1. Saarland

Gift hilft gegen schwere Gebrechen

Gift hilft gegen schwere Gebrechen

Sulzbach. Udo Fell (52) aus Bexbach ist glücklich. Diese Woche stellte er sich der Presse im Sulzbacher Knappschaftskrankenhaus quasi als neuer Mensch vor. Udo Fell litt, wie er der SZ erzählte, an einem seltenen, aber schwerwiegenden Gebrechen: Er hatte eine ständige Blockade beim Ausatmen

Sulzbach. Udo Fell (52) aus Bexbach ist glücklich. Diese Woche stellte er sich der Presse im Sulzbacher Knappschaftskrankenhaus quasi als neuer Mensch vor. Udo Fell litt, wie er der SZ erzählte, an einem seltenen, aber schwerwiegenden Gebrechen: Er hatte eine ständige Blockade beim Ausatmen. Das ging soweit, dass er nicht mehr richtig schlafen konnte - drei Jahre lang - und fast wahnsinnig wurde. Schließlich machte ihn ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf eine geeignete Behandlungsmethode in Sulzbach aufmerksam. Und dann kam Botulinumtoxin (Botox) - das stärkste bekannte Bakteriengift. Dieses Gift kann nämlich nicht nur Falten glattbügeln, sondern auch medizinische Wunder vollbringen. Botox ist die Spezialität von Dr. Michael Gawlitza, Chefarzt der Klinik für Neurologie in der Knappschaftsklinik. Damit kann er Bewegungsstörungen wie etwa Blinzelkrampf, halbseitigen Gesichtskrampf, Schiefhals oder Spastiken beheben. Patienten mit solchen Gebrechen konnte man früher nicht helfen. Die Sulzbacher Klinik für Neurologie ist laut Gawlitza eine der wenigen Einrichtungen, die auch eine spasmodische Dysphonie, eine Störung der Stimme, beheben können - durch Injektion einer winzigen Menge des besagten Giftes in die Kehlkopfmuskeln. Unter spasmodischer Dysphonie versteht man einen unwillkürlichen Krampf, der dazu führt, dass ein Mensch nur noch rau, gepresst, mit großer Anstrengung und mit Stimmabbruch sprechen kann. Schuld ist eine Überaktivität des Stimmritzenmuskels (musculus vocalis). Mit Botox lässt sich dies behandeln, ebenso wie das Gebrechen von Udo Fell. Nach Angaben von Chefarzt Gawlitza nimmt seine Klinik in der Therapie mit Botox eine bundesweit herausragende Position ein. Der Bexbacher Patient ist nun für einige Monate beschwerdefrei. Nach etwa einem halben Jahr lässt die Wirkung nach, und es folgt eine weitere Gift-Injektion. Die ambulante Prozedur dauert wenige Minuten. Und: Obwohl Botulinumtoxin extrem giftig sei, sei die Behandlung völlig unbedenklich. Im Übrigen würden die Krankenkassen für die Behandlung aufkommen.