1. Saarland

Gruppentouren mit dem Uhu Anton

Gruppentouren mit dem Uhu Anton

Immer mehr Familien und Firmen fragten bei der Saarpfalz-Touristik nach Vorschlägen für eine gemeinsame Erlebnis-Tour. Nun hat der Kreis nachgelegt und eine erstaunliche Vielfalt an Vorschlägen aus dem Hut gezaubert.

Uhu Anton frisst keine Lyoner. Obwohl er ein saarländischer Uhu ist und noch dazu von einem Saarländer aufgepäppelt und dressiert worden ist. "Anton kriegt nur Frischfleisch", sagt sein Halter Martin Hirsch und streicht dem Uhu ganz leicht über die steil aufgerichteten Federohren.

Sofort legt Anton die Federn an und glubscht friedlich mit kreisrunden gelben Augen in den Saal. Eigentlich ging es gestern im Karlsberger Hof in Sanddorf um die Vorstellung der neuen Gruppenangebote der Saarpfalz-Touristik, zu der Landrat Theophil Gallo und Wolfgang Henn eingeladen hatten. Aber was sind schon Angebote in einer Broschüre gegen einen lebendigen Eulenvogel? Dennoch war es eine gewünschte Ablenkung, "um auch mal die Faszination des Biosphärenreservates hautnah zu spüren", wie Landrat Gallo betonte.

Der Grund, dass nun erstmals eine separate Broschüre für Gruppen herausgegeben wurde, sei der großen Nachfrage geschuldet, erläuterte Wolfgang Henn von der Saarpfalz-Touristik: "Immer mehr Firmen haben die Biosphärenlandschaft als gemeinsames Ausflugsziel entdeckt."

Da organisiert ein Handwerksbetrieb schon mal eine kulinarische Stadtführung für seine Mitarbeiter, eine Familie lädt zum Kindergeburtstag ins Römermuseum ein oder eine Diätgruppe fragt nach veganem Imbiss. "Wir haben diesen Anfragen Rechnung getragen und heraus kam diese Gruppenbroschüre", so Henn, "man kann die Angebote als Bausteine benutzen und selbst etwas zusammenstellen, von einem halben Tag bis zu einer Woche."

Ohne die engagierten und sachkundigen Natur- und Landschaftsführer wäre dies nicht möglich, lobte der Landrat: "Sie sind wichtige Ratgeber und Begleiter." So hat jeder der Natur-und Landschaftführer seinen Schwerpunkt, bei Christoph Heck sind es die Vögel, bei Siegfried Heß die Kulturgeschichte, bei Elisabeth Pintarelli der Wunsch, auch gehörlose Gäste durch die Landschaft zu führen, deshalb hat sie die Gebärdensprache erlernt.

Viele Saarpfälzer geben ihre Kenntnisse gerne weiter, zum Beispiel die Kunsthistorikerin Jutta Schwan, die sich eine barocke Zeitreise für Kinder ausgedacht hat - ausgehend von der Frage: "Wie toll ist es überhaupt, Prinzessin zu sein?" Oder Metzgermeister Thomas Petermann, der einen Wurst-Workshop anbietet. Man kann in der Gruppe wandern und gut essen, Öl verkosten und mit dem Nachtwächter auf Tour gehen. Damit die Besucher wiederkommen, wechseln die Führer natürlich ihr Repertoire. Wer mit der Kammerzofe Henrietta durch Blieskastel spaziert, erfährt neuerdings, wie man in der Barockzeit seine Widersacher mit Gift aus dem Weg räumte, "das war damals sehr beliebt", so Henn. Für diese Führung hat sich die Kammerzofe an der Pathologie des Uniklinikums schlau gemacht.

So greift ein Rädchen ins andere, um eine kleine, naturnahe Tourismusregion so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Wer Uhu Anton erleben möchte, kann ihn auf dem Arm von Falkner Martin Hirsch auch für einen Kindergeburtstag buchen. Wer einmal vom durchdringenden Blick des Uhus getroffen wurde, wird diesen seltsamen Vogel nie vergessen.

 Martin Hirsch hat Anton gefunden. Der männliche Uhu hätte in freier Wildbahn nicht überlebt. Jetzt sind die beiden Freunde fürs Leben. Fotos: Maack
Martin Hirsch hat Anton gefunden. Der männliche Uhu hätte in freier Wildbahn nicht überlebt. Jetzt sind die beiden Freunde fürs Leben. Fotos: Maack

Die neue Broschüre mit über 42 Touren gibt es bei der Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4 in Blieskastel und im Landratsamt in Homburg, Tel. (0 68 41) 104- 71 74.