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Von der Steinzeit bis zur Mondlandung

Im Bereich der „Tüftelmäuse“ der Ausstellung „Total Genial“ lernen Kinder ab vier Jahren Erfindungen der vergangenen Jahrhunderte kennen. Foto: Loske/Frida&Fred
Im Bereich der „Tüftelmäuse“ der Ausstellung „Total Genial“ lernen Kinder ab vier Jahren Erfindungen der vergangenen Jahrhunderte kennen. Foto: Loske/Frida&Fred FOTO: Loske/Frida&Fred
Mannheim. Die Mannheimer Mitmachausstellung „Total genial!“ macht große und kleine Erfindungen nicht nur für Kinder erfahrbar. Esther Brenner

Viele geniale Erfindungen - vom Auto über den Computer bis hin zu Reißverschluss und Klopapier - machen uns das Leben leichter. Die Reiss-Engelhorn-Museen zeigen zurzeit im Museum der Weltkulturen in einer hervorragend gemachten, kurzweiligen interaktiven Ausstellung, wie sie entstanden sind und wer die Geistesblitze hatte. Nicht nur Kinder kommen hier ins Staunen, auch Erwachsene lernen viel hinzu und haben Spaß an den witzigen, originellen Stationen.



"Schuhe aus!" heißt es erst einmal am Beginn des Parcours. Dann gibt es ein Armband mit Strichcode. Das kann man an mehreren Computerstationen, an denen Fragen zu Erfindungen zu beantworten sind, abscannen lassen. Am Ende wird aus den Ergebnissen zur Belohnung eine "Tüftelgenie-Urkunde" für jeden Besucher erstellt. Aber vorher haben die Besucher viel zu tun.

Los geht es mit einer bahnbrechenden Mannheimer Erfindung: dem Benz-Patent-Motorwagen, mit dem Bertha Benz und Söhne 1888 von Mannheim nach Pforzheim fuhren, um dessen Funktionsfähigkeit zu testen. Das Schwungrad muss gedreht werden, um den Motor in Gang zu setzen. Die jungen Tüftler werden aufgefordert, Benzin einzufüllen. So wird Erfindung zum Leben erweckt. Im gleichen Raum nimmt der virtuelle Professor Konrad Kugel die auf einem Fahrrad strampelnden Besucher mit auf eine dreidimensionale Bildschirmreise durch die Entwicklungsgeschichte des Drahtesels - vom Laufrad übers Hochrad bis zum Kettenrad mit Gangschaltung. Es gilt, Fragen durch Drehen der Lenkstange mit richtig oder falsch zu beantworten. Nicht immer sind die Stationen so aufwendig gestaltet, aber Zeit und meist auch körperlichen Einsatz braucht es schon, um auch wirklich etwas zu erfahren.



Wie funktioniert ein Computer? Der Erfinder der ersten Rechenmaschine, Konrad Zuse, erklärt es am Bildschirm, die Kinder bauen auf einer Platte daneben die entsprechenden Teile zusammen. Wer hat das Telefon erfunden? Auf einem Tisch kann man dazu das Fräulein vom Amt anrufen. Nicht immer klappt alles auf Anhieb, aber ein so genannter "Scout" kommt den Tüftlern zu Hilfe, wenn es hakt.

Auf Socken geht es weiter durch die mit Teppich ausgelegte Ausstellung, deren thematische Schwerpunkte in liebevoll ausgestatteten Räumen und Nischen präsentiert werden. So nimmt man zum Beispiel in einem 50er Jahre-Wohnzimmer vor einem alten Fernseh-Monstrum Platz, dessen Antenne erstmal zu richten ist, bevor die Ansagerin (über Kopfhörer) nicht nur diese Erfindung kommentiert, sondern gleich noch die Mondlandung erklärt, die wiederum den Italiener Giancarlo Zanatta 1969 zu den berühmten Moon Boots inspirierten, in die man reinschlüpfen kann. So werden auch sinnvolle Bezüge hergestellt.

Es sind aber auch die vermeintlich kleinen, unwichtigen, witzigen oder kuriosen Erfindungen, die man in Mannheim neu entdecken kann. Denn was wären wir ohne Reiß-oder Klettverschlüsse? Ohne Klopapier oder Kaffeefilter, ohne Eis am Stil, Klebezettel oder Windelhöschen? Ob ihrer Fülle präsentiert man diese Selbstverständlichkeiten unserer Zeit in Regalen und lässt die Kinder Fragen dazu an den Geistesblitz-Computerstationen beantworten. Sehr witzig sind auch die kuriosen, scheinbar nutzlosen Erfindungen. Wer braucht schon einen Schneeballformer?

Das Mannheimer Museum hat diese hervorragende Ausstellung vom Grazer Kindermuseum übernommen. Sie bietet nicht nur den älteren Kindern ab acht Jahren Spannendes, sondern auch die kleinen "Tüftelmäuse" ab vier kommen in einem eigenen Bereich auf ihre Kosten. Er ist wie ein Dachboden gestaltet, wo die kleineren Besucher entweder frei spielen und klettern können, aber auch an Kugelbahnen, Zahn- und Wasserrädern, Kurbeln, Kolben oder Flaschenzügen spielerisch einiges über verschiedene Antriebe und Mechanismen erfahren. Auch hier hilft ein Scout.

Beide Ausstellungsteile sind bei Kindergarten- und Schulgruppen äußerst beliebt. Es gibt ein großes Begleitprogramm und mehrere Aktionstage bis zum Ende der empfehlenswerten Schau am 1. Oktober.

Zum Thema:

Die Ausstellung "Total genial!" der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen läuft noch bis zum 1. Oktober. Sie ist von dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ausführliche Informationen gibt es auf der Internetseite der Reiss-Engelhorn-Museen. www.rem-mannheim.de