| 20:49 Uhr

Endspurt bei Mega-Projekt
Brückenschlag am Hochmoselübergang

Nach rund sieben Jahren Bauzeit verbindet die Hochmoselbrücke Hunsrück und Eifel. Die komplette Querung des 1,7 Kilometern langen Stahlüberbaus über das Moseltal wurde am Freitag an der Baustelle auf der Eifelseite gefeiert. Das Bauwerk ist die größte Brücke, die derzeit in Europa gebaut wird.
Nach rund sieben Jahren Bauzeit verbindet die Hochmoselbrücke Hunsrück und Eifel. Die komplette Querung des 1,7 Kilometern langen Stahlüberbaus über das Moseltal wurde am Freitag an der Baustelle auf der Eifelseite gefeiert. Das Bauwerk ist die größte Brücke, die derzeit in Europa gebaut wird. FOTO: dpa / Thomas Frey
Ürzig. Am Freitag wurde die riesige Stahlbrücke die letzten Zentimeter von der Hunsrückseite aus Richtung Eifel vorgeschoben. Von Bernd Wientjes

Die Fahrt zu der Baustelle der Hochmoselbrücke lässt erahnen, dass das Ziel, ab Herbst 2019 die ersten Fahrzeuge über das 1,7 Kilometer lange und bis zu 160 Meter hohe Bauwerk fahren zu lassen, durchaus sportlich ist. Über fast drei Kilometer geht es gemächlich über eine staubige Schotterpiste. Bis hier über die Trasse der B 50 neu Autos rollen werden, haben die Bauarbeiter, die an diesem Freitagnachmittag nur vereinzelt arbeiten, noch jede Menge zu tun.



Trotz der beschwerlichen Anfahrt haben sich mehr als 1000 Neugierige vor der künftigen Brückenauffahrt versammelt. Sie wollen bei dem historischen Moment dabei sein, wenn die riesige Stahlbrücke die letzten 60 Zentimeter von der Hunsrückseite aus Richtung Eifel vorgeschoben und damit der Brückenschlag über die Mosel vollendet wird.

Ein „Megaprojekt“ sei das, wird Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) später sagen. Um kurz nach 14.30 Uhr kommt er mit seinem Dienstwagen auf der Brückenbaustelle an. Er macht mit seinem Smartphone ein Foto, redet mit Bürgern. „Wo ist denn der Volker?“, fragt er irgendwann in die Runde. Gemeint ist Volker Wissing, der rheinland-pfälzische Verkehrsminister.



Der FDP-Politiker ist gerade angekommen. „Hallo Andi“, begrüßt er den Kollegen aus Berlin. Man kennt sich. Scheuer begrüßt in seiner Rede zunächst „die lieben Steuerzahler“. Nicht ohne Grund, wie er später sagt. Schließlich koste allein die Brücke 175 Millionen Euro, der gesamte, 25 Kilometer lange Hochmoselübergang, der die A 60 mit der B 50 im Hunsrück verbindet, schlägt mit 483 Millionen Euro zu Buche. Deutlich mehr als zunächst veranschlagt. Er hoffe, sagt Scheuer, dass tatsächlich im nächsten Jahr die Trasse für den Verkehr freigegeben werden könne, und vor allem, dass die Kosten nicht noch weiter steigen würden.

Das Projekt sei wichtig für die Region, es verbinde sie mit den Wirtschaftsräumen in Belgien und den Niederlanden auf der einen und im Rhein-Main-Gebiet auf der anderen Seite. Es sei eine wichtige Verkehrsachse von europäischer Bedeutung. Scheuer geht auf die Kritiker der Brücke ein, vor allem auch auf die Diskussion um die Standsicherheit. Jedes Detail sei geprüft, der Boden intensiv untersucht worden. Er könne überzeugt sagen: „Die Brücke ist sicher.“ Das gelte auch für alle anderen Brücken in Deutschland.

Auch Wissing hebt die Bedeutung der Brücke und des Hochmoselübergangs hervor. Sie stelle im wahrsten Sinn einen Brückenschlag innerhalb Europas dar. An die Adresse der Kritiker, die an diesem Nachmittag nicht wahrnehmbar sind, sagt er: „Es ist Zeit, sich mit dem Projekt zu versöhnen.“

Dann ist es Zeit für den Brückenschlag, den letzten Vorschub der stählernen Fahrbahn. 15 Minuten dauert es, bis die 60 Zentimeter überwunden sind. Auf einer Leinwand verfolgen die Zuschauer, wie sich zwei Pfeile langsam, kaum sichtbar aufeinander zubewegen, von 600 Millimetern auf der rechten bis null auf der linken Seite.

Die beiden Verkehrsminister warten währenddessen vor dem Übergang zur Brücke, machen Selfies mit Zuschauern. Um 15.32 Uhr ziehen sich Wissing und Scheuer weiße Bauhelme an, blaue Luftballons steigen vor der Brücke auf, auf der Leinwand sieht man, dass sich die Spitzen der beiden Pfeile berühren. Der Brückenschlag ist vollbracht, auch wenn tatsächlich noch ein fünf Meter breiter Graben zwischen dem Stahlkoloss und der späteren Strasse klafft. Das sei richtig so, sagt die Leiterin des zuständigen Landesbetriebs Mobilität, Edeltrud Bayer. Der tatsächliche Brückenanschluss erfolge während der abschließenden Bauarbeiten.

Wissing und Scheuer gehen gemeinsam mit einigen Politikern aus der Region die ersten Meter auf der neuen Brücke und schauen in das 200 Meter tiefer liegende Moseltal. Für die anwesenden Zuschauer bleibt die Brücke an diesem Tag gesperrt.

03SZ-Hochmoselübergang
03SZ-Hochmoselübergang FOTO: SZ / Steffen, Michael