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Es sééchle Mickle dùrch de Lùft

Bernd Müller aus Quierschied schrieb vor Ostern über die Bedeutung von "Griendunnerschdaa" (Gründonnerstag) und "Kaarfreidaa" (Karfreitag). Letzterer habe seinen Namen vom mittelhochdeutschen Wort "kar", althochdeutsch "chara" = Wehklage, Trauer; denn an diesem Tage sei Christus gekreuzigt worden.

Das "Grien" (Grün) in "Griendunnerschdaa" habe aber nichts mit grün zu tun, sondern gehe zurück auf "greine", auch "griene" = weinen. Diese Meinung wird aber von den Wörterbüchern nicht bestätigt. Im Etymologischen Wörterbuch von Kluge heißt es zu Gründonnerstag: "Die Herkunft ist nicht geklärt. Offensichtlich handelt es sich um eine ursprünglich eher volkstümliche Bezeichnung, so dass die Herleitung der seit dem 14. Jh. bezeugten und weit verbreiteten Sitte, an diesem Tag grüne Heilkräuter und grünes Gemüse zu essen, nicht von vornherein auszuschließen ist."

Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung, dass Platt sowie Friesisch und Dänisch offizielle Amtssprachen in Schleswig-Holstein werden sollen. Von solchen Plänen kann in unseren Regionen keine Rede sein, aber zumindest können wir uns um den Erhalt unserer Mundarten bemühen. Wie etwa die Klasse des Saarlouiser Gymnasiums am Stadtgarten, deren Buch "Étt Greedelchen ónn étt Schängelchen" mir freundlicherweise zugeschickt wurde. Zu dieser Nachdichtung von "Hänsel und Gretel " in Saarlouiser Platt - Karin Peter sorgte für die Mundart-Schreibweise der Erzählung - haben mehrere bekannte Persönlichkeiten des Saarlandes Vorworte geschrieben, allen voran Bundesjustizminister Heiko Maas. Seinen hochdeutschen Text hat Karin Peter in Saarlouiser Platt übertragen. Als Jurist geht Heiko Maas der Frage nach, welcher Straftaten die Märchenfiguren sich schuldig gemacht haben, und kommt zu dem Schluss: "Der Papa ónn de Schdiefmamma, die hann e Schdròòftaat begang, ónn die hääscht én t Gesetz ‚Aussetzung‘." Gleich zweier Verbrechen hat sich die Hexe schuldig gemacht, nämlich der ‚Freiheitsberaubung‘, "wie se der Hänsel én de Kaasch geschberrt hott". Außerdem hatte sie vor, "der Hänsel se bròòden ónn hernòò se essen, dat wòòr ... e ‚versuchter Mord‘. ... Awwer der Hänsel ónn et Greedel, die kannen nét beschdròòft génn."

Auch bei unseren lothringischen Nachbarn wird die Mundart gepflegt. Aus Marianne Haas-Heckels "Saargemìnner Schriebschdubb" wurde mir das neueste Druckwerk zugeschickt. Darin geht es um "Vìeh ìn Gedischde ùnn Geschischde". Hier der Anfang des Gedichts "Hààsemìddel" von Etienne Feuchter aus dem Krummen Elsass: "De Sùnn bààd sich im Blùùmedùft, / Der Wind im Gràss schlààt Wælle. / Es sééchle Mickle dùrch de Lùft, / Blììdeschdààb dùùt sàchde félle."

Fragen und Hinweise per E-Mail an heimat@sz-sb.de