen wir möglichst authentisch nachstellen", sagte HVV-Vorsitzender Klein. Alle Akteure des Schauprozesses werden gekleidet sein wie die Menschen vor 400 Jahren. Für die spektakuläre Hexenshow konnte Klein Mitglieder der Nalbacher Tanzgarde, Sparte Karneval, sowie des Ritterbündnisses Litermont und Theatergruppe Paraplue gewinnen.

Am Tag der Nalbacher Hexennacht schmücken Kinder der offenen Ganztagsschule und des Kindergartens um 14.30 Uhr die Hubertusstraße und den Hubertusplatz mit Maiästen. Gegen 16 Uhr wird dort der Maibaum aufgestellt, um 18 Uhr das große Maifeuer angezündet.

Erst Prozess, dann Party

Im Anschluss an den inszenierten Hexenprozess spielt die Band Da Capo zum Tanz auf. Vorsorglich beruhigt HVV-Vorsitzender Klein schon mal eventuelle Kritiker des Schauprozesses: "Die Erhängung des Verurteilten und Erschlagung seines Pferdes stehen natürlich nicht auf dem Programm." Der Eintritt zur Hexennacht ist frei.