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Bergbau-Geschichte
Doku über „schwarzes Gold“ bald im ZDF

Am 21. Dezember wird in Bottrop das letzte deutsche Steinkohlenbergwerk geschlossen.
Am 21. Dezember wird in Bottrop das letzte deutsche Steinkohlenbergwerk geschlossen. FOTO: Broadview
Völklingen. Beachtlich, aber wenig beachtet: Zur Vorpremiere einer aufwendigen TV-Dokumentation von Arte und ZDF kamen nur wenig Zuschauer und keine Polit-Prominenz. Von Udo Lorenz

Kaum zu glauben: Da wird drei Jahre lang für die Fernsehsender Arte und ZDF ein abendfüllender 1,6 Millionen Euro teurer Dokumentarfilm über „Die Steinkohle“, ihre Historie und das jetzt bevorstehende endgültige Ende in ganz West­euopa gedreht, und da kommen gerade mal 50 eingeladene Besucher zur Vorpremiere in die gähnend leere Gasgebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Doch auch wenn die Prominenz – angefangen von der Landesregierung über den miteinladenden Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig bis hin zu Saarlands Bergbau-Experten Delf Slotta – komplett fehlte, gab es kräftigen Schlussapplaus des fachkundigen Premieren-Publikums für den Film.



Mit zwei Grubenlampen und schmucken roten Federhüten kamen die ehemaligen Saar-Bergleute Jörg Müller und Jürgen Adam (beide 53) von der Kameradschaft St. Barbara Bexbach zu der Film-Vorpremiere. Beide hatten bis zu ihrer Frühpensionierung in sechs verschiedenen Gruben im Saarland gearbeitet, waren mit acht Metern pro Sekunde im Aufzug in 1000 Meter Tiefe zum Abbau der rußigen Kohle per Walzenschrämlader in den engen schwül-heißen Stollen gerast und hatten nach dem Bergbau-Ende an der Saar Ende Juni 2012 auch noch im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren gejobbt. Nun wird am 21. Dezember 2018 mit der Schließung des letzten deutschen Steinkohlebergwerks Prosper-Haniel in Bottrop im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das endgültige Ende der Zechen in ganz Westeuropa eingeläutet.

Den fürs Fernsehen gedrehten Doku-Film des Emmy-preisgekrönten freien Produzenten Leopold Hoesch, der sich anschließend selbst einer Talk-Runde mit Zuschauern stellte, fanden die beiden Ex-Saarbergleute sehr gelungen – auch wenn der staatliche Saarbergbau in beiden Filmteilen nur mit wenigen Minuten Sendezeit abgehandelt wird. Die bildgewaltige TV-Doku über das „schwarze Gold“ als Wirtschaftswunder, aber auch als „Hölle“ bei Katastrophen und im Krieg sowie als Aufbruch in eine neue Zeit schlägt thematisch einen Riesenbogen: Von der Entstehung der Steinkohle im Torf überschwemmter Bäume vor Millionen Jahren über erste Bergbauanfänge bei den Römern bis zur detaillierten Historie des Steinkohlebergbaus in den letzten 250 Jahren, seit die Dampfmaschine die Industrialisierung einleitete. Gleich zu Beginn des Films bannt das Flammeninferno des größten Explosions-Bergwerksunglücks vom  März 1906 im nordfranzösischen Courrieres mit 1099 Toten die Zuschauer. Deutsche Bergleute kamen damals spontan als Rettungskräfte den seit dem Krieg 1870/71 verfeindet gebliebenen Franzosen zu Hilfe. Ein Zeichen für die beispiellose Solidarität unter Bergleuten, die oftmals in der Geschichte auch gegen autoritäre Machten ankämpfen mussten und später mit Streiks und Aufständen Wegbereiter der ersten Gewerkschaften waren.



Teil eins des Films, bei dem zwischen den kontrastreichen Bildfrequenzen in Schwarz-Weiß und Farbe immer wieder Bergleute, Historiker und Vertreter von Politik und Wirtschaft zu Worte kommen, zeigt unter anderem, wie schon 1934 im Gelsenkircher Fußballstadion von Schalke 04 zehntausende Fans das Bergmannslied „Glückauf, Glückauf der Steiger kommt“ sangen und dem angeworbenen masurischen Bergmannskumpel Kutzorra als Torjäger zujubelten. Damals, so wird in der Doku erklärt, waren die Hälfte der Bergleute unter Tage als „Pollacken“ verschriene Fremdarbeiter. Filmteil eins endet mit der Machtübernahme Hitlers. Teil zwei zeigt Wohl und Wehe der Steinkohle nach 1950 mit der Montanunion als Geburtshelfer der europäischen Einigung,  Erdöl-Konkurrenz und Kohlepfennig-Subventionen, Umweltschäden, das kurzzeitige Comeback der Steinkohle und schließlich ihr unaufhaltsamer Niedergang. „Ein Ende, das eine ewige Aufgabe bleibt und das im Zeitalter der Energiewende und Digitalisierung neue Chancen bietet“, betonen dazu die Arte-Verantwortlichen.

Der Film wird in zwei Teilen am 4. und 5. Dezember  jeweils um 20.15 Uhr auf Arte und am 19. Dezember in einer kürzeren 90-Minuten-Fassung im ZDF ausgestrahlt, ehe er später auch in Kinos und im Internet zu sehen sein soll.