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Saarland
Die Saar – ein Fluss und seine Geschichte(n)

 Die Saarschleife ist wohl der bekannteste Abschnitt der Saar, sie spielt deshalb auch in dem neuen SR-Film über den Fluss eine Rolle.
Die Saarschleife ist wohl der bekannteste Abschnitt der Saar, sie spielt deshalb auch in dem neuen SR-Film über den Fluss eine Rolle. FOTO: SR
Saarbrücken. Ein Film des Saarländischen Rundfunks wirft ein Licht auf den Strom im Wandel der Geschichte. Ausstrahlung am Sonntag. Von Michael Kipp

Die Saar. Von ihren Quellen in den Vogesen fließt sie bis zur Mündung in die Mosel bei Konz. Dabei mäandert sie recht natürlich 121 Kilometer durch Lothringen und das krumme Elsass, 68 Kilometer strömt sie als Arbeitsfluss durch das Saarland und kurvt pittoresk schöne 31 Kilometer durch Rheinland-Pfalz. Seit etwa 10 000 Jahren liegt sie in ihrem Bett. Zahlen, die auch im neuen Dokumentarfilm des Saarländischen Rundfunks auftauchen. Nicht zuletzt heißt er: „Die Saar – Ein Fluss und seine Geschichte“. Thomas Radler hat sich als Autor und Produzent der „Sarre“ angenommen. Die Redaktion beim SR haben Peter M. Kruchten und Kerstin Woldt. Am Sonntag läuft der Film im SR (20.15 Uhr).



Der Filmemacher aus Wiesbaden erzählt die Geschichte der Saar fließend – und bei gutem Wetter. Gerne mit Drohnenaufnahmen. Beginnend am Donon – an den Quellen der Roten und Weißen Saar. Ein Flug über den Gipfel des Quellbergs. So schön wie eine Fototapete, die sich dazu noch bewegt. Diese Bildsprache soll sich durch den kompletten Film ziehen. 90 Minuten. Immer im rechten Licht. Immer schön. Unterbrochen von Archivmaterial. Meist in Schwarz und Weiß.

Begleitet von Menschen, die an der Saar leben – wie OIivier Kirsch in einem Schleusenhaus am Saarkanal. Sein Leben dokumentiert das Grenzübergreifende der Saar. Der Film erzählt auch von Menschen, die mit dem Fluss leben, wie Angler oder Gemüsebauern. Oder von Schleusenwärtern und einem Fährmann, die am Fluss arbeiten. Oder von Menschen, die auf dem Fluss aufleben: wie Séverine und Philippe Potier vom Kayak Club Sarrebourg. Der Film berichtet auch von Menschen, die von dem Fluss leben. Wie Müller Roger Roeser. Seine Mühle nutzt in Harskirchen als letzte noch die Wasserkraft der Saar, um Mehl zu mahlen. Vor 400 Jahren sind es mehr als 50 Mühlen, die an der Saar in Frankreich am Mühlrad drehen. Das berichtet die Doku nicht. Sie hat zwar die „Geschichte der Saar“ im Titel, erzählt aber eher die „Geschichten“ der Menschen, die heute an ihr leben. Kelten, Römer, Franken und Mittelalter oder Fürsten spielen nicht wirklich eine Rolle in der Dokumentation.



Die jüngere Geschichte hingegen schon. Der Regisseur arbeitet zum Beispiel gut heraus, dass der Fluss ein schönes Stück deutsch-französische Geschichte symbolisiert. Und natürlich für deutsche und französische Industriegeschichte steht. Dass die Saar im frühen 20. und späten 19. Jahrhundert eine Schifffahrtstraße ist, die die Kohlen abtransportiert und das Erz ins Saarland treidelt. Radler greift die Geschichte der Steingutfabriken in Sarreguemines auf. Er lässt Villeroy&Boch in Mettlach nicht außen vor, lässt einen Erben die Saar fotografieren und von ihr schwärmen. Und zeigt natürlich die Schwerindustrie im Tal. Wie sie die Saar verschmutzt hat. Und wie sie letztlich mit dafür verantwortlich ist, dass die Saar nicht mehr die ist, die sie mal war. Als die Menschen sie in den 1970er und 1980er Jahren zur Großschifffahrtstraße ausbauen, verliert sie im Saarland ihre Natürlichkeit, zwängt sich in ein Korsett und lässt sich durch sechs Staustufen ausbremsen. Und das alles innerhalb von 20 Jahren. Dazu zeigt der Film – vielleicht etwas kurz – interessantes Archivmaterial.

Er zeigt alte Bilder von Hochwassern, neue Bilder von Graffitikünstlern in Saarbrücken, von Saarschiffern damals und heute. Von Vaubans Saarlouis, und natürlich Drohnenaufnahmen der Saarschleife (bei gutem Wetter) und der teuren Riesling-Lagen in Rheinland-Pfalz. Schön wie im Werbefilm. Dazu kommt, dass nahezu alle Menschen, die auftreten, eine Liebeserklärung an den Fluss hinterlassen. Das würde im echten Leben sicher nicht jeder Saarländer tun. Das Image des Flusses ist nicht das Beste, zu lange floss er als Kloake durchs Saarland.

Die Saar und ihre Geschichte in einen 90-minütigen Film zu greifen, ist nahezu unmöglich. Zu vielfältig ist der Fluss. Dennoch scheitert die Dokumentation nicht. Regisseur Radler hat den Saarländern, ob in Frankreich oder Deutschland, ein schönes Stück Heimat auf Film gebannt. Auf dass das Image des Flusses ein besseres wird. Verdient hätte sich die Saar das allemal.

„Die Saar – ein Fluss und seine Geschichte“ läuft am 20. Januar um 20.15 Uhr im SR/SWR Fernsehen.