1. Saarland

Großteil der Einzelverfahren im LSVS-Finanzskandal ist abgeschlossen

Oberstaatsanwalt zieht Fazit : Großteil der Verfahren im LSVS-Skandal ist abgeschlossen

Aufgrund der Ermittlungen wurden Geldstrafen, Geldauflagen und Bußgelder in Höhe von insgesamt 706 000 Euro verhängt. Fall um Tischtennis-Profi ungeklärt.

Gibt es auf Führungsebene keine Grundsätze für regelgerechtes und ethisch korrektes Verhalten und stinkt der Fisch vom Kopf her, wird ein gesamtes Unternehmen infiziert. So lautete eines der Zwischenfazite, die der ermittelnde Oberstaatsanwalt Eckhard Uthe am Mittwochmorgen in dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss über den Landessportverband für das Saarland (LSVS) zog. Der Ausschuss zum „System der Sportförderung im Saarland“ hatte den Oberstaatsanwalt für eine strafrechtliche Bilanz zu dem Finanzskandal beim Landessportverband als Zeugen in den Landtag geladen. Nach seiner Aussage wurden aufgrund der Ermittlungen im LSVS-Skandal insgesamt 706 000 Euro an Geldstrafen, Geldauflagen und Bußgeldern verhängt.

Der Großteil der mehr als 20 Einzelverfahren wegen Haushaltsuntreue ist in der Zwischenzeit entweder mit einem Urteil abgeschlossen oder gegen Zahlung eingestellt worden. Die ehemaligen LSVS-Präsidiumsmitglieder und Ex-Hauptgeschäftsführer Paul Hans hatten innerhalb einer Frist von sechs Monaten jeweils Geldauflagen zwischen 15 000 und 100 000 Euro zu zahlen. Davon haben, nach Angaben des Oberstaatsanwalts, alle bisher wenigstens die erste von zwei Raten gezahlt.

Einige andere Einzelverfahren befinden sich derzeit aber noch in der Schwebe. Dazu gehören Ermittlungen wegen eines möglicherweise verbilligten Immobiliengeschäftes, bei dem der LSVS einer privaten Sporthochschule im Jahr 2016 zwei Häuser für 4,6 Millionen Euro verkauft habe. Allerdings soll der Verkehrswert laut eines Gutachtens bei sechs und sieben Millionen Euro liegen. Die langjährigen Verbindungen zwischen den beiden Organisationen würden, so fügte der Oberstaatsanwalt hinzu, insgesamt nicht transparent erscheinen.

Weiter ermittelt wird auch in Bezug auf Aufträge für Hardware und Lizenzen, die ein ehemaliger IT-Angestellter des LSVS seiner eigenen IT-Firma erteilt haben soll.

Ebenfalls noch offen ist das Einzelverfahren um Geldflüsse in Höhe von 300 000 Euro, die zwischen 2016 und 2018 vom LSVS an den 1. FC Saarbrücken Tischtennis gingen. Dabei richtet sich das Verfahren aber nicht gegen den LSVS. Stattdessen soll der Beschäftigungsstatus des Berufsspielers Patrick Franziska, entweder als Arbeitnehmer oder Selbstständiger, geklärt und damit der Frage einer eventuellen Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen nachgegangen werden.