Gesünder leben stand auf dem Stundenplan

Gesünder leben stand auf dem Stundenplan

Püttlingen. Ungesund, "weil's dick macht", weiß Dennis. Die Rede ist von Süßigkeiten. "Drei Gummibärchen entsprechen einem Stück Würfelzucker", sagt Sabine Becker, Ernährungsberaterin des Püttlinger Knappschaftskrankenhauses

Püttlingen. Ungesund, "weil's dick macht", weiß Dennis. Die Rede ist von Süßigkeiten. "Drei Gummibärchen entsprechen einem Stück Würfelzucker", sagt Sabine Becker, Ernährungsberaterin des Püttlinger Knappschaftskrankenhauses. Die Fünftklässler der Erweiterten Realschule (ERS) Püttlingen lernen: Eine Tafel Schokolade enthält 19 , eine Flasche Ketchup sogar 59 Zuckerstückchen. "Boah, das steht ja gar nicht auf der Packung", staunt Sheela.Mit ihren Klassenkameraden, alles Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren, besuchten Dennis und Sheela am Mittwoch das Knappschaftskrankenhaus - zum Aktionstag "Gesunde Gefäße". Dr. Christiane Jochum, Oberärztin der Klinik und Leiterin des Gefäßzentrums, erklärt den Hintergrund: "Neue Studien belegen, dasss bereits 17 Prozent aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig sind." Hauptgründe sind ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. 85 Prozent aller fettleibigen Jugendlichen werden diesen Ballast in ihr Erwachsenenleben hinein tragen. Herz- und Kreislauferkrankungen sind programmiert, ebenso Diabetes, Bluthochdruck, motorische Defizite, seelische Probleme sowie Gelenkschäden durch Überlastung.

Aufklärung tut not, und sie sollte möglichst früh beginnen. Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Angiologie und proklamierte einen bundesweiten Aktionstag. Oberärztin Jochum beteiligte sich mit ihrem Team. Hellwach verfolgen die 24 Fünftklässler die auf ihr Alter zugeschnittenen Erklärungen. Und staunen: Rund 100 000 Kilometer lang sind die kleinsten Gefäße im menschlichen Körper, die Kapilliaren. Kein Wunder, dass sie sich verengen, zumal dann, wenn Nikotin und Kalorienbomben in Verbindung mit fehlender Bewegung den Vorgang der Gefäßalterung, der so genannen Arteriosklerose, schon in jungen Jahren beschleunigen. "Oh je, diese Raucherlunge sieht eklig aus", stellt Philipp fest.

Und Nils freut sich über seine blitzblanke Halsschlagader, die ihm und seinen Mitschülern im Ultraschall gezeigt wird. Die Schüler lernen, ihren Puls zu fühlen und den Blutdruck zu messen. Sie sehen am Modell, wie Herz, Kreislauf und Blutgefäße funktionieren, bei gesunden, aber auch kranken Menschen. Sie toben sich auf dem Laufband und beim Rollstuhlparcours aus, erfahren, wie man sich richtig die Hände desinfiziert. Und sie bereiten sich mit der Ernährungsberaterin ein gefäßschonendes Mittagessen selbst zu: mit viel Obst und Gemüse, ungesüßten Säften und ganz wenig Fett.

Anastasia: "Das sieht cool aus, schmeckt lecker und ist gesund." Oberärztin Jochum: "Die Selbstverantwortung im Umgang mit der eigenen Gesundheit sollte so früh wie möglich gefördert werden. Das rechtzeitige Vorbeugen von Übergewicht bringt zum einen mehr Lebensqualität und reduziert zum anderen die Kosten für das Gesundheitssystem und die Rentenkassen durch längeren Erhalt der Arbeitsfähigkeit." "Drei Gummi-

bärchen entsprechen einem Stück Würfel-

zucker."

Sabine Becker

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