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Grün oder Gillo - wer packt's?"Umbenennung hat Distanz zu Wählern erhöht"

Grün oder Gillo - wer packt's?"Umbenennung hat Distanz zu Wählern erhöht"

Regionalverband. Noch zwei Tage bis zur Entscheidung: Bis dahin geben Peter Gillo (SPD) und Rainer Grün (CDU) alles, um am Sonntag die Stichwahl um das Amt des Regionalverbandsdirektors zu gewinnen. Im ersten Wahlgang lag Gillo mit 35,8 Prozent der Stimmen vorn. Aber Grün, der 31,5 Prozent der Stimmen erhielt, rechnet sich noch Siegchancen aus: "Ich bin in Schlagweite

Regionalverband. Noch zwei Tage bis zur Entscheidung: Bis dahin geben Peter Gillo (SPD) und Rainer Grün (CDU) alles, um am Sonntag die Stichwahl um das Amt des Regionalverbandsdirektors zu gewinnen. Im ersten Wahlgang lag Gillo mit 35,8 Prozent der Stimmen vorn. Aber Grün, der 31,5 Prozent der Stimmen erhielt, rechnet sich noch Siegchancen aus: "Ich bin in Schlagweite."

Es dürfte wirklich nochmal spannend werden. Denn die FDP hat eine Wahlempfehlung für Grün ausgesprochen, Linke und Grüne verhalten sich neutral. Es werde darauf ankommen, wer mehr Wähler mobilisieren kann, meint Grün. Im Gespräch mit der SZ werben denn auch gleich beide um die Grünen-Wähler. Grün sagt, er habe schon 1981 eine Ortsgruppe des Naturschutzbundes gegründet. Gillo wird noch deutlicher: "Ich will bei den Gebäuden des Regionalverbandes 30 Prozent der Energiekosten einsparen." Er werde sich als Verwaltungschef für den Einsatz von erneuerbaren Energien einsetzen.

Großes Thema Bildung

Im Wahlkampf hat die Bildungspolitik die Diskussion bestimmt. Gillo will in jedem Jahr eine "echte" Ganztagsschule mit Unterricht bis in den Nachmittag einrichten. "Es gibt so viele Eltern, die das wollen." Der SPD-Kandidat weiß aber, dass das ohne die Landesregierung nicht geht. Gillo: "Wir können aber Druck auf das Land ausüben." Rainer Grün will erstmal prüfen, ob der Bedarf groß ist. Er weist darauf hin, dass es bereits jetzt freiwillige Ganztagsschulen gebe, an denen auch nachmittags teilweise unterrichtet werde. Grün: "Ich werde den Elternwillen berücksichtigen." Er glaubt, dass im Umland von Saarbrücken die Nachfrage nach Ganztagsschulen nicht so groß sei wie in der Stadt.

Bei der Wirtschaftsförderung sind die Unterschiede zwischen Gillo und Grün größer. Grün will die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure wie Stadt, Land, Kammern und Regionalverband verbessern. Vor allem mit der Stadt wolle er eine "schlagkräftige Wirtschaftsförderung" aufbauen. Gillo stellt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Er werde gemeinsam mit den Kommunen auf französischer Seite eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft gründen. Die soll die Gewerbeflächen in der Region vermarkten und gemeinsame Messeauftritte organisieren. Treten Sie auch bei einer Wahlbeteiligung von 20 Prozent wie bei der Direktwahl 2006 als Regionalverbandsdirektor an?

Grün: Auf jeden Fall. Es sollen nicht diejenigen bestraft werden, die am Sonntag zur Stichwahl gehen.

Gillo: Ja. Jeder hat die Möglichkeit, zur Wahl zu gehen. Das ist auch dann eine demokratische Entscheidung. Aber ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung. Dann wäre auch die Legitimation größer.

Wäre die Akzeptanz bei den Wählern größer, wenn man den Regionalverband in Landkreis Saarbrücken umbenennt?

Grün: Ja, um das Gebilde Regionalverband den Bürgern näherzubringen, wäre der Begriff "Landkreis" bürgernäher und verständlicher. Das habe ich immer wieder an den Wahlkampf-Infoständen festgestellt.

Gillo: Es war falsch, dass das Land den Stadtverband in Regionalverband umbenannt hat. Regionalverbandsdirektor ist ein richtiges Wortungetüm. Das hat für eine große Distanz zu den Wählern gesorgt und war außerdem sehr teuer. Aber Landkreis passt auch nicht zu einem Ballungsgebiet.

Wie geht's mit Ihnen weiter, wenn Sie verlieren?

Grün: Dann bleibe ich erstmal Staatssekretär im Umweltministerium.

Gillo: Dann kämpfe ich für meinen Listenplatz im Landtag und eine andere Landesregierung. Aber ich will lieber direkt etwas als Regionalverbandsdirektor bewegen.

Hintergrund

Die Wahlbeteiligung beim ersten Urnengang am 7. Juni lag bei 50,5 Prozent. Der Regionalverbandsdirektor wurde gemeinsam mit der Kommunal- und Europawahl gewählt. Diesmal geht es aber "nur" um den Chefposten im Saarbrücker Schloss. Deshalb wird damit gerechnet, dass weniger Bürger an die Urnen gehen. Der Regionalverband ist für 75 weiterführende Schulen und das Jugendamt zuständig. Er organisiert die Kulturreihe "Sonntags ans Schloss" und kümmert sich mit der Agentur für Arbeit um die Hartz-IV-Empfänger. sm