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Vom Feen-Schloss blieben nur Fragmente

Im Edelhaus in Schwarzenacker befinden sich glanzvolle Gemälde aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Wolf
Im Edelhaus in Schwarzenacker befinden sich glanzvolle Gemälde aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Wolf FOTO: Wolf
Homburg/Mannheim. Barockstädte aus dem Saarland sind bei der Barock-Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engel- horn-Museen mit dabei. Die SZ stellt in einer Serie die Barock- perlen vor – heute Homburg. Klaus Friedrich

Gerade im Stadtgebiet von Homburg stößt man auf ein überaus vielschichtiges Erbe der Barockzeit, so beispielsweise in der Altstadt, die nach der fast vollständigen Zerstörung und Entvölkerung infolge des Dreißigjährigen Krieges ab 1680 nach den Plänen Sébastien Le Prestre de Vaubans entstand. Zusammen mit der auf dem Schlossberg gelegenen Renaissance-Zitadelle - sie wurde ebenfalls nach Plänen Vaubans ausgebaut - bildete die Siedlung fortan die barocke Großfestung "Hombourg-la-Forteresse", die bis zur Fertigstellung von "Sarre-Louis" gleichzeitig Hauptstadt der französischen Saarprovinz des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. war.



Ein äußerst prächtiges Kapitel des Barock schlug indes Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken auf, als er 1776 seine Residenz zunächst nach Jägersburg und schließlich auf eine Anhöhe vor den Toren Homburgs verlegte: Über dem heutigen Ortsteil Bruchhof-Sanddorf entstand dort jene von Legenden umrankte Schlossanlage Carlsberg mit ihrem Gartenreich Carlslust, die die größte Landesresidenz Europas gewesen sein soll und von Adolph Freiherr Knigge nach seinem Besuch 1792 gar als Feen-Schloss bezeichnet wurde.

Heute erinnern nur noch didaktisch gut aufbereitete Fragmente in dem mittlerweile als "Waldpark Schloss Karlsberg" konzipierten Areal an das 1793 untergegangene Feen-Schloss, das einige Monate nach der Flucht Karls II. August von französischen Revolutionstruppen in Brand gesetzt wurde.

Zuvor war es Christian von Mannlich gelungen, beträchtliche Teile der kostbaren Ausstattung in Sicherheit zu bringen - sie zählen heute zu den glanzvollen Stücken des kulturellen Erbes im Freistaat Bayern. Die größte Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen außerhalb des Freistaates wiederum befindet sich in dem um 1720 nach Plänen des schwedischen Architekten Jonas Erikson Sundahl erbauten Edelhaus in Schwarzenacker: Dort kann man in der Galerie "Johann Christian von Mannlich und die Pfalz-Zweibrücker Malerei aus dem 18. Jahrhundert" ausgewählte Werke aus der Gemäldesammlung bewundern.

Ebenfalls nach Sundahls Plänen entstand ab 1720/21 in Jägersburg das herzogliche Jagddomizil Gustavsburg. Dort präsentiert heute der Heimat-, Kultur- und Verkehrsverein Jägersburg in seinem sehenswerten Burg- und Schlossmuseum die historischen Facetten dieses untrennbar mit den Wittelsbacher Herzögen der Linie Pfalz-Zweibrücken verbundenen Ortes und stellt mit einem Modell des von französischen Revolutionstruppen zerstörten frühklassizistischen "Château de Jeresbourg" einen Meilenstein der europäischen Architekturgeschichte vor.



Darüber hinaus haben sich in den Jägersburger Wäldern wie durch ein Wunder große Teile des barocken Parforce-Reviers mit kilometerlangen Stellwegen, der "Hundsschwemm" und dem "Großen Jagdstern" erhalten und laden - etwa beim Hubertusmarkt im November - zu authentischen Begegnungen mit barocker Jagdkultur.

Zum Thema:

Auf einen Blick In Homburg werden verschiedene Führungen mit Barockbezug angeboten: Informationen bei der Saarpfalz-Touristik unter Tel. (0 68 41) 1 04 71 74, bei der Katholischen Erwachsenenbildung Saarpfalz unter Tel. (0 68 94) 9 63 05 16 sowie beim Amt für Kultur und Tourismus unter Tel. (0 68 41) 10 11 68. Die Galerie im Edelhaus ist Teil des Römermuseums Schwarzenacker: Infos unter Tel. (0 68 48) 73 07 77. Infos zum Burg- und Schlossmuseum in der Gustavsburg beim Heimat-, Kultur- und Verkehrsverein unter Tel. (0 68 41) 7 27 37 oder (01 70) 8 33 89 46. kf