GEW Fachtagung in Völklingen

Kinderbetreuung : Kita-Erzieherinnen klagen: „Wir sind am Limit“

GEW: Im Saarland fehlen mindestens 1500 Kita-Fachkräfte

In den rund 500 saarländischen Krippen und Kindertagesstätten (Kitas) fehlen nach Darstellung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) derzeit mindestens 1500 Erzieherinnen und Fachkräfte für eine bessere Betreuung und Bildung der Kleinen. Trotz des Gute-Kita-Gesetz des Bundes, dessen 65 Millionen Euro für das Saarland zu drei Vierteln in die Entlastung der Elternbeiträge bis 2022 fließen, gebe es noch viele Probleme, hieß es dazu am Samstag auf einer GEW-Fachtagung im Gemeinwesenprojekt BARIS in Völklingen. Viele der rund 100 anwesenden Kita-Erzieherinnen aller Altersgruppen stöhnten immer wieder unter dem kräftigen Applaus ihrer Kolleginnen: „Wir sind am Limit“.
Ob Schwangerschaftsurlaube, Überstunden, zu viel Bürokratie oder zu geringe Bezahlung und Attraktivität als Ausbildungsberuf: Der Personalmangel in vielen Kitas sei unverkennbar und laut GEW-Bundesvorstandsmitglied Björn Köhler (Frankfurt) im Saarland noch größer als im Bundesschnitt. Mit nur einer Fachkraft auf fast zehn Kinder sei man vom Ziel eine Kraft für maximal 7,5 Kinder noch weit entfernt, sagte er. Kita-Erzieherin Simone Leidinger, die nach neun Jahren Tätigkeit in Saarbrücken-Luisenthal in die Leitung der Arbeitsstelle für Integration gewechselt ist, beklagte: „Wir sind häufig mit 27 Kindern allein“. Dabei sollten doch Kitas nicht nur Aufbewahrungsanstalten und Betreuungseinrichtungen sein, meinte Linken-Bildungspolitikerin Barbara Spaniol.

„Es brennt personell überall in den Kitas. Springerkräfte sind heiß begehrt“, hieß es auf der Tagung. Lutz Deutrich, 75 Jahre alter erster Vorsitzender der Kinderkrippe Rappelkiste in Saarbrücken, beklagte: „Es liegt noch vieles im Argen. Es geht nicht nur darum, dass Eltern ein bisschen Geld sparen, wichtiger ist die Ausbildung. Von null bis drei Jahren lernen Kinder den Grundstoff fürs ganze Leben. Da müssen wir mehr tun“. Es mangele an besserer Bezahlung und Attraktivität für den Kita-Beruf, meinte auch GEW-Jugendhilfe-Leiter Köhler. 
Die zu der GEW-Tagung eingeladenen Saar-Minister Ulrich Commercon (SPD/Bildung) und Monika Bachmann (CDU/Soziales) hatten sich durch ihre für Jugendhilfe zuständigen Verwaltungsleiterinnen vertreten lassen. So musste sich vor allem Alexandra Heinen vom Sozialministerium viel Kritik anhören. Anja Wagner-Scheid vom Bildungsministerium kündigte an, demnächst werde in 25 bis 30 stark belasteten Kita-Einrichtungen im Saarland das Personal verstärkt. Außerdem solle im Herbst der Referentenentwurf für ein neu gefasstes saarländisches Kinderbetreuungs- und -bildungsgesetz vorgelegt werden.

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