1. Saarland

Herzklopfen unterm Scheinwerfer"Hauptsache, die Menschen, sind bewegt"

Herzklopfen unterm Scheinwerfer"Hauptsache, die Menschen, sind bewegt"

St. Wendel. Mein Herz klopfte wie verrückt, meine Knie waren ganz weich, mein Name wurde aufgerufen und ich trat hinaus ins Scheinwerferlicht. Als die Musik anfing zu spielen, war der Höhepunkt meiner Nervosität erreicht. "Ich darf den Einsatz nicht verpassen", dachte ich die ganze Zeit

St. Wendel. Mein Herz klopfte wie verrückt, meine Knie waren ganz weich, mein Name wurde aufgerufen und ich trat hinaus ins Scheinwerferlicht. Als die Musik anfing zu spielen, war der Höhepunkt meiner Nervosität erreicht. "Ich darf den Einsatz nicht verpassen", dachte ich die ganze Zeit. Ich versuchte mich nicht von den vier Tänzern ablenken zu lassen, die hinter mir mit Sprüngen und Drehungen über die Bühne wirbelten. Dann war es soweit, ich fing an zu singen. Um die 600 Zuschauer waren am Samstag in den Saalbau in St. Wendel gekommen, um sich von den Darstellern der Show Musical Fieber verzaubern zu lassen. In jeder der 200 Städte, in denen das Ensemble gastiert, wird ein Musical-Talent gesucht, das mit den Profis auf der Bühne stehen darf. Beim Casting in St. Wendel waren elf Frauen und Mädchen angetreten, von denen ich die Chance bekam, den Auftritt von Musical Fieber mit zu gestalten. Drei Stunden vor der Show musste ich im Saalbau sein. Tourleiter Sebastian Wilting begrüßte mich und zeigte mir meinen Platz in der fünften Reihe. Der Soundcheck lief bereits auf Hochtouren. In Jogginghose und Jeans standen die Musicalstars auf der Bühne. Wenn sie gerade nicht singen mussten, machten viele Leibesübungen. Solist Harald Tauber joggte durch den Zuschauerraum. "Wir proben das Lied ,Fame'", hallte es durch den Saal. Diesen Titel sollte ich singen. In zwei Durchläufen hatte ich die Chance, mich auf Tänzer und Band einzustellen. Nach dem Soundcheck zogen sich die Künstler in die Garderobe zurück, zum Schminken, Einsingen und Zähne putzen. Als die Zuschauer zu ihren Plätzen strömten und die Vorhänge sich ratternd vor den Eingängen schlossen, bekam ich Lampenfieber. Zwar singe ich schon seit ich denken kann und stehe oft mit meinen Bands gemeinsam auf der Bühne, aber mit internationalen Musicaldarstellern das Mikro zu teilen, ist wieder etwas anderes. Immer öfter fiel mein Blick auf das Programm, mit dem ich den Ablauf der Show verfolgen konnte. Mein Auftritt rückte näher. "Im ewigen Kreis, dreht sich unser Leben", das Musical "König der Löwen" war mein Stichwort, mich aus dem Saal und durch den Bühneneingang hinter die Kulissen zu begeben. Viele der Darsteller wünschten mir Glück, bevor mich Moderatorin Melanie Walter auf die Bühne bat. Die Band spielte, die Tänzer schmissen die Beine bis zu Nase, die Scheinwerfer waren so hell, dass ich nur die Zuschauer in der ersten Reihe erkennen konnte. Aber entgegen meiner Befürchtungen, lief alles perfekt. Weder verlies mich meine Stimme, noch stolperte ich über die hohen Absätze. Als ich mit dem Satz: "Baby, remember my name" (Erinnert euch an meinen Namen), das Lied beendete, hätte ich gerne die Uhr zurück gedreht, um das ganze noch einmal zu erleben.St. Wendel. "Ich gehör nur mir", zum 49. Mal in den vergangenen vier Monaten singt Melanie Walter als Kaiserin Elisabeth dieses Lied. Es ist ein Lied, in dem es darum geht, sich selbst treu zu bleiben und seine Träume aus eigener Kraft zu verwirklichen. Melanie lebt ihren Traum, sie steht als Musical-Darstellerin auf der Bühne. Im Moment tourt die 32-Jährige mit dem Ensemble Musical Fieber durch Deutschland, eines der letzten Konzerte gaben sie am Samstag im Saalbau in St. Wendel. Zwei Stunden vor der Show sitzt Melanie vor dem Spiegel in der Garderobe. Rund eine Stunde braucht sie, um sich zu schminken. Zu der Vorbereitung gehöre außerdem das Einsingen. "Wir putzen uns alle vor der Show die Zähne", fügt Melanie noch hinzu, während Sänger Harald Tauber, die Bürste bereits im Mund hat. Obwohl nicht mehr so nervös, wie bei den ersten Konzerten, ist Melanie immer noch hochkonzentriert, wenn sie die Bühne betritt. Die Show mache ihr auch nach vier Monaten noch Spaß, trotzdem freue sie sich darauf, bald zurück in ihrem Haus in Ulm zu sein. "Das ewige Koffer-Schleppen nervt mich mittlerweile", meint Melanie. In Ulm ist die Sängerin aufgewachsen, hier feierte sie mit fünf ihr Bühnendebüt. Seit dem hat sie in zahlreichen Musicals, wie zum Beispiel bei "Les Miserables" und "Elisabeth", mitgespielt. "Jobs zu bekommen ist nicht einfach", sagt Melanie. Der Weg dazu führe über Auditions, bei denen man vorsingen, -tanzen und spielen müsse. "Wann und wo die nächste ist, erfährt man durch die ZAV-Agentur, eine staatliche Arbeitsvermittlung", erklärt die Sängerin. Vor einer Audition könne sie nicht essen, weil sie so nervös sei. "Nervosität ist wichtig, man muss nur versuchen, sie in Energie umzuwandeln", meint ihr Kollege Harald Tauber. Wer die Rolle bekommt, hänge oft nicht vom Können sondern von der subjektiven Meinung des Regisseurs ab, erklärt Harald. "Oft sucht er einfach jemanden, der zehn Zentimeter größer oder kleiner ist." Wenn es dann mit der Rolle klappt, sei man oft mehrere Monate auf Tour, so Melanie. "Seit ich mit 13 das Musical "Wonderful Oli" gesehen habe, wusste ich, dass ich Musical-Sängerin werden will" sagt Melanie. Vorher habe sie Ballett getanzt, doch beim Musical gefalle ihr, dass es weniger um Perfektion als um Emotionen gehe. "Es darf mal ein Ton daneben gehen, die Hauptsache ist, dass man die Menschen bewegt." kira