1. Saarland

Gesundheit im Saarland: Studie zeigt Gesundheits-Irrtum vieler Saarländer

Corona steigert Stresslevel deutlich : Studie zeigt Gesundheits-Irrtum, dem die meisten Saarländer aufsitzen

Wie ist es um die Gesundheit der Saarländer bestellt? Innerhalb Deutschlands schneiden sie gar nicht schlecht ab, besagt eine aktuelle Gesundheitsstudie. Doch: Die Saarländer überschätzen sich.

Von Martin Lindemann

„Wie gesund lebt Deutschland?“ Seit 2010 erforschen die Deutsche Krankenversicherung (DKV), die beitragsstärkste private Kasse des Landes, und das „Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation“ der Deutschen Sporthochschule Köln den Gesundheitszustand der Deutschen. Die aktuelle Studie zeigt, dass sich die Deutschen gesünder fühlen, als ihr Lebensstil verspricht. „Seit Beginn der Befragungsreihe hatten die Deutschen noch nie einen so ungesunden Lebensstil wie heute“, schreiben die Wissenschaftler.  

In der diesjährigen Umfrage schätzten 21 Prozent der 2800 Interviewten ab 18 Jahren ihren eigenen Gesundheitszustand als „sehr gut“ und 39 Prozent als „gut“ ein.  Aus medizinischer Sicht leben aber nur elf Prozent der Bundesbürger - 14 Prozent der Frauen und neun Prozent der Männer - gesund, wenn man die wissenschaftlichen Erkenntnisse für ein gesundes Leben in den Bereichen körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden zugrunde legt.

Irrtum: Saarländer leben lange nicht so gesund, wie sie glauben

Auch die Saarländer sitzen diesem Irrtum auf. Sie sind lange nicht so gesund, wie sie selbst glauben. Innerhalb Deutschlands schneiden sie aber gar nicht schlecht ab. Im Saarland pflegen 16,6 Prozent einen gesunden Lebensstil. Ein wenig besser schneiden nur die Sachsen (17,5 Prozent), Hamburger (17,4 Prozent) und Brandenburger (17,2 Prozent) ab. Schlusslicht Nordrhein-Westfalen erreicht gerade mal 6,5 Prozent.

Es fällt auf, dass besonders der Stresslevel der Befragten deutlich zugenommen hat. „Die Corona-Jahre 2020 und 2021 haben deutliche Spuren hinterlassen“, besagt die Studie. Nur noch 40 Prozent der Bundesbürger können ihren Alltagsstress gut kompensieren. 2018 schafften dies noch 57 Prozent der Befragten. „Von Stressresistenz kann bei den Deutschen kaum noch die Rede sein“, heißt es im Bericht. 60 Prozent der Befragten fühlen sich in diesem Jahr angespannt. Homeoffice und Homeschooling haben bei vielen an den Nerven gezehrt. Die Saarländer können mit am besten mit Stress umgehen. Hier schaffen es immerhin 49 Prozent der Betroffenen, die Überlastung und Anspannung gut auszugleichen und im stressigen Alltag Ruhe zu bewahren. In Nordrhein-Westfalen, dem Schlusslicht, sind es lediglich 32,3 Prozent.

 Nach eigenen Angaben legen 72 Prozent der Saarländer Wert auf regelmäßige körperliche Aktivität. Wozu auch Spazierengehen zählt. Auch damit sind sie in der Spitzengruppe. Nur die Berliner (75,7 Prozent), die Brandenburger (74,1 Prozent) und Bayern (73 Prozent) bewegen sich etwas mehr. In Thüringen legen die Befragten am wenigsten Wert auf körperliche Aktivität (62 Prozent).

Über die Hälfte der Saarländer (55,6 Prozent) ernährt sich bewusst gesund. Im Bundesdurchschnitt sind es 47,5 Prozent. Nur in Sachsen-Anhalt (56,7 Prozent) und Brandenburg (56,1 Prozent) messen noch mehr Bürger einer ausgewogenen Ernährung eine größere Bedeutung bei als im Saarland. Auf dem letzten Platz landet Baden-Württemberg, wo sich nur 40,2 Prozent der Einwohner auf eine gesunde  Ernährung achten.

Etwa ein Viertel der Deutschen sind Raucher. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren wieder leicht gestiegen. Besonders häufig erliegen die Schleswig-Holsteiner ihrem Verlangen nach Nikotin. Hier sind nur 69,7 Prozent Nichtraucher. Der Studie zufolge leben die meisten Nichtraucher in Sachsen (89 Prozent) und im Saarland (83,5 Prozent). „Was ihren Alkoholkonsum angeht, so sind die Deutschen auch in diesem Jahr zurückhaltend“, heißt es in der Studie.  Beim Alkoholkonsum landet das Saarland im Mittelfeld. 81 Prozent seiner Bürger gaben an, nur mäßig Alkohol zu trinken. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 82,3 Prozent. In Niedersachsen leben die meisten Menschen mit nur mäßigem Alkoholkonsum (90,9 Prozent), in Sachsen-Anhalt halten sich im Vergleich der Bundesländer die wenigsten Bewohner beim Alkoholtrinken zurück (78,1 Prozent).

Dass langes, regelmäßiges Sitzen der Gesundheit schadet, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Die DKV-Studie zeigt, dass die Deutschen im Durchschnitt  8 Stunden und 43 Minuten am Tag sitzen. Das ist eine Stunde länger als 2018. Besonders die jungen Erwachsenen sitzen immer mehr, mittlerweile rund 10,5 Stunden pro Werktag, zumeist während der Arbeit oder am Computer. Spitzenreiter beim langen Sitzen sind die Brandenburger (9 Stunden und 9 Minuten) und die Hessen (9 Stunden und 3 Minuten). Am wenigsten sitzen die Menschen in  Mecklenburg-Vorpommern (7 Stunden und 47 Minuten). Für das Saarland ist ein Wert von 8 Stunden und 23 Minuten angegeben.