| 00:00 Uhr

Mi'm'Fahrrad unnerwähs . . .

Vor mir liegt Heft Nr. 28 der Zeitschrift "Paraple" der "Revue littéraire - Literaturzeitschrift", die der grenzüberschreitende Verein Gau un Griis halbjährlich veröffentlicht. Die Gedichte und Erzählungen in Deutsch, Französisch und Mundart werden illustriert von Victor Fontaines kunstvollen Bildern. Thema des neuen Heftes: "Viens voir! Komm schau mal! Kómm lou mò!" Den Autoren ist vieles eingefallen, das es zu betrachten lohnt; schauen wir uns ein paar Beispiele an! Der Lothringer Lucien Schmitt häusler beginnt sein Gedicht "Herbscht-Bledder": "Luh emol wie sch‘n se felle / blutrot, ruschtich, goldich geele ...". Auch Karin Peter richtet in "Dézemberbääm" den Blick auf die kahlen Äste; aber "Noch émmer hänken / root ó geel de Äppel / wie Kréschdaaskugheln / én de Bääm ...".

Ursula Kerber hat ihre Haikus "Herbstbilder 2014" in Hochdeutsch verfasst; ein Beispiel: "Hagebuttenzeit / von Netzen eingesponnen / Duft einer Rose." Der Spätsommer hat es auch der Dudweilerin Hilde Hartmann angetan: "Schbäädsommer-Sonnedaach, / am Hang uff de Wies gelää / un in de Himmel geguggd." Mancher Betrachter braucht dazu seine Brille. Ihr widmet der St. Ingberter Dichter Heinrich Kraus sein Gedicht "Mei Brill", in dem es unter anderem heißt: "Un off de Strooß erscht wär mer ganz verlor: / mi'm'Fahrrad unnerwähs wär glatter Mord."

Leider fehlt der Platz, auch die vielen anderen lesenswerten Beiträge zu erwähnen. Nur so viel noch: Nicht alle Texte drehen sich um Naturbetrachtungen; Gérard Carau lässt die Heilige Familie mit ihrem Neugeborenen abermals die Flucht ergreifen; diesmal aber nicht nach Ägypten, sondern nach Europa. Marias Worte: "Mer hann et némmeh ausgehall hèij én däm Lann, / wo nur noch Kréich éss, / nur noch Elend, nur noch Dood."

Um das Elend in der Welt geht es auch in den Gedichten der Dillingerin Marlies Böhm; ihr "Kréschdach" beginnt: "Hénner em Waffenschdillschdand / lauert da Kréich. // Neewen de vill Lichdern / éss de Welt schdockdónkel. // Zwéschen de Geschenkern / verschdoppt sich Armut." In dem neuen Heft gibt es nach längerer Pause auch wieder einen sehr interessanten Beitrag von der Saargemünderin Marianne Haas-Heckel über die Etymologie der Wörter, die das Französische aus der Mundart entlehnt hat. Das Heft ist erhältlich im Buchhandel oder bei: Gau un Griis, 2, cour de l'Abbaye, F-57320 Bouzonville. Preis: 8 Euro plus 1,50 Euro Versand.

Erwähnenswert ist auch eine andere Publikation: Im Seminarfach "Mundart " haben Schüler des Saarlouiser Gymnasiums am Stadtgarten unter Leitung ihres Lehrers Alex Hawner das Märchen von Hänsel und Gretel in Mundart umgedichtet. "Ètt Greedelchen ónn étt Schängelchen" ist erhältlich im Saarlouiser Buchhandel , Preis 9,99 Euro. Es wäre zu wünschen, dass dieses Projekt auch andere Schulen zur Nachahmung anregt.



Fragen und Hinweise per E-Mail an heimat@sz-sb.de.