1. Saarland

Gnade zwischen Papp-Kartons

Gnade zwischen Papp-Kartons

Saarbrücken. Steht da etwa ein größerer Umzug bevor? Die Bühne in St. Mauritius ist mit braunen Kartons vollgepackt. Auf den zweiten Blick sind aus Pappkästen errichtete Säulen und Mauern zu erkennen, kurzum eine komplette Kulisse. Gesangsstudenten der Hochschule für Musik Saar, die St. Mauritius als Studio nutzt, proben hier Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "La clemenza di Tito"

Saarbrücken. Steht da etwa ein größerer Umzug bevor? Die Bühne in St. Mauritius ist mit braunen Kartons vollgepackt. Auf den zweiten Blick sind aus Pappkästen errichtete Säulen und Mauern zu erkennen, kurzum eine komplette Kulisse. Gesangsstudenten der Hochschule für Musik Saar, die St. Mauritius als Studio nutzt, proben hier Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "La clemenza di Tito". Premiere ist am Samstag, 10. Oktober, um 19 Uhr. Eine Papplandschaft als Bühnenbild? Das hat durchaus etwas und kann in beleuchtetem Zustand (Bühnenbild und Licht: Philipp Neumann, Maik Helfrich) eigenen Charme entwickeln. Ungewöhnlich ist es allemal. Und vor allem: Das Ambiente bietet allerlei Aktionsmöglichkeiten. Denn in "Titus" ist ganz schön was los. Nicht nur, dass sich die überwiegend weiblichen Darsteller schon mal handfest in die Wolle kriegen dürfen. Da wird auch unsanft gegen Kartons gekickt, dass sie durch die Luft fliegen. Spektakulär stürzen Türme ein, und ein unschuldiges Pappkästlein wird gar im Furor mit einem Dolch durchlöchert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war "Die Milde des Titus" (uraufgeführt 1791 in Prag) Mozarts wohl beliebteste Oper. Er hatte sie in großer Eile zur Krönung von Joseph II. geschrieben und schätzte sie. Dem als veraltet angesehenen Typus der höfischen Opera seria zugerechnet, kam sie später jedoch während der Romantik aus der Mode und wird erst seit einigen Jahrzehnten wieder häufiger aufgeführt. Yaron Windmüller führt mit Ute Münz Regie und fand in seiner Gesangsklasse nicht nur geeignete Studentinnen und Studenten für die recht überschaubare Besetzung, sondern kann die Rollen doppelt belegen. Die Sänger wechseln sich von Aufführung zu Aufführung ab.Milde, Großmut und Vernunft siegen über Rache und berstende Emotionen - diese im Libretto von Pietro Metastasio (für Mozart überarbeitet von Caterino Mazzolà) dem römischen Herrscher Titus angedichteten Tugenden bleiben ein ewig junges Thema. "Wir zeigen das hier auf eine besondere Art und Weise", erläutert Windmüller, "indem Titus nach dem Attentat genau weiß, was er vorhat - aus seiner Sicht muss die Clemenza verdient werden." Der "Versuch, Musiktheater auf eine neue Art zu machen", offenbart sich auch schon früher: In der HfM-Version wurden die Secco-Rezitative (wahrscheinlich aus der Feder des Mozart-Schülers Franz Xaver Süßmayr) in Dialoge verwandelt. Als weiteres Bonbon gibt's viel Schlagwerk zwecks Steigerung der Dramatik: Manuel Geier lässt große Trommeln bedrohlich im Hintergrund rumoren. Und da auch in "Titus" die Melodien auf Mozart-gemäßem Hochniveau dahinschweben, kann Windmüller getrost ein spannendes "theatralisch-musikalisches Erlebnis" versprechen. Es spielt das HfM-Sinfonieorchester, die musikalische Leitung hat Martin Straubel. uhrTermine: Sa, 10., So, 11., Di, 13., Do, 15. Oktober, jeweils 19 Uhr, Opernstudio St. Mauritius, Moltkestraße 33.