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Finanzämter
Den Finanzämtern laufen die jungen Beamten weg

Die Steuergewerkschaft fordert, den Beruf des Finanzbeamten deutlich attraktiver zu machen.
Die Steuergewerkschaft fordert, den Beruf des Finanzbeamten deutlich attraktiver zu machen. FOTO: dpa / Oliver Berg
Saarbrücken. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Beim Sparen will das saarländische Finanzministerium offenkundig mit gutem Beispiel vorangehen. Vom 2012 beschlossenen Stellenabbau-Ziel (136,5 der 1195 Stellen bis 2022) sind 85 Prozent schon erreicht. So weit fortgeschritten ist beim Stellenabbau noch keine andere Behörde im Land. Allerdings zahlen die sieben Finanzämter mit ihren drei Außenstellen dafür nach Ansicht der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) einen zu hohen Preis. „Wir sind am Limit“, sagt die DStG-Landesvorsitzende Julia von Oetinger-Witte der SZ. Der Stellenabbau müsse endlich aufhören.


Was die Situation aus Sicht der Gewerkschaft verschärft: Die Finanzämter verlören Personal nicht nur durch Ruhestandversetzungen, sondern auch, weil immer mehr junge Kollegen in die freie Wirtschaft oder zu Ministerien und Landesämtern wechselten. In gut zweieinhalb Jahren seien es 70 junge Bedienstete gewesen, das entspreche etwa der Größe des Finanzamts Homburg. „Wir sind für jeden Anwärter/in froh, der/die uns nicht vorzeitig wieder verlässt“, sagte Julia von Oetinger-Witte. Es müsse mehr ausgebildet werden, doch die Bewerberzahlen seien bereits vor über zehn Jahren stark eingebrochen.

Die Steuergewerkschaft fordert daher, den Beruf des Finanzbeamten deutlich attraktiver zu machen, etwa indem die Eingangsbesoldung im gehobenen Dienst auf A10 und im mittleren Dienst auf A7 angehoben wird. Die DStG fordert zudem, die Zentralisierung der Steuerverwaltung („Finanzamt 2020“), unverzüglich zu stoppen. Hierbei werden Aufgaben der Steuerverwaltung an bestimmten Standorten gebündelt, so dass nicht mehr jedes Amt alle Aufgaben macht. Laut DStG sind von dem Projekt bislang 70 Prozent umgesetzt, es werde von den Mitarbeitern aber nicht angenommen. Auch für Steuerzahler sei es komplizierter geworden. „Selbst Steuerberater haben schon mal Schwierigkeiten, das richtige Finanzamt für ihre Rückfrage herauszufinden“, sagte Julia von Oetinger-Witte.