1. Saarland

Geteilter Fluglärm ist halber Lärm

Geteilter Fluglärm ist halber Lärm

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St. Wendel. Heftige Klagen gab es in den vergangenen Wochen über den Lärm, den übende Militärjets über dem St. Wendeler Land verursachten. Anlass für den Kreistag, erneut eine Resolution zum Fluglärm zu verfassen. Eine ähnliche Willenserklärung wurde bereits im Mai des Vorjahres verfasst und einstimmig mit dem Ziel beschlossen, Beeinträchtigungen durch Fluglärm im Landkreis so weit wie möglich zu verringern.Viele Bürger im St. Wendeler Land hatten in den vergangenen Wochen jedoch den Eindruck, dass der Fluglärm in diesem Sommer nicht weniger, sondern mehr geworden ist. Diesen Eindruck habe, wie Landrat Udo Rechtenwald in der jüngsten Kreistagssitzung berichtete, ein Vertreter des Luftwaffenamtes bestätigt. Der habe in einem Gespräch, an dem Vertreter der Kreistagsfraktionen teilnahmen, die Hintergründe erläutert.Belastung gestiegenInsgesamt habe die Zahl der Übungsflüge in Deutschland abgenommen. Im Nordsaarland sei die Belastung aber gestiegen, habe der Vertreter des Luftwaffenamtes zugegeben. Militärjets übten in festen reservierten Lufträumen. Über der Eifel sei ein solcher gestrichen worden. Die Militärjets hätten deshalb auf den reservierten Luftraum "Lauter", zu dem das Nordsaarland gehört, ausweichen müssen. An diesen festen reservierten Lufträumen setzt die neue Resolution des Kreistages an. In ihr wird gefordert, diese Lufträume komplett abzuschaffen. Stattdessen sollten die Übungszonen flexibel über die Republik verteilt werden, wie es derzeit bereits in Norddeutschland erprobt werde. Davon verspricht sich der Kreistag eine gerechtere Verteilung des "unvermeidbaren Fluglärms" auf mehrere Gebiete und damit eine Entlastung des nördlichen Saarlandes. Zu diesem Thema liefen bereits "zielführende Gespräche", erklärte der Landrat. Eindeutig zu hoch schätzen die Kreistagsfraktionen die Fluglärmbelastung der vergangenen Wochen ein. So hoch, dass sie zu Gesundheitsschäden bei manchen Bürgern führen könnten. Dass militärische Übungsflüge notwendig seien, auch darin war man sich einig. Für die CDU-Fraktion sagte Friedbert Becker, dass der Landkreis St. Wendel auch in Zukunft einen gerechten Anteil an dieser Belastung tragen müsse. Für eine Tourismusregion sei dies zwar nicht "produktiv", angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage gebe es aber keine Alternative. Für die SPD-Fraktion fordert Magnus Jung, dass der Landkreis "mittelfristig" von Übungsflügen ganz verschont bleibt. In den USA und Kanada gebe es Platz zu üben. Militärische Transportflüge von und nach Ramstein und zivile Flüge zu den vielen Flughäfen der Region seinen Belastung genug. Nach einer kurzen, heftigen Diskussion über Sinn und Unsinn von Forderungen, die nicht erfüllt werden könnten, einigte sich der Kreistag darauf, die vorliegende Resolution anzunehmen - mit dem Zusatz, dass die Abschaffung der festen reservierten Lufträume für den Landkreis ein erster Schritt sei. Meinung

Wut macht den Lärm nur lauter

Von SZ-RedakteurDagobert Schmidt Lästig, nervtötend, gesundheitsschädlich - es ist schlimm, dem Lärm sich gegenseitig jagender Militärjets ausgesetzt zu sein. Noch schlimmer empfinden ihn jene, die ihre ganze Wut gegen "die da oben", Piloten und Politiker, richten. Denn diese Wut macht besonders hellhörig. Nicht bewusst hinhören, lässt das Unvermeidliche leichter ertragen. Denn ruhiger wird es werden, himmlische Ruhe ist allerdings nicht zu erwarten.