Happy-End nach dem Vereinsausflug

Dudweiler. Der 20. Oktober dieses Jahres wird Johann Auel so schnell nicht vergessen. Eigentlich war es der Morgen danach. Ein Sonntag auch noch. Bei der Sängerfahrt seines Lieblingsvereins - der Rentner singt seit fast 35 Jahren im Männerchor Harmonie 1896 Dudweiler - hatte er seine Geldbörse verloren

 Johann Auel freut sich darüber, dass er sein Portemonnaie wieder hat. Foto: Jörg Martin

Johann Auel freut sich darüber, dass er sein Portemonnaie wieder hat. Foto: Jörg Martin

Dudweiler. Der 20. Oktober dieses Jahres wird Johann Auel so schnell nicht vergessen. Eigentlich war es der Morgen danach. Ein Sonntag auch noch. Bei der Sängerfahrt seines Lieblingsvereins - der Rentner singt seit fast 35 Jahren im Männerchor Harmonie 1896 Dudweiler - hatte er seine Geldbörse verloren. Die rund 40-köpfige Reisegruppe hatte es bei der alle zwei Jahre stattfindenden Tour dieses Mal nach Bad Ems verschlagen. Zum dortigen Chor pflegt man enge freundschaftliche Kontakte. Nach dem Abendessen und einem Kommers befand sich die Truppe mit dem Bus auf dem Heimweg. Die Männer hatten Spaß gehabt. Man war in feucht-fröhlicher Stimmung. Naheliegend, dass viele auf der Bundesautobahn A 1 nahe Trier ein gewisses menschliches Bedürfnis plagte.Auf dem Rasthof Hochwald hielt der Fahrer gegen 23.45 Uhr an. Und dabei muss es passiert sein: Johann Auel verlor sein Portemonnaie. Doch das bemerkte er erst überhaupt nicht. Dem ersten Bass-Sänger der Dudweiler Harmonie offenbarte sich das Malheur erst am Morgen danach. Da fragte ihn seine Frau: "Wo hast Du denn Deinen Geldbeutel?" In der Gesäßtasche - glaubte Auel bis zu diesem Zeitpunkt. Doch da war nichts. Der Ruheständler war fassungslos. Direkt rief er Uwe Staub, den 1. Vorsitzenden der Harmonie an und ließ sich die Rufnummer des Busunternehmens geben. Im Bus habe man nichts gefunden, so die Firma. Auel wurde auf den Folgetag vertröstet. Dann finde eine Generalreinigung des Fahrzeuges statt. Doch auch dieser Versuch sollte erfolglos sein. Papiere, Ausweise, Geldkarten: Kaum auszudenken, was das an Papierkram und Kosten verursacht, wenn man alles wieder beschaffen muss. Da waren die 50 Euro Bargeld noch am ehesten zu verschmerzen.

Doch Johann Auel blieb hartnäckig, schnappte sich seinen Enkel und fuhr an den Rastplatz. Die beiden suchten zwei Stunden, ohne die Geldbörse zu finden. Dienstags machte der Chorsänger dann auf dem Bürgeramt seine Verlustmeldung. "Ich sollte drei Wochen warten, ob er abgegeben wird", berichtete Auel. Am nächsten Morgen dann die Überraschung. Seine Schwägerin aus Koblenz ruft an: "Vermisst Du nichts?", will die wissen. Und ob! Jutta Auel wurde nämlich informiert. Jemand hatte das verloren gegangene Stück gefunden und angerufen, weil im Innern die Rufnummer von Auels Bruder drin war. Dabei war die Schwägerin irritiert: Sie kennt Auel nur unter dem Rufnamen "Hansi". Der richtige Vornamen des Schwagers sagte ihr zunächst überhaupt nichts. Die Geldbörse, erklärte sie, sei vom Regen durchnässt und müsse erst noch trocknen. Auel bekam dann am 30. Oktober Post - mit Hindernissen. Denn der Finder glaubte, dass das Portemonnaie einem Herrn Johann gehören würde. Aber die Nachbarin klärte den Paketboten auf und Johann Auel kam wieder an das sehnlich vermisste Stück. Karl-Richard Hofmann aus Nauert im Westerwald hatte den Geldbeutel am Straßenrand des Rastplatzes gefunden, Geld für Porto und Verpackung herausgenommen, eine Quittung beigelegt und das Ganze nach Dudweiler geschickt. "Gesehen habe ich, dass Sie bald Geburtstag haben. Betrachten Sie es doch vorab als Geburtstagsgeschenk", schrieb der Mann aus Rheinland-Pfalz. Johann Auel war hin und weg. Er zog die Verlustanzeige beim Bürgeramt zurück, kaufte eine edle Flasche Saar-Wein, schrieb einen Dankesbrief an Herrn Hofmann und schickte das Ganze los. "Es gibt doch noch ehrliche Menschen", sagt der Sänger voller Freude. Seine Sangeskameraden können nun auch das Bedauern über das unerfreuliche Erlebnis einstellen und sich singend mitfreuen.

Johann Auel trägt die Geldbörse nun nicht mehr in der Gesäßtasche, sondern ganz woanders.

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