1. Saarland

Gewappnet gegen die Eiseskälte

Gewappnet gegen die Eiseskälte

Saarbrücken. Bis zu minus 20 Grad soll es diese Woche in einigen Teilen des Saarlandes werden

Saarbrücken. Bis zu minus 20 Grad soll es diese Woche in einigen Teilen des Saarlandes werden. Damit es in etwa 20 000 Haushalten, die an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen sind, trotz der klirrenden Kälte in Saarbrücken nicht kalt wird, hat die Frühschicht im Heizkraftwerk Römerbrücke, das seit 2001 von Electrabel betrieben wird, am Montag zusätzlich die Kohle-Kesselanlagen angeworfen.

"Uns ist nicht bange, wir sind für die Kältewelle gerüstet", sagt Kraftwerksdirektor Joachim Morsch: "Wir fahren in dieser Woche Spitzenlast", berichtet er. Dann gehe die unter bis zu 20 bar Druck stehende Fernwärme mit bis zu 130 Grad Celsius in die Leitungen. "Das haben wir schon oft geschafft", sagt Morsch. Meistens reiche die riesige Gasturbine, um die Stadt zu beheizen.

Morschs Vergleich mit einem Jet-Triebwerk hinkt dabei keineswegs, denn die Turbine, die täglich bis zu 26 000 Kubikmeter Erdgas verbrennt, ist tatsächlich ein abgeändertes Strahltriebwerk, das in ähnlicher Form auch einen Airbus abheben lassen könnte, informiert der Experte überdies.

Statt eines Flugzeuges treibt die Gasturbine aber über eine Welle einen Stromgenerator an, der Energie in das Stromnetz der Saarbrücker Stadtwerke einspeist. Was für wohlig warme Wohnstuben sorgt, sei eigentlich nur Abfallprodukt der Stromerzeugung. Das entstandene Abgas werde zur Dampferzeugung genutzt, dieser Dampf treibe eine Dampfturbine an. Diese erzeuge auch wieder Strom. Gleichzeitig werde Niederdampfdruck aus der Dampfturbine entnommen, um Fernwärme für Saarbrücker Haushalte zu erzeugen. Fachleute sprechen bei diesem Verfahren von einem Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD), das mit einem Wirkungsgrad von bis zu 60 Prozent zu den effizientesten konventionellen Kraftwerken zählt, wie Morsch stolz sagt.

Für eine der beiden Dampfturbinen wird der aktuelle Kälte-Einbruch noch einmal richtig viel Arbeit bedeuten. Die gute alte "Spitu", die 1966 von Siemens gebaut wurde und die ihren Dienst als Herz der Fernwärmeanlage stets treu erfüllt hat, wird im April in den dann verdienten Ruhestand gehen.

Morsch: "Electrabel investiert im Jahr 2009 drei Millionen Euro, im April wird die alte Dampfturbine durch eine neue ersetzt." Das Ganze werde etwa anderthalb Jahre dauern und komme einer Herztransplantation gleich.

Neben der Gasturbine hat das Heizkraftwerk Römerbrücke sechs Kesselanlagen, die mit Gas, Kohle oder Öl befeuert werden können. Somit verfügt der Riesenofen Saarbrückens über einen "hohen Besicherungsgrad, wie Morsch betont. Stolz berichtet er: "In den 44 Jahren, seit das Kraftwerk besteht, hat es noch keinen Ausfall gegeben."

Für die kommenden Hochlastwochen zeigen sich Anlage und Mitarbeiter gerüstet. Morsch: "Die Bunker sind voll". 3000 Tonnen Kohle, aufbereitete saarländische Haldenkohle, gemischt mit Importkohle: Allein das reiche für gut eine Woche. Auch die Öltanks seien voll. "Öl setzen wir aber so gut wie nie ein, das ist sogar zu den derzeitigen Preisen zu unwirtschaftlich", sagt Morsch.

Ein Heizkraftwerk, das zigtausend Haushalte mit Fernwärme versorgt, sei nicht zuletzt gut für die Umwelt, ergänzt Morsch. "Wir verbrennen umweltfreundlicher und effektiver als einzelne Haushalte." So trage das Heizkraftwerk Römerbrücke zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes in Saarbrücken bei.

"Im April wird die

alte Dampfturbine

durch eine neue ersetzt."

Joachim Morsch, Kraftwerksdirektor

Auf einen Blick

55 Mitarbeiter sorgen übers Jahr dafür, dass die Menschen in den angeschlossenen Haushalten nicht frieren. Die Hälfte arbeitet im Schichtbetrieb. Ein Schichtleiter - wie Klaus Ahr - und drei bis fünf Leitwerksmitarbeiter bilden ein Team. Die Teams werden in Früh-, Mittag- und Nachtschicht eingesetzt, ein Team hat Bereitschaft, das fünfte hat jeweils frei. 20 Mitarbeiter kümmern sich um die Instandhaltung des Werkes, drei erledigen die kaufmännischen Tätigkeiten.

 Das Heizkraftwerk Römerbrücke versorgt viele Saarbrücker mit Fernwärme und Strom. Fotos: Becker & Bredel
Das Heizkraftwerk Römerbrücke versorgt viele Saarbrücker mit Fernwärme und Strom. Fotos: Becker & Bredel
 Schichtführer Klaus Ahr im Maschinenhaus
Schichtführer Klaus Ahr im Maschinenhaus
 Klaus Fritz fuhr am Wochenende den Leitstand.
Klaus Fritz fuhr am Wochenende den Leitstand.

Die Arbeit im Leitwerk ist übrigens eine saubere Sache. Die Mitarbeiter überwachen die Wärmeerzeugung an Computermonitoren, die wichtigsten Daten und Tabellen werden von Beamern riesengroß an die Wand projiziert. Die wichtigsten Daten sind auf dem mittleren Bild zu finden. Darin stehen die Betriebsdaten der beiden Netze: des so genannten Bergenetzes, das den Eschberg und den Winterberg mit dem Heizkraftwerk verbindet, und des Städtenetzes, das die tief liegenden Stadtteile versorgt. Das Heizkraftwerk Römerbrücke wird vom Kraftwerk Fenne ergänzt. al