1. Saarland

Glocken von St. Eligius schweigen

Glocken von St. Eligius schweigen

Am Samstag ist ein Blitz in den Kirchturm von St. Eligius eingeschlagen; Uhr und Geläut sind seither außer Funktion. Jetzt sind Technik-Experten gefragt. Wahrscheinlich muss die Funkuhr ausgetauscht werden.

Völklingen. Seltsam still ist es in der Innenstadt rund um die Pfarrkirche St. Eligius. Gewöhnlich schlägt die Turmuhr alle Viertelstunde - einmal um Viertel nach, zweimal zur halben Stunde, dreimal um Dreiviertel. Und zur vollen Stunde schlägt sie viermal und gibt zusätzlich die jeweilige Uhrzeit an. Um zwölf Uhr etwa hören die Bürger unten auf der Straße 16 Schläge. Es gibt Menschen, denen das "Gebimmel" den ganzen Tag über zu viel ist. Andere mögen die "gehörte" Uhrzeit. Nun also Stille. Auch die Zeiger auf den drei Zifferblättern des Kirchturms rücken nicht mehr voran. Sie sind auf 2.28 Uhr eingefroren.Das Rätsel löst Frank Fischer auf. Der Journalist wohnt in der Rathausstraße im fünften Stock, gegenüber von St. Eligius. "Wenn ich an meinem Schreibtisch arbeite, schaue ich auf Zifferblatt und Glocken", beschreibt der 42-Jährige. Auch am Samstagnachmittag saß er dort. Ein Unwetter zog auf, der Himmel schwarz. Und er wurde Augenzeuge, wie ein Blitz in den Turm einschlug. "Ein höllischer Knall, gleißendes Licht", so beschreibt Fischer den dramatischen Moment. "Geschlagene 20 Minuten läutete es durch, dann zeigten die Glocken akustisch 27 Uhr an - seither Stille." Eine Trauung habe just zu diesem Moment stattgefunden, berichtet Fischer noch.

"Wahrscheinlich hat eine beim Blitzeinschlag entstandene Überspannung die Funkuhr zerstört", sagte Günter Reichhart, Mitglied des Verwaltungsrates von St. Eligius, auf SZ-Nachfrage. "Dann fingen alle Glocken am Samstagnachmittag an zu läuten, obwohl sie nicht eingeschaltet waren. Alle Sicherungen waren rausgeflogen." Der Küsterin Petra Ettelbrück sei es letztendlich gelungen, das Geläute zum Schweigen zu bringen.

Besonders bitter für die Pfarrgemeinde: Gerade vor zwei Monaten wurden sechs neue Läutemaschinen plus drei Schlagwerke installiert, auch sämtliche dazu gehörigen Elektroinstallationen wurden erneuert. "Etwa 20 000 Euro hat die Investition gekostet", schätzt Reichhart. Wenn alles glimpflich abgehe, müsse nur die Funkuhr ersetzt werden. Die Kosten lägen bei 2000 Euro und würden wohl von der Versicherung übernommen. Um zu prüfen, ob das Läutwerk ebenfalls Schaden genommen hat, stieg er am Montag in den Glockenturm, "zum Testläuten". Und so wehten um 15.40 Uhr ganz außerhalb aller offiziellen Schlagzeiten vereinzelte Glockentöne von St. Eligius herüber. Der Hauptschalter für die Läutwerke liege zwar in der Sakristei, erklärt Reichhart, "aber mit Hilfe von sechs kleinen Hebelschaltern - für jede Glocke einer - kann man auch hier oben das Läutwerk überprüfen."

Gestern hat eine Firma die Computer im Pfarrbüro kontrolliert und festgestellt, dass Teile des Serfers kaputt sind. Mit Spannung erwartet Reichhart nun den heutigen Besuch der Glockensachverständigen Birgit Müller. Sie soll die neuen Läutemaschinen überprüfen.Foto: Uli Barbian

"Alle Glocken fingen an zu läuten, obwohl sie nicht eingeschaltet waren."

Günter Reichart

Hintergrund

Ein Testläuten bewies: Die Glocken sind intakt. Foto: Gothier

So funktioniert die Uhr von St. Eligius: Eine Funkuhr steuert die Turmuhr und deren drei Zifferblätter (an drei Seiten des Kirchturms), die je einen Motor haben. Alle Minute rücken auf jedem Zifferblatt die Zeiger vor. Die Funkuhr wiederum erhält ihre Impulse von einem Zeitzeichensender, der bei Frankfurt am Main steht. af