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Schuulschirdsjer aus Schammass

Agnes Miesel aus Neunkirchen erinnert sich an die "werdaase Glääder". In ihrer Kindheit trugen die Mädchen noch "Schuulschirdsjer" aus "Schammass"; das war billiger Baumwollstoff, der besonders für Schürzen und Alltagskleider verwendet wurde.

Das Wort "Schammass" geht zurück auf französisch siamoise. Wir verwenden es auch für wertloses Zeug. "Was haschde dann dòò fier e Schammass kaaf?", fragt die Saarbrücker Ehefrau, wenn ihr Mann ihr mit einem neuen Küchengegenstand eine Freude machen will; "das hadder beschdimmd de billisch Jaakobb widder aangedrähd." Das hochdeutsche Wort für "Schammass" ist Schamott. Die Lebacher haben ein schöneres Wort für solchen Krempel; sie sprechen von "Kréschkénnjeswaar" (wörtlich: Christkindchensware). Das bedeutet aber nicht, dass man diesen Firlefanz, Kram, Plunder, Tinnef nur in der Weihnachtszeit kaufen kann.

Aus Mettlach schreibt Ute Heinz, sie habe in ihrer Kindheit das Wort "Pannestirzin" für die Bachstelze gehört. Der Name sei wohl darauf zurückzuführen, dass der beim Gehen auf und ab wippende Schwanz an einen Pfannenstiel erinnere. Antwort: Laut Rheinischem Wörterbuch wird das "Pfannenstürzchen" so genannt, "weil der Vogel bei der Kreuzigung Christi den Henkersknechten das Gefäß mit Öl, in das sie die Nägel tauchen wollten, aus Mitleid mit dem Gekreuzigten umstieß". Als ich eine Bekannte nach dem "Pannestirzin" fragte, meinte sie, es sei dasselbe wie "Panneschdielsche". Das stimmt aber nicht. "Panneschdielsche" nannte man früher den ungetauften männlichen Säugling. Ich hatte vor Jahren schon einmal auf den Volksglauben hingewiesen, wonach der Name einer Person mit dieser identisch ist; dabei hatte ich an das Märchen vom Rumpelstilzchen erinnert. Als die Königin seinen Namen kannte, hatte das Rumpelstilzchen seine Macht verloren. Um also zu verhindern, dass der Teufel sich eines Ungetauften bemächtigen konnte, nannte man die Buben "Panneschdielsche", die Mädchen waren "Roosebläddscher". Daran erinnert sich aber kaum noch jemand.

Siegfried Schmidt aus Frauenberg/Lothringen fragt, woher das Wort "Quacksalber" kommt. Antwort: Quacksalber ist kein Mundartwort, sondern schriftdeutsch. Im Duden, Deutsches Universal Wörterbuch, wird es zurückgeführt auf "[niederl. kwakzalver, eigtl. = prahlerischer Salbenverkäufer, zu: kwacken = schwatzen, prahlen u. zalven = salben] (abwertend): Arzt o. Ä., der mit obskuren Mitteln u. Methoden Krankheiten zu heilen versucht". Ein anderes Wort für Quacksalber wäre Scharlatan.



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