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Saarländischer Heimatpreis
Auch eine Werkstatt ist Heimat

Die Gewinner des Saarländischen Heimatpreises erhielten insgesamt 1000 Euro Preisgeld für ihr Bemühen, ihre Heimat und deren Traditionen zu bewahren.
Die Gewinner des Saarländischen Heimatpreises erhielten insgesamt 1000 Euro Preisgeld für ihr Bemühen, ihre Heimat und deren Traditionen zu bewahren. FOTO: Klaus Hinze/Saarwaldverein
Saarlouis . Mit dem Heimatpreis wird in diesem Jahr ein historischer Maschinenbaubetrieb ausgezeichnet. Von Udo Lorenz

Eine fast hundert Jahre alte, liebevoll erhaltene Werkstatt mit Saarlands einzigem denkmalgeschützten Auto – auch das ist Heimat: Der Saarwald-Verein hat am Donnerstag erstmals seit 2014 wieder den Saarländischen Heimatpreis für besondere Bräuche, Traditionen und Erinnerungen im Land verliehen. Dazu gab es im Vereinshaus Saarlouis-Fraulautern eine Feierstunde mit Umweltminister Reinhold Jost (SPD) für die in vier Kategorien ermittelten Gewinner.



Bei den Einzelpersonen ging der Heimatpreis an Wolfram Herzog aus Neunkirchen. Er hat den historischen Maschinenbaubetrieb seines Großvaters mit Werkstatt und einem unter Denkmalschutz stehenden uralten Firmenauto bis ins Detail restauriert und in einem aus eigenen Mitteln geschaffenen Museum für die Nachwelt erhalten. „Ärmel hochkrempeln und es selbst schaffen“, hieß dabei sein Motto.

Das mit Saarwaldverein-Präsident Christian Ege, Fußballverband-Präsident Franz Josef Schumann (CDU), dem SPD-Europaabgeordneten Jo Leinen und VSE-Unternehmenssprecherin Marie-Elisabeth Denzer prominent besetzte Kuratorium, das über die Preise entschied, lobte Herzog: „Er bewahrt in der dritten Generation die historischen Werte.“

Bei den Gruppen, die eine Tradition erlebbar machen und sie wach halten, ging der Saarländische Heimatpreis an die seit 2014 zwischen Schmelz und Tholey mit einem interkommunalen Dorfprojekt aktiven „Bohnentaler Selbermacher“. Sie halten in ihrer Region alte Bräuche wie Korbflechten, Hochbeete bauen, Brotbacken oder auch die Herstellung von Pech aus Birkenrinde hoch und geben die Kenntnisse an die nächste Generation weiter.

In der Kategorie junger Leute, die das Lebensgefühl ihrer Heimat festhalten, hat Annika Meyer aus Neunkirchen den Heimatpreis für ihr Magazin „Sonah“ erhalten. Das Heft bringt Geschichten über Menschen und Orte im Saarland, vom Wallerfanger Blau über den Johannistag mit seinen mittelalterlichen Bräuchen bis hin zur Froschkönigin aus dem Donnerloch im Homburger Herzogswald.

Der Sonderpreis für Menschen und Gruppen, die im Saarland eine neue Heimat gefunden haben, ging an das „Comitato San Paolino“ in Dillingen. San Paolino ist der Schutzheilige des sizilianischen Dorfes Sutera, aus dem 1960 etwa 300 junge Männer nach Dillingen kamen, um hier zu arbeiten. Inzwischen leben schon in dritter Generation mehr als 600 Angehörige aus Sutera, teils mit Einheimischen verheiratet, gut integriert in Dillingen. „Europa steht für Frieden und Freiheit – auch das ist ein Stück Heimat“, betonte Minister Jost bei der Preisverleihung. Saarwald-Verein-Präsident Ege sagte, der zeitweise verpönte Begriff Heimat sei jetzt wieder in aller Munde und mache viele schöne Stücke im Land sichtbar.

Für die Gewinner des Saarländischen Heimatpreises gab es Preisgelder in Höhe von insgesamt 1000 Euro. Der Preis wurde vom Saarwald-Verein erstmals vor 30 Jahren vergeben.