| 00:00 Uhr

Ein Fluss, in dem Erinnerungen schwimmen

Im Dezember 1993 trat die Blies über die Ufer und setzte den Kirmesplatz in Wiebelskirchen unter Wasser. Diese Kinder freuten sich über das nasse Erlebnis. FOTO: willi HIEGEL
Im Dezember 1993 trat die Blies über die Ufer und setzte den Kirmesplatz in Wiebelskirchen unter Wasser. Diese Kinder freuten sich über das nasse Erlebnis. FOTO: willi HIEGEL
Wiebelskirchen. Die Blies entspringt im Nord- Saarland und durchfließt auf einer Länge von 95 Kilometern schöne Landschaften, aber auch Industrieregionen. An ihrem Ende ist die Blies Grenzfluss zwischen Frankreich und Deutschland. Wer sind die Menschen, die hier leben? Und wie lebt es sich an der Blies? Diesen Fragen spürt SZ-Mitarbeiter Dieter Gräbner in einer Serie nach.

Beinahe alle Jahre wieder, zuletzt 2012 und 2013, steigt der Wasserspiegel der Blies bei starkem Regen an. Vor allem dort, wo die Oster, ein Bach - bei Hochwasser ein Flüsschen -, in die Blies mündet. Das ist mitten in Wiebelskirchen . Dann fließen hier 110 000 Liter Wasser pro Sekunde durch die Blies. Die Oster entspringt im Naturpark Saar-Hunsrück und legt 30 Kilometer bis Wiebelskirchen zurück.

Der 80-jährige Norbert Hell ist ein Wiebelskirchener Urgestein. Die Geschichte seiner Familie in Wiebelskirchen lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurück verfolgen. In drei Heimatbüchern hat er Beiträge über die Ortsgeschichte von Wiebelskirchen geschrieben. Hell: "Wiebelskirchen hat 9000 Einwohner, gehört seit 1973 zu Neunkirchen und wurde im Jahr 765 erstmals erwähnt. Wir sind älter als Neunkirchen . Neunkirchen ist eine Tochtersiedlung von Wiebelskirchen . Man nimmt an, dass ein Franke mit dem Namen Wibilo hier eine Kirche errichtet hat. So kommen wir auch zum Namen Wiebelskirchen . Hier wurden auch die Überreste eines römischen Landhauses gefunden. Und in diesem Jahr feiern wir unseren 1250. Geburtstag mit vielen Veranstaltungen."

Zu diesem 1250. Geburtstag werden Gedenkmünzen in Gold und Silber hergestellt. Die Vorderseite zeigt die frühere Rathausschule, das heutige Wibilohaus im Zentrum von Wiebelskirchen . Auf der Rückseite ist der Jubiläumsbrunnen der 1200-Jahrfeier im Jahr 1965 und ein Portrait des Wiebelskirchener Pfarrers und Schriftstellers Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen zu sehen. In Silber kostet die Münze 59,90 Euro, als Goldmünze 950 Euro. Von der Goldmünze sollen 125, von der Silbermünze 1250 Stück hergestellt werden.

Im Heimatmuseum von Wiebelskirchen im schmucken Wibilo-Haus in der Mitte des Markplatzes zeigt Hell mir alte Fotos von der Blies. Früher konnte man in der Blies baden. "Wir hatten mehrere Badeplätze. Einer war direkt an der Seitersbrücke, wo die Oster in die Blies mündet. Da gingen wir jeden Sommer schwimmen", berichtet Hell. Ein anderes Bad sei der sogenannte Schwimmplatz gewesen. "Der wurde vom Schwimmverein betrieben. Dort gab es sogar ein Sprungbrett. Dann gab es das Schwimmbad namens ,Diehls Wäldche´. Das war ebenfalls ein naturbelassener Badeplatz an der Blies, der von der Gemeinde betrieben wurde. Und dann hatten wir noch einen Platz an der Oster, wo man schwimmen konnte. Der Platz hieß ,Am Winkel´. 1958 wurde dann ein richtiges Schwimmbad gebaut, mit Fünfmeter-Turm", erzählt der 80-Jährige. Betrieben werde das Schwimmbad natürlich nicht mehr mit Wasser aus der Blies, sondern "aus der Leitung", so Hell. Er erzählt auch, dass es in Wiebelskirchen schon im Jahr 1250 eine Gold- und Silberschmiede gab, dass der Ort während des Dreißigjährigen Krieges 1635 und noch einmal 1676 während des Holländischen Krieges zerstört wurde.

Von was leben die Menschen heute hier? "Viele sind Rentner", erzählt Hell. Die meisten Berufstätigen arbeiteten im Umland, vor allem in Neunkirchen . In Wiebelskirchen selbst stünden viele Einzelhandelsgeschäfte leer. Die Bewohner führen zum Einkaufen lieber nach Neunkirchen .



Der 80-jährige Norbert Hell betätigt sich in Wiebelskirchen als Heimatforscher. Foto: D. Gräbner
Der 80-jährige Norbert Hell betätigt sich in Wiebelskirchen als Heimatforscher. Foto: D. Gräbner FOTO: D. Gräbner