Gute Stimmung im November

Gute Stimmung im November

Neunkirchen. Vor 25 Jahren, als die Bahnhofstraße ein neues Aussehen bekam (wie heute), der November mit nebelsträhnigem Haar durch die Stadt zog (wie heute), da eröffneten die Narren ihre Session (wie heute). Allerdings waren die Karnevalisten damals etwas anders aufgestellt

Neunkirchen. Vor 25 Jahren, als die Bahnhofstraße ein neues Aussehen bekam (wie heute), der November mit nebelsträhnigem Haar durch die Stadt zog (wie heute), da eröffneten die Narren ihre Session (wie heute). Allerdings waren die Karnevalisten damals etwas anders aufgestellt. Die Karnevalsvereine aus Wellesweiler und von der Scheib waren noch nicht im NKA, dafür aber war der Hoppeditz noch "drin". Der Prinz war herausgeguckt (wie heute), aber ohne Prinzessin. Seine Tollität aber besaß einen Migrationshintergrund. Markus I. war kein Neinkeija, sondern einer aus Landsweiler-Reden. Er hieß mit bürgerlichem Namen Dähmlow, gehörte zum Stamme des KUV Wiebelskirchen und hoffte, bis zur Sitzungsperiode eine Prinzessin namens Ilse anheuern zu können. Er war ein sehr einfallsreicher Prinz, der auf die "Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Regierungserklärung" verzichtete. Stattdessen rief er während seiner Proklamation von seinen Untertanen deren Arbeitsbereitschaft ab. Dabei zeigten sich die "Hoppeditze" besonders pfiffig. "Schaffe na gudd, ihr Funke?" rief der Prinz in den Saal. Aus der Funkenecke erscholl ein mannhaftes "Jaaaa". "Sinn ihr aah fleißisch, ihr von da Plätsch?" fragte der Prinz. Aus der Plätschecke ertönte ein lautstarkes "Jooooo!" "Unn ihr vom Hoppeditz, klappt's bei eich aah?" wandte sich Markus I. an den Hoppeditz. Da aber schallte ein schrilles "Nääää" dem Regenten entgegen. Das Auditorium schrie laut auf. Doch die Hoppeditze liefen sich jetzt erst warm. Als der Prinz von den Akteuren des KUV, den Daalern und Eulenspiegeln wissen wollte, ob auch sie ihr Arbeitspensum bereits erfüllt hätten und dem Prinzen wiederum ein "Joooo" entgegenhallte, schrillte es laut aus der Hoppeditz-Ecke: "Liena, Liena, Liena!", also "Lügner, Lügner, Lügner!" Wieder tobte Saal. Was aber beweist diese kleine Geschichte? Die Menschen besaßen vor 25 Jahren, trotz Krisenstimmung wegen der Schließung des Eisenwerkes viel Humor und Fantasie. Dazu noch ein kleiner Nachtrag zum Beweis. In der CDU-Generalversammlung in Neunkirchen sollte Inge Steffes zur Delegierten gewählt werden, worauf ihr Ehemann Dieter lautstark protestierte und erklärte: "Nä, Nä, die geht awwei med mir hemm!" Und dann wäre da noch die Bemerkung des Furpacher Schiedsrichters und Hasenzüchters Karl Morgenstern während eines Fußballspiels der Borussia-Traditionsmannschaft. Als der Fußballstar und Filigranspieler Ludwig Glück den Schiedsrichter mit stetigem Meckern nervte, fuhr ihn Karl Morgenstern an: "Mit zeh Hase hann ich in ra Ausstellung wenischa Ärja wie med dir allän uffem Schbordplatz."

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