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Grüner Kreis guckt in die Röhre"DVB-T hat keine Zukunft"

Grüner Kreis guckt in die Röhre"DVB-T hat keine Zukunft"

Merzig. Der Saarländische Rundfunk (SR) wird im Landkreis Merzig-Wadern vorerst keinen zusätzlichen Sender für das terrestrische digitale Antennenfernsehen DVB-T errichten. Das geht aus einem Schreiben des Intendanten des SR, Fritz Raff, an die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich hervor, das der Saarbrücker Zeitung vorliegt

Merzig. Der Saarländische Rundfunk (SR) wird im Landkreis Merzig-Wadern vorerst keinen zusätzlichen Sender für das terrestrische digitale Antennenfernsehen DVB-T errichten. Das geht aus einem Schreiben des Intendanten des SR, Fritz Raff, an die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich hervor, das der Saarbrücker Zeitung vorliegt. Die Kreisverwaltungschefin hatte sich mit einem Brief an den Intendanten gewandt, nachdem sich in den vergangenen Wochen vermehrt Bürger aus dem Grünen Kreis beschwert hatten, dass trotz erfolgter technischer Umrüstung durch Fachbetriebe kein DVB-T-Empfang möglich ist. "Auch die Bürger des Landkreies Merzig-Wadern zählen zu den Gebührenzahlern für öffentlich-rechtliches Fernsehen", schrieb Schlegel-Friedrich. "Insofern ist ein dauerhafter Ausschluss unserer Region von den Möglichkeiten der modernen Technik nicht hinnehmbar."In der Tat können nach SR-Angaben rund 13000 Fernsehhaushalte im Grünen Kreis kein DVB-T-Fernsehen empfangen, das sind 2,5 Prozent aller saarländischen Fernsehhaushalte. Damit gibt es im Kreis Merzig-Wadern landesweit die größten Lücken bei der DVB-T-Versorgung. Vor allem in Merzig und in einigen Ortsteilen der Gemeinden Mettlach und Perl sind viele Haushalte unversorgt. Ihnen bleibt nur die Umrüstung auf digitalen Satellitenempfang oder auf den Empfang über Kabelanschluss. Abhilfe würden nach Aussagen von SR-Technikern nur zwei DVB-T-Sender im Raum Merzig und Perl schaffen, der Aufwand wird derzeit vom SR ermittelt. In seinem Schreiben verweist Intendant Raff auf die dadurch entstehenden Kosten, die für den SR ein Problem darstellen. "Einen späteren Ausbau der DVB-T-Versorgung im Landkreis Merzig-Wadern möchte ich nicht ausschließen", so Raff. Konkrete Pläne, die verbleibenden Versorgungslücken zu schließen, gebe es derzeit allerdings noch nicht. Im Saarland gibt es derzeit drei Sendestandorte: Göttelborner Höhe, Saarbrücken Schoksberg und Spiesen. Der neue Sender auf der Spieser Höhe wurde erst am 8. Februar in Betrieb genommen und verbessert nun den Empfang im östlichen Saarland.Im Rahmen einer Programminitiative "SR vor Ort - unser Saarland im Dritten" informiert der SR über die Empfangbarkeit der Programme. In Perl ist der SR am Donnerstag, 29. Mai, von 12 bis 21 Uhr.Merzig. Die Elektro-Fachgeschäfte im Grünen Kreis haben mit der Umstellung auf DVB-T-Empfang unterschiedliche Erfahrungen gemacht. "Die Antennentechnik ist eine tolle Sache, vor allem in höher gelegenen Orten kann man mit DVB-T 15 Programme tadelos empfangen", sagt Edgar Kuhn, Werkstattsleiter beim Fachmarkt Funk in Besseringen. "Doch einige Orte wurden einfach vergessen." Da die Umstellung nur sehr kurzfristig vom SR angekündigt worden war, mussten einige Menschen über einen Monat ohne Fernseher auskommen. Alls andere als begeistert vom digitalen Antennenfernsehen ist Elektrohändler Jürgen Haupenthal aus Reimsbach. "DVB-T hat keine Zukunft", sagt er und verweist auf das Preis-Leistungsverhältnis. Preislich sei Fernsehen per Satelliten-Schüssel "wesentlich günstiger" und die Zuschauer würden über 60 Programme empfangen. Auch Jörg Kurzhals, Inhaber von Kurzhals TV, ist überzeugt: "Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht bei DVB-T." baliMeinung

Der Kreis der Ahnungslosen?

Von SZ-RedakteurChristian Beckinger In der DDR erlangte das "Tal der Ahnungslosen", die Gegend um Dresden, traurige Berühmtheit. Das lag so weit von der deutsch-deutschen Grenze entfernt, dass es deren Bewohnern als einzigen im Lande nicht möglich war, West-Fernsehen zu empfangen. Ähnlich darf sich mancher in unserem Kreis fühlen, seit die TV-Ausstrahlung über Hausantenne von analog auf digital umgestellt worden ist. 13000 Haushalte im Kreis (gut ein Viertel seiner Bewohner!) können das digitale Fernsehen DVB-T nicht empfangen. Warum aber sollten die Menschen hier beim TV-Empfang schlechter gestellt sind als im Rest des Landes? Sie bezahlen so hohe Rundfunkgebühren wie alle, haben ein Anrecht auf gleich guten Empfang. Der Verweis auf Alternativen zieht nicht: Es soll noch Leute geben, die sich keine Satellitenschüssel aufs Dach stellen wollen (oder können) oder sich Kabelanschluss nicht leisten mögen. Wer von ihnen in einer DVB-T-freien Zone lebt, guckt in die Röhre. Manchmal hört das Saarland doch noch in Dillingen auf.