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Porträt
Der vergessene Regisseur

Saarbrücken/Berlin. Als der in Malstatt geborene Franz Hofer nach Berlin ging, hatte er große Pläne. Kurz vor dem ersten Weltkrieg begann für ihn eine erfolgreiche Karriere als Filmemacher. Doch das änderte sich, als der Tonfilm kam. Kerstin Rech

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog es Franz Hofer von Malstatt nach Berlin, wo er zu einem der erfolgreichsten Stummfilmregisseure wurde.

Als Franz Wygand Wüstenhöfer am 31. August 1882 in der damals noch eigenständigen Stadt Malstatt zur Welt kam, lag der erste Schritt von stehenden zu bewegten Bildern bereits zehn Jahre zurück. Dem englischen Fotografen Eadweard Muybridge gelang es 1872 nämlich erstmals mit Hilfe der Serienfotografie, ein galoppierendes Pferd darzustellen - für die damalige Zeit eine echte Sensation. Von diesem Zeitpunkt an entwickelten sich die imposanten Apparaturen, mit deren Hilfe man bewegte Bilder aufnehmen und zeigen konnte, so schnell, dass man schon wenige Jahre später die ersten Stummfilme mit durchgängiger Handlung herstellen konnte. Der Film als eigenständige Kunstrichtung etablierte sich und viele Künstler wechselten vom Theaterfach zum neuen Medium Film. Einer von ihnen war der junge Franz aus Malstatt, den es nach Berlin zog und der seinen sperrigen Nachnamen Wüstenhöfer ablegte und sich fortan Hofer nannte.

Bald schon debütierte er als Theaterschauspieler und verdingte sich in den Jahren danach als Stückeschreiber, Dramaturg und Regisseur am Berliner Zentral-Theater. 1910 kam er zum ersten Mal als Drehbuchautor mit dem Stummfilm in Berührung. Drei Jahre später drehte Franz Hofer seinen ersten Film "Des Alters erste Spuren". Hier, wie bei den 79 Filmen, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte entstanden sind, schrieb Hofer die Drehbücher weitgehend selbst. Eine Ausnahme war zum Beispiel der ebenfalls 1913 gedrehte Film "Das rosa Pantöffelchen". Hier schrieb seine Ehefrau, die Schauspielerin Paula Hofer, mit der er seit 1911 verheiratet war, das Drehbuch.

1914 brach der erste Weltkrieg aus und Hofer meldete sich freiwillig. Er wurde verletzt und kehrte wenige Monate später wieder ins Zivilleben zurück. Weitere Filme folgten, wie zum Beispiel "Heideröschen" (1916), "Fräulein Pfiffikus" (1917), die allesamt beim Publikum und den Kritikern gut ankamen.

Vom Erfolg beflügelt, gründete Hofer 1920 seine eigene Produktionsfirma und versuchte mit neuen Filmen, den Nerv der Zeit zu treffen. Das Kaiserreich war Geschichte und mit den 1920er Jahren hielt auch eine neue Freizügigkeit Einzug in die Gesellschaft. Drehte er bislang Krimis, Komödien und Dramen, folgten nun so genannte Sitten- und Aufklärungsfilme wie "Begierde - das Abenteuer der Katja Nastjenko" (1920) oder "Beichte einer Gefallenen" (1921). Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus.

Seit 1932 NSDAP-Mitglied



Ende der 1920er Jahre neigte sich die Zeit des Stummfilms dem Ende zu. Der Übergang zum Tonfilm gelang Franz Hofer nicht.

1932 trat er in die NSDAP und 1933 in die Reichsfachschaft Film ein. In diesem Jahr drehte er seinen letzten Film "Drei Kaiserjäger", dem der Erfolg ebenfalls versagt blieb. Hofer ging wieder zurück zum Theater, schrieb einige Theaterstücke, die zum Teil auch zur Aufführung kamen.

Er starb am 5. Mai 1945 bei einem Bombenangriff auf Berlin. Von seinen 80 Filmen sind nur 15 erhalten geblieben.

Heute ist der Stummfilmregisseur fast vergessen. 1999 organisierte die Stadt Saarbrücken noch eine Retrospektive seiner Arbeit. Von 2002 bis 2013 vergab das Filmhaus Saarbrücken jährlich den mit 2000 Euro dotierten Franz-Hofer-Preis für besondere Leistungen im Bereich Film. Dem Filmhaus wurde jedoch der Etat gekürzt, die Preisvergaben eingestellt und so eine Möglichkeit, an Hofer zu erinnern, gekappt.