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275. Geburtstag
Bezwinger Napoleons und Liebling des Volkes

Feldmarschall Blücher 1814 (stehend in der Kutsche) auf dem Ottweiler Schlossplatz.
Feldmarschall Blücher 1814 (stehend in der Kutsche) auf dem Ottweiler Schlossplatz. FOTO: Landkreis Neunkirchen
Saarbrücken. Verschiedene Kriege führten Gebhard Leberecht von Blücher zweimal in die Saar-Region. Dort ist der preußische Feldmarschall dennoch fast vergessen. Von Klaus Friedrich

Vor genau 275 Jahren – am 16. Dezember 1742 – wurde Gebhard Leberecht von Blücher in Rostock geboren. Als „Marschall Vorwärts“, „Retter Deutschlands“ und „Bezwinger Napoleons“ ging er in die Geschichte ein – und auch an der Saar hat der preußische Feldherr seine Spuren hinterlassen.



Diverse Kriege gegen Frankreich – zuerst gegen die aus der Revolution hervorgegangene junge Republik, später gegen das von Napoleon Bonaparte errichtete Kaiserreich – führten Blücher im Abstand von rund 20 Jahren gleich zweimal in das Land an der Saar. So war er zunächst im Herbst 1793 als Oberst mit seinem Husarenregiment nach Neunkirchen gekommen und schlug von dort aus die bereits bis Rohrbach vorgedrungenen Revolutions­truppen in brutalen Mann gegen Mann geführten Gefechten zurück. An diese für die hiesige Bevölkerung schwere Zeit erinnert in Rohrbach bis heute der Flurname „Beim Franzosengrab“, während Blücher selbst in seinem 1796 erschienenen „Kampagne-Journal der Jahre 1793 und 1794“ rückblickend darüber berichtete und dabei etliche Orte im heutigen Saarland und der benachbarten Pfalz aufführte. So erfährt man daraus, dass er Dudweiler besetzte und mit der vereinten preußisch-sächsischen Armee weiter in Richtung Saar vorging. Blücher erwähnt Artillerieduelle zwischen den auf dem Halberg liegenden deutschen und den auf dem Winterberg postierten französischen Kanonieren, schildert, wie Revolutionstruppen das Jagdschloss Ludwigsberg anzündeten und dass „die Franzosen eines Abends ihre Zerstörungswuth so weit trieben, daß sie das schöne fürstliche Schloß in Saarbrück ansteckten“. Am 16. November erfolgte in Anbetracht des nahenden Winters und der auf Dauer nicht zu haltenden Stellung der Rückmarsch über Rentrisch und St. Ingbert, bedrängt von nachrückenden französischen Einheiten. Nach dem Rückzug der deutschen Truppen wurde das zwischenzeitlich gründlich ruinierte Territorium der jungen Republik Frankreich einverleibt.

Aus der Republik wurde 1804 das Kaiserreich Napoleons – und 1806 fand sich Blücher aller preußischen Friedensbemühungen zum Trotz erneut im Krieg gegen Frankreich wieder. Es gelang ihm, die französische Armee aus Deutschland zurückzudrängen und zielstrebig auf Paris vorzumarschieren. Der Eilmarsch führte ihn im Januar 1814 wieder an Blies und Saar. Dort bezog er in St. Wendel, Neunkirchen und Saarbrücken Quartier und wurde gerade von den Einwohnern der Saar-Städte als Befreier begrüßt. An seinen Aufenthalt erinnern bis heute eine Gedenktafel am vormaligen „Cetto’schen Haus“ in St. Wendel sowie am „Hesse-Haus“ in Ottweiler, wo zudem ein 1905 vom Düsseldorfer Maler Franz Kiedrich geschaffenes Wandgemälde den Sitzungssaal des alten preußischen Landratsamtes ziert. Darauf abgebildet ist der „Marschall Vorwärts“, der auf dem Schlossplatz von Ottweiler eine Rede an die Bevölkerung hält. Ob sich dies so ereignet hat, ist nicht sicher, interessant ist aber ein Detail am rechten Bildrand: Dort nämlich verteilt ein preußischer Soldat Blüchers am 1. Januar 1814 erlassene Proklamation „An die Bewohner des linken Rheinufers“. Darin versprach er, das Eigentum der Bevölkerung zu sichern und forderte unter Androhung der Todesstrafe, dass „alle Verbindung mit dem französischen Reiche aufhören“ müsse.

Nachdem Paris im Frühjahr 1814 erobert und damit Napoleon zum ersten Mal vom Thron gestoßen worden war, verblieben Saarbrücken, St. Johann „und ihre Umgebungen“ als Zeichen des guten Willens weiterhin bei Frankreich – sehr zum Unverständnis der meisten Bürger dieser Orte, die von der missliebigen Fremdherrschaft loskommen wollten. Das änderte sich schlagartig, als Napoleon 1815 aus dem Exil auf Elba entkam, in Frankreich landete und mit Unterstützung des aus Saarlouis stammenden Marschalls Ney erneut einen Krieg vom Zaun brach. Für Blücher war dies ein Glücksfall – sah er nun die Gelegenheit, zu korrigieren, was die Diplomaten beim Wiener Friedenskongress versäumt hatten. Wenige Wochen später bezwangen er und der britische General Wellington gemeinsam Napoleon in der Schlacht von Waterloo. Nach dem endgültigen Sturz Napoleons entsandten die Städte Saarbrücken und St. Johann Heinrich Böcking und Carl Lauckhard nach Paris, um vor Ort die Interessen der deutsch gesinnten Bürgerschaft zu vertreten. Dort setzte sich Blücher dafür ein, dass die Saar-Städte wieder deutsch und endlich sogar preußisch wurden.

Als dauerhaft Frieden herrschte, ging der nunmehr fast 74-jährige Feldmarschall in den Ruhestand. Am 12. September 1819 schloss er auf seinem Gut Krieblowitz in Schlesien für immer die Augen.

Als „Held und Liebling des Volkes“ blieb Blücher noch lange in Erinnerung. Im heutigen Saarland hingegen sind die Spuren, die er hinterließ, weitgehend vergessen, nur vereinzelt erinnern historische Vereine sowie Blücherstraßen in Saarbrücken und St. Ingbert, das Blücherflöz in Neunkirchen und die danach benannte Straße, wenige Gedenkplaketten und das besagte Gemälde in Ottweiler an den einstmals auch hier so populären „Marschall Vorwärts“.

Gedenktafel in Ottweiler: „Hier siegte Blücher“.
Gedenktafel in Ottweiler: „Hier siegte Blücher“. FOTO: Gerd Meiser