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"Helfende Hände" in St. Wendeler Unternehmen

"Helfende Hände" in St. Wendeler Unternehmen

St. Wendel. Als erstes saarländisches Unternehmen erhielt die St. Wendeler Firma Conatex den Förderpreis "Helfende Hand". Diesen verleiht der Bundesinnenminister jährlich mit dem Ziel, das Ehrenamt in Deutschland zu fördern. Unter anderem werden Unternehmen ausgezeichnet, die den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiter vorbildlich unterstützen

St. Wendel. Als erstes saarländisches Unternehmen erhielt die St. Wendeler Firma Conatex den Förderpreis "Helfende Hand". Diesen verleiht der Bundesinnenminister jährlich mit dem Ziel, das Ehrenamt in Deutschland zu fördern. Unter anderem werden Unternehmen ausgezeichnet, die den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiter vorbildlich unterstützen. "In dieser Kategorie haben wir den dritten Platz belegt und bekamen in Berlin den Preis von Hans-Peter Friedrich überreicht", berichtet Conatex-Geschäftsführerin Gabriele Zierkusch.Rund ein Viertel der 52 Conatex-Mitarbeiter engagiert sich bei Hilfsdiensten wie der freiwilligen Feuerwehr, dem Malteser-Hilfsdienst oder dem Technischen Hilfswerk (THW). Das bedeutet viele Lehrgänge sowie häufige Notfall-Einsätze während der Arbeit "Beim letzten Hochwasser in St. Wendel musste ich zum Beispiel um acht raus und war bis 17 Uhr unterwegs", berichtet Mitarbeiter und Feuerwehrmann Dirk Schäfer. Was für viele Arbeitgeber ein Problem ist, ist bei Conatex selbstverständlich. "Wenn ein Mitarbeiter ausrücken muss, kann er direkt seinen Arbeitsplatz verlassen", versichert Zierkusch.

Dass die Arbeit trotzdem nicht auf der Strecke bleibt, liege an der besonderen Struktur des St. Wendeler Messtechnik-Unternehmens. "Wir setzen auf flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten", erklärt der technische Leiter und zweite Geschäftsführer, Peter Klos. Das heißt: Die Mitarbeiter sind weitgehend selbst dafür verantwortlich, dass Aufträge termingerecht umgesetzt werden. Arbeitszeiten werden nicht kontrolliert. Entscheidend sei, dass das Ergebnis stimmt. "Die Angestellten arbeiten in Vierer-Teams zusammen. Innerhalb dieser Gruppen koordinieren sie ihre Arbeitszeiten selbst", erklärt Zierkusch. Muss einer zum Einsatz, springen die anderen für ihn ein. Das eigenverantwortliche System sorge dafür, dass das Vertrauen der Geschäftsführung nicht ausgenutzt werde. Eine Art soziale Kontrolle also. "Vertrauen ist in unserer Firma wichtig", sagt Klos. "Ich denke nicht, dass ein Angestellter auf die Idee käme, die Teamkollegen mit Arbeit alleine überlassen", erläutert Klos.

"Wir sehen das Verantwortungsgefühl unserer Mitarbeiter auch bei Eilaufträgen. Durch das ergebnisorientierte Arbeiten ist es für die Leute selbstverständlich, auch mal Überstunden zu machen", ergänzt Zierkusch. Zudem seien die Angestellten motivierter, je mehr Freiraum sie bei ihrer persönlichen Zeitplanung hätten. Ganz im Sinne von Zierkuschs Credo: "Die Strukturen müssen dem Menschen dienen, nicht umgekehrt."

Für die Unternehmerin ist es zudem eine Frage der persönlichen Überzeugung, ihre Mitarbeiter fürs Ehrenamt freizustellen. "Jeder findet es selbstverständlich, dass Hilfe kommt, wenn er einen Unfall hat, oder der Keller voll Wasser steht. Aber wenn die Leute sich nicht mehr engagieren können, wird das nicht funktionieren ", betont die Zierkusch. "Und wenn ich einen Unfall hätte, wäre ich auch froh, wenn ich gerettet würde."

www.helfende-hand-

foerderpreis.de

www.conatex.de

Hintergrund

Das St. Wendeler Unternehmen Conatex gibt es seit 1945. In diesem Jahr wurde es durch den Diplom-Ingenieur Ludwig Colbus gegründet. Das Unternehmen stellt Temperatursensoren zur Prozessteuerung in der Stahl-, Kunststoff-, Glas-, und Keramikindustrie. Auch beim Maschinen- und Anlagenbau kommen Sensoren aus St. Wendel zur Anwendung. vsc