1. Saarland

"Griechen haben Gelassenheit der Deutschen nicht"

"Griechen haben Gelassenheit der Deutschen nicht"

Neunkirchen. Zirka 40 Polizisten aus Griechenland sind derzeit zu Gast bei Kollegen aus Neunkirchen, genauer gesagt der Internationalen Police Association (IPA)-Verbindungsstelle Neunkirchen

Neunkirchen. Zirka 40 Polizisten aus Griechenland sind derzeit zu Gast bei Kollegen aus Neunkirchen, genauer gesagt der Internationalen Police Association (IPA)-Verbindungsstelle Neunkirchen. Der Besuch dient dem gegenseitigen und vor allem grenzüberschreitenden Kennenlernen, einem dienstlichen Erfahrungsaustausch und der Schaffung freundschaftlicher Beziehungen der Polizisten verschiedener Länder. Dabei wird das Saarland von seiner touristischen Seite präsentiert. Auch ein Besuch im Elsass steht an. Zudem werden die Griechen den Karneval in Köln erleben. Anlässlich eines internationalen Kongresses war Lazerus Andoniadis 2005 bereits in Saarbrücken. Damals hatte es ihm so gut gefallen, dass er nun für seine Kollegen diese Reise ins Saarland organisierte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Lazaridis stellt er fest, dass die deutsche Polizei besser organisiert ist als die der Griechen. "Hier ist die Ausrüstung besser, genauso die Autos und die Waffen", berichten die beiden Männer. Die Ausbildung sei in beiden Ländern relativ ähnlich. "Allerdings ist in der Ausbildung der deutschen Polizisten der praktische Anteil höher, was besser ist", sagt Michael Lazaridis. In Griechenland fehle dazu teilweise auch das Geld. Die Ausbildung dauere in Griechenland zweieinhalb Jahre. Sechs Monate davon entfallen in dieser Zeit laut der beiden Männer auf den praktischen Teil. "In der Zeit fahren wir aber beispielsweise nicht mit dem Polizeiauto raus", bemängelt Michael Lazaridis. Aber auch die Mentalität der Deutschen sei eine ganz andere, als die der Griechen, so die beiden griechischen Polizisten. "Die Griechen haben die Ruhe und die Gelassenheit der Deutschen nicht", sagt Lazerus Andoniadis.Fasziniert sind die griechischen Polizisten von der saarländischen Hundestaffel. "Es ist denkbar, dass vereinzelte griechische Kollegen hierher kommen, um sich einige Tage die Arbeit der Hundestaffel anzuschauen", sagt der saarländische Landesgruppenleiter der IPA, Bernhard Harings. Dafür sei im Gegenzug beispielsweise denkbar, dass deutsche Kollegen die Griechen besuchen, um diese bei deren Arbeit zu begleiten. "Somit würde Europa nicht nur auf dem Papier gelebt", sagt Harings.ywi Meinung

Vom Leben lernen

Von SZ-RedakteurinYvonne Wildschütz Europa wächst zusammen, die Systeme der verschiedenen Länder werden aneinander angepasst. Der griechische Polizist und der deutsche Polizist unterscheiden sich von daher gar nicht mal so sehr. Die Unterschiede, von denen die griechischen Polizisten berichten, beziehen sich mehr auf das Menschliche. Auf Umgangsformen, auf die Mentalität. Und genau da kommt solch ein Austausch, ein Treffen, ins Spiel, wie es gerade stattfindet: Indem die griechischen Polizisten bei uns zu Gast sind, kommen sie mit den deutschen Kollegen ins Gespräch. Können voneinander lernen, indem sie sich unterhalten, indem sie sehen, wie die anderen arbeiten. Das ist oft mehr wert, als wenn in Brüssel von der EU eine Entscheidung getroffen wird, die vielleicht das System der griechischen Polizei dem System der deutschen Polizei anpasst. Bei diesem Besuch der Griechen in Neunkirchen lernen Menschen von Menschen - sie profitieren von der Erfahrung der anderen. Über Landesgrenzen hinaus.