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Ein Name, 22 Talente

Merzig. Edles Geschirr und Sanitärkeramik: Dafür steht der Name Von Boch weltweit. Doch in ihrer über 250-jährigen Geschichte hat die Familie auch viele Künstler-Talente hervorgebracht – wie jetzt in Merzig zu sehen ist. Kathrin Werno

Die Fotografie ist außergewöhnlich. Pudrig-pastellig erinnert die Blumenwiese vor einem See fast an eine impressionistische Zeichnung. "Eventuate Star Night" der 30-jährigen Sophie von Boch ist eine der ersten Arbeiten, die man beim Rundgang durch die Ausstellung "Die Kreativen Bochs" im Merziger Museum Schloss Fellenberg sieht. Und sie entspricht nicht wirklich den Vorstellungen, die man mit in diese Schau bringt. Boch? Kreativ? Da muss es sich doch um kunstvoll bemalte Fliesen, besondere Dekore oder Keramikarbeiten handeln! Ja, die sind auch zu sehen. Doch wenn es um 22 künstlerische Talente aus zehn Generationen seit etwa 250 Jahren geht, finden sich eben auch Reisetagebücher, Silberschmuck und von Comics inspirierte Malerei im kreativen Familien-Gepäck.

An Monika von Boch, die bekannte Vertreterin der subjektiven Fotografie , mag so manch einer denken, wenn von den kreativen Bochs die Rede ist. Eben jene "Tante Moni" ist der Auslöser der Merziger Schau. Seit 2003 vergibt das Museum Schloss Fellenberg alle zwei Jahre den "Monika von Boch-Preis für Fotografie ", um die Erinnerung an die herausragende Künstlerin wach zu halten. In diesem Jahr nun hätte die Schülerin von Otto Steinert ihren 100. Geburtstag gefeiert - Grund für Museumsleiterin Ingrid Jakobs eine besondere Schau zu konzipieren.

Die Idee zu dieser Ausstellung habe sie schon lange gehegt, nun sei der richtige Zeitpunkt da gewesen. Jakobs' Anruf bei Wendelin von Boch überraschte und löste eifriges Stöbern im Firmen- und Familienarchiv aus. "Wir haben Dinge entdeckt, von denen wir nicht wussten, dass sie da sind. Die Vorbereitungsarbeiten haben uns viel Spaß gemacht", erzählte der Vorstandsvorsitzende. Es sei auffallend, dass es so viele künstlerisch Begabte durch die Jahrhunderte hinweg in der Familie gebe, und er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob das genetisch bedingt oder der Kultur der Familie zu verdanken sei. "Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte Mal- und Zeichenunterricht zur Ausbildung in adligen Kreisen, doch später war das nicht mehr der Fall", sagt er, der sich im Gegenteil daran erinnere, dass sein Vater gelegentlich etwas despektierlich über Eugène von Boch gesprochen habe, der zum Kreis der Pariser Impressionisten gehörte: "Wir haben einen Vetter, der sitzt da im Bois de Boulogne rum und malt." Doch gerade dieser kreativen Veranlagung sei seines Ermessens nach die Langlebigkeit des Unternehmens zu verdanken. So dient die Ausstellung in gewisser Weise auch einer Rehabilitation der unterschätzten Künstler der Familie, zu denen in ihrer Anfangszeit auch Monika von Boch gehört haben soll. Doch gerade "Tante Moni" prägte Alexander und Michel von Boch, die in der achten und neunten Generation ebenfalls zur Kamera greifen sollten und von denen Reisefotografien in der Schau zu sehen sind.

Im hinteren Raum, dem "historischen Kabinett" bekommt man Einblick in die ersten Talente: Reisetagebücher mit Fotografien und Zeichnungen, Bleistiftzeichnungen und Aquarelle, Dekorentwürfe, eine Steingutarbeit, aber auch Werke der bekannten Weißblechserie von Monika von Boch. Die Impressionisten-Geschwister Anna (1848-1936) und Eugène von Boch (1855-1941) sind natürlich vertreten.

Im mittleren Raum geht es dann hoch her: Hier sind farbenfrohe Gemälde der jüngeren Generationen, etwa von René von Boch und von Carmen von Boch Kivu zu sehen, Tonarbeiten, Schmuckentwürfe und vieles mehr. Die insgesamt 70 Werke geben so auch einen Einblick in die Kunst- und Designgeschichte der vergangenen 250 Jahre. Und der Kreis von Kreativität und Unternehmertum schließt sich: So hat die gerade mal 20-jährige Lucia de Quiqueran-Beaujeu in der zehnten Generation jüngst das Dekor für die Neuauflage einer historischen Terrine gestaltet.

Bis 7. Juni: Di bis So: 14 bis 17 Uhr.