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Weinbau
Winzer-Trio bringt Weinbau in den Saargau

Wohl zwei bis drei Jahre müssen Alfred Hoffmann (v.l.) und seine Söhne Sebastian und Philip warten, bis die Setzlinge erstmals Trauben tragen.
Wohl zwei bis drei Jahre müssen Alfred Hoffmann (v.l.) und seine Söhne Sebastian und Philip warten, bis die Setzlinge erstmals Trauben tragen. FOTO: Ruppenthal
Biringen. Auf einem Weingut in Biringen bei Rehlingen-Siersburg wachsen jetzt Setzlinge einer Kreuzung aus Sauvignon blanc und Riesling. Von Rolf Ruppenthal

Weinbau auf dem Saargau – das ist neu. Die Idee stammt von Alfred Hoffmann, 58 Jahre alter Diplom-Agraringenieur aus Biringen. Seine Mitstreiter sind seine Söhne Philip (29), Volks-und Betriebswirt bei einer Fonds-Gesellschaft in Luxemburg, und Sebastian (30), experimentierfreudiger Landwirt und Betriebsleiter des „Hofgut Eichen“ in Biringen, der zudem mit einer Umstellung auf biologischen Landbau liebäugelt.



Nomen ist Omen – „In den Wingerten“ direkt vor dem Ort hat das Neu-Winzer-Trio auf einer Fläche von 200 Quadratmetern mehrere Reihen von jungen Weinstöcken angepflanzt. Und bislang gedeihen sie trotz des trockenen Jahres prächtig. Dabei handelt es sich um einen privaten Versuch mit der Sorte Cal 6.04, einer pilzresistenten Kreuzung aus Sauvignon blanc mit Riesling und einer, die zwischenzeitlich mit dem Namen Sauvignac in der europäischen Sortenliste eingetragen ist. Auf dem größeren Teil der Fläche wurde Cabernet blanc, ebenfalls pilzresistent, angebaut. Im Frühjahr 2019 sollen weitere 900 Weinsetzlinge der beiden Sorten auf 2200 Quadratmetern gepflanzt werden. Bis sie auf dem tonhaltigen, zum Teil steinigen Boden erstmals Trauben tragen werden, gehen wohl noch zwei bis drei Jahre ins Land. Die Weinstöcke müssen zunächst einmal oben gekappt werden, damit sich ein kräftiger Stamm bilden kann. Bewusst hat man den Abstand zwischen den einzelnen Rebzeilen etwas größer gewählt als es normal im Weinbau üblich ist, um den vorhandenen kleinen Traktor einsetzen zu können.

Auch wenn Wein auf dem Saargau derzeit wieder ein Novum ist, ist die Idee nicht ganz neu. Es ist fast ganz in Vergessenheit geraten, dass noch bis in unser Jahrhundert hinein, Tausende von Rebstöcken die Hänge an der Nied, im Ihner-Tal und auf den Südhängen des Saargaus bedeckten. „Gerade auf den Gauhöhen war der Weinbau wegen der oft nach Süden gerichteten Sonnenlagen des Muschelkalkbodens besonders lohnend“, so Alfred Hoffmann, „weil sich der Boden hier schnell erwärmte und die Steine nachts die gespeicherte Wärme abgaben.“ Die erste Kunde von Weinbergen an der Nied geht auf Dokumente aus dem Jahr 1340 zurück. Aber auch aus anderen Teilen des Landkreises Saarlouis und aus den Nachbarregionen hört man von Weinbau. So weist in der Kirche des alten Winzerortes Großhemmersdorf eine Skulptur neben dem Sakramentsaltar auf den Weinbau hin. Sie stellt den Papst Urban I., Pontifikat von 222 bis 230 n. Chr., wobei sein Krummstab mit Weinranken verziert ist.



„Sucht man heute nach den Spuren des Weinbaus im Saargau“, sagt Hoffmann, „muss man schon genau hinschauen, um Reste aus dieser Zeit zu finden.“ Nur alte Flurbezeichnungen und Straßennamen wie „Im Wingert“, „In den Wingerten“, „In den Reben“ oder der Name „Weingartenstraße“ deuten noch auf eine ehemalige Nutzung als Weinbaufläche hin. Pilzkrankheiten und vor allem der Einfall der Reblaus brachten hier den Weinanbau zum Erliegen: Auf behördliche Anordnung wurden die Rebanlagen gerodet und durch Obstanpflanzungen ersetzt. Aus dieser Zeit stammen auch die heute noch auf dem gesamten Saargau, der Nied und dem Ihner Tal wachsenden Mispeln, im Volksmund wegen ihres Aussehens auch „Hundsärsch“ genannt. Deren Frucht wurde wegen ihrer Gerbsäure als Weinzusatz verwendet. Im Niedtal und an den Südhängen des Hansenberges bei Sankt Barbara, am Lautersberg und Hirnberg bei Ihn, in Großhemmersdorf an den Hängen unterhalb des Jungenwaldes oder am Höllberg in Niedaltdorf sind noch Reste der alten mit Steinmauern befestigten Terrassenanlagen zu erkennen, auf denen ehemals Rebstöcke standen.

„Eine solche ehemalige Weinberglage existiert auch in der zur heutigen Gemeinde Rehlingen-Siegesburg gehörenden Gemarkung Biringen auf dem Saarlouiser Gau“, erklärt Hoffmann. Landwirtschaftlich erbrachten die trockenen Südhanglagen zumeist Mindererträge. „Kein Wunder. Getreide wurzelt im Gegensatz zu Wein sehr flach und kommt so nicht an die Wasserreserven tieferer Bodenschichten heran.“

Alfred Hoffmann und seinen Söhnen Sebastian und Philip schwebt bei die Herstellung eines spritzigen, gut trinkbaren Terroir-Weines vom Saargau vor. Die drei sind zuversichtlich, nach einer gewissen Anlaufphase aus den Sorten einen qualitativ hochwertigen Wein herstellen zu können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Züchtung. Indem die natürliche Resistenz der Rebe genutzt wird, kann im biologischen Anbau der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln deutlich reduziert werden. Forscher der Hochschule Geisenheim sind sich sicher, dass durch den Klimawandel und die Erhöhung der jährlichen Durchschnittstemperaturen, Burgunderreben und Riesling demnächst auch auf höheren Lagen gedeihen. Die Änderungen in Klima und Terroir könnten dafür sorgen, dass in den heute traditionellen Weinanbaugebieten sich künftig Rebsorten aus dem Süden anbauen lassen.

Auf 200 Quadratmetern wurden mehrere Reihen von jungen Weinstöcken angepflanzt.
Auf 200 Quadratmetern wurden mehrere Reihen von jungen Weinstöcken angepflanzt. FOTO: Ruppenthal