1. Saarland

Herzlos: Vier Katzenkinder wurden in einem Karton entsorgt

Herzlos: Vier Katzenkinder wurden in einem Karton entsorgt

Oberwürzbach. Frühmorgens stand der Karton vor der Tür. Inhalt: Vier neugeborene Kätzchen. Die Augen noch geschlossen, das Fell noch dünn und struppig, rosige Schnäuzchen und durchscheinende Krällchen. Die winzigen Fellbündel hätten noch dringend ihre Mutter gebraucht

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Dieses Katzenbaby (links oben) wird mit der Pipette gefüttert. Es ist eines von vier neugeborenen Findlingen beim Verein der Katzenfreunde in Oberwürzbach. Simba (links unten) ist, wie Irma Müller (rechts) sagt, die "Mutter aller Katzen". Die elfjährige Mietze hat einen ausgesprochen guten Charakter. Fotos: SZ

Oberwürzbach. Frühmorgens stand der Karton vor der Tür. Inhalt: Vier neugeborene Kätzchen. Die Augen noch geschlossen, das Fell noch dünn und struppig, rosige Schnäuzchen und durchscheinende Krällchen. Die winzigen Fellbündel hätten noch dringend ihre Mutter gebraucht. Nun hat Irma Müller wieder einmal, wie so oft schon, die Mutterrolle für die Winzlinge übernommen. Alle paar Stunden, tags und nachts, füttert sie die Kleinen nun mit der Pipette. Sie bekommen eine spezielle Katzenmilch. Die vier Neuankömmlinge sind ein Vorgeschmack darauf, was Irma und Peter Müller in den nächsten Wochen im Katzenhaus in Oberwürzbach erwartet. "Ab Mitte Mai bringen die Leute die jungen Kätzchen, die sie nicht behalten wollen. Oft stellen sie sie einfach vor der Tür ab. Und oft sind die Kleinen noch so unreif, dass es schwierig ist, sie aufzupäppeln", sagt Beatrice Speicher-Spengler, die Vorsitzende des saarlandweit wirkenden Vereins der Katzenfreunde. Etwa 60 Katzen betreut das Ehepaar Müller dann über die Sommermonate oft in dem Haus in der Farrenbergstraße. Dieses gehörte einer Katzenfreundin, die es nach ihrem Tod dem Verein vermacht hatte. Inzwischen ist die finanzielle Erbschaft aufgebraucht, die Katzenfreunde leiden unter chronischem Geldmangel. Dennoch wird kein Tier abgewiesen, das brächte niemand von den Katzenfreunden übers Herz. Müllers zahlen aus eigener Tasche die Unterhaltungskosten für das Haus, machen die Wäsche, halten die einzelnen Katzenräume sauber, füttern und reinigen die Katzenklos. Speicher-Spengler übernimmt Fahrdienste, bringt die Katzen zum Tierarzt. In ihrem Haus in Mandelbachtal hat die Sozialarbeiterin selbst zwölf Katzen aufgenommen. Die meisten davon sind entweder extrem scheu oder "Beißer", Resultat schlechter Behandlung durch Menschen. Weitere Vereinsmitglieder helfen, wo es geht. Auch ein 13-jähriger Junge aus Mandelbachtal kommt regelmäßig und kümmert sich um die vierbeinigen Bewohner des Katzenhauses. Doch es fehlt hinten und vorn am Notwendigsten, vor allem an Geld. Peter Müller rechnet vor, was eine kleine Katze kostet, bis sie im Alter ab acht Wochen vermittelt werden kann: zwei bis drei Impfungen zu je 18 Euro, tierärztlich untersuchen, entwurmen, entflohen und entmilben: zirka 20 Euro, dazu kommen noch Milch- und Futterkosten, sowie die Heizkosten im Winter. Katzen, die älter als ein halbes Jahr sind, werden zudem sterilisiert, was bei Katern mit 50 Euro und bei weiblichen Katzen mit 80 Euro zu Buche schlägt. Aus all diesen Gründen erwartet der Verein, dass jemand, der sich eine Katze aus dem Katzenhaus holt, mindestens 80 Euro zahlt. Dringend gebraucht werden neben Geld- auch Futterspenden sowie Menschen, die einfach mithelfen wollen. Glücklicherweise, so Speicher-Spengler, habe die Stadt St. Ingbert signalisiert, das Katzenhaus noch einmal mit einem Zuschuss zu unterstützen. Kontakt: Wer helfen will, wenden an Beatrice Speicher-Spengler, Tel. (06804) 68 29 oder Familie Müller, Tel. (06894) 88 80 93.